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Spanien: Neue Ratingherabstufung denkbar


01.10.2012
Union Investment

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Seit Monaten folgen die Ereignisse in der europäischen Schuldenkrise dem immer gleichen Muster, so die Experten von Union Investment.

Der Sorge folge die Erleichterung, dieser die Euphorie, die schließlich in Ernüchterung umschlage. Als sich die Renditen für spanische Staatsanleihen der Acht-Prozent-Marke genähert und somit Angst um Madrids Refinanzierungsmöglichkeiten geschürt hätten, habe die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzten Anleihekäufen für Krisenstaaten grünes Licht gegeben und so für Erleichterung gesorgt. Die Käufe würden allerdings nur dann stattfinden, wenn das Land zuvor einen Hilfsantrag an die Eurogruppe gerichtet und sich im Rahmen des dauerhaften Rettungsschirms (ESM) zu Sparmaßnahmen bekannt habe.

Die Regierung um Ministerpräsident Rajoy habe bislang keinen Antrag gestellt, die Rettung Spaniens drohe zu einer zähen Hängepartie zu werden. Da bereits die bloße Ankündigung der EZB-Maßnahmen für Entspannung gesorgt habe, fehle bislang der Druck seitens des Kapitalmarkts. In der vergangenen Handelswoche sei das Taktieren von Rajoy jedoch zunehmend skeptischer beurteilt worden, sodass die Renditen für langlaufende Staatspapiere wieder zugenommen hätten.


Der Aktienleitindex IBEX 35 (ISIN ES0SI0000005 / WKN 969223) habe parallel dazu mehr als sechs Prozent an Wert verloren, sodass die Auswirkungen auch dort zu spüren gewesen seien. Einige Marktteilnehmer würden fürchten, dass sich Spanien dennoch erst dann ans rettende Ufer flüchten werde, wenn die Situation nochmals eskaliert sei. Ein ambitionierter Sparplan, den die Iberer sich jüngst vorgenommen hätten, solle diese Befürchtungen zerschlagen.

Am Freitag sei außerdem das Ergebnis des jüngsten Bankenstresstests veröffentlicht worden. Nach dem Prüfungsbericht der Beraterfirma Oliver Wyman falle der Kapitalbedarf der spanischen Banken leicht unter den Erwartungen aus. Abzüglich der Mittel aus dem spanischen Bankenrettungsfonds würden wohl nur 40 der 100 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF benötigt.

Experten würden nun hoffen, dass der Finanzsektor zügig saniert werden könne. Völlig anders sehe die Lage beim Staatshaushalt aus. Finanzminister Montoro habe bereits angedeutet, dass Spanien sein Defizit-Ziel erneut zu verfehlen drohe. Die Neuverschuldung könnte 7,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Mit der Europäischen Union (EU) seien nur 6,3 Prozent vereinbart gewesen.

Über dem spanischen Kapitalmarkt schwebe außerdem das Damoklesschwert einer Bönitätsherabstufung durch die Ratingagentur Moody's. Die Amerikaner hätten vor Monaten eine erneute Überprüfung angekündigt und wollten sich in den kommenden Tagen äußern. Denkbar sei, dass Moody's Spanien nur dann herabstufen werde, wenn der Großteil der Investoren dem Land den Rücken gekehrt habe. Dies könnte bei Zinsen oberhalb von sieben Prozent der Fall sein. Das Zögern Madrids könne die Entscheidung somit begünstigen.

Vorstellbar sei aber auch, dass sich Moody's im Falle eines Hilfsantrags mit Blick auf die Sparvorgaben um das Wirtschaftswachstum sorge. Spanien erhalte derzeit die Moody's-Note Baa3 und somit die letzte Stufe im so genannten Investmentgrade. Darunter drohe der "Ramschstatus". Institutionelle Investoren dürften für gewöhnlich nicht in solche Papiere investieren und wären demnach zum Verkauf gezwungen. (01.10.2012/ac/a/m)




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