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Südeuropäische Aktien bald wieder im Fokus von Investoren?


29.08.2012
Berenberg Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die Eurokrise hat sich auf die Entwicklung der Aktienindices der südeuropäischen Börsen wie Spanien (IBEX 35 (ISIN ES0SI0000005 / WKN 969223)), Italien (FTSE MIB (ISIN IT0003465736 / WKN 145814)) und Frankreich (CAC 40 (ISIN FR0003500008 / WKN 969400)) negativ ausgewirkt, so die Analysten der Berenberg Bank.

Seit Jahresanfang habe von diesen zwar nur der IBEX 35 Einbußen in Höhe von 12% verkraften müssen, allerdings hätten FTSE MIB (+2%) und CAC 40 (+12%) zwischenzeitlich ebenfalls deutlich im negativen Terrain und weit hinter der Performance z. B. des DAX (ISIN DE0008469008 / WKN 846900) in Deutschland (+18%) gelegen. Über einen längeren Zeitraum (fünf Jahre) stelle sich der Vergleich noch schlechter dar: IBEX 35 -34%, FTSE MIB -52%, CAC 40 -23%, DAX -5% (Quelle: Bloomberg).

Bei Einzelaktien sehe das Bild ähnlich aus. Allerdings lohne ein detaillierter Blick auf die Titel, die an der Börse stark abgestraft worden seien. Nicht immer seien die Aktien nach Einschätzung der Analysten zu Recht auf Talfahrt geschickt worden. Der französische Energieversorger GDF SUEZ (ISIN FR0010208488 / WKN A0ER6Q) habe beispielsweise seit 2007 den Vorsteuergewinn von einer halben Mrd. auf mehr als 2,1 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2011 gesteigert. Durch die Übernahme des Energiekonzerns International Power (ISIN GB0006320161 / WKN 881189), der an Kraftwerken etwa in Lateinamerika, dem Nahen Osten, Asien und Afrika beteiligt sei, baue der Energiekonzern sein Geschäft in Wachstumsmärkten aus. Die Akquisition solle sich direkt auf die Geschäftszahlen von GDF SUEZ auswirken.


Der anvisierte Nettogewinn ohne Einmaleffekte solle 2012 um rund 200 Mio. Euro auf 3,7 bis 4,2 Mrd. Euro steigen. Ab 2013 würden die Franzosen einen positiven Effekt von rund 400 Mio. Euro auf das Nettoergebnis vor Einmaleffekten erwarten. Trotz dieses recht erbaulichen Gesamteindruckes zu GDF SUEZ habe die Wertentwicklung des Titels seit Ultimo 2011 mit -3% unter der des CAC 40 gelegen (im 5-Jahres-Vergleich mit -22% nur unwesentlich besser als der CAC 40). Die Aktie erscheine vor diesem Hintergrund und der niedrigen Bewertung - Kurs/Buchwert-Verhältnis (KBV) liege derzeit bei 0,74 - attraktiv.

Ähnlich verhalte es sich mit der Telecom Italia-Aktie (ISIN IT0003497168 / WKN 120470). Mit TIM Brazil (Mobilfunk) sei das Unternehmen auch in der Wachstumsregion Südamerika vertreten. In Brasilien und Argentinien erwirtschafte es ein Viertel des Konzernumsatzes. Das Management habe mit einer Ausnahme die durchschnittlichen Konsensusschätzungen der Analysten in den letzten zwölf Quartalen übertreffen können.

Wegen hoher Firmenwertabschreibungen im Zusammenhang mit lange zurückliegenden Geschäften mit Olivetti und TIM sei Telecom Italia im Geschäftsjahr 2011 zwar tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich habe ein Verlust von 4,7 Mrd. Euro verkraftet werden müssen. Ohne die Sonderbelastungen hätte der Konzern im vergangenen Jahr allerdings einen Gewinn von 2,6 Mrd. Euro erzielt. Die Telecom Italia-Aktie sei zurzeit mit einem KBV von 0,43 ebenfalls sehr günstig bewertet und habe sich mit -6% seit Jahresanfang schlechter entwickelt als der italienische Leitindex FTSE MIB (in der jüngsten 5-Jahres-Periode mit -52% gleich schlecht wie der FTSE MIB).

Auch bei Iberdrola (ISIN ES0144580Y14 / WKN A0M46B) trete die Kombination von solidem Geschäft, niedriger Bewertung (KBV = 0,57) und Nachholbedarf der Aktie (-34% seit Jahresanfang; -62% in den letzten fünf Jahren) auf. Iberdrola sei ein privater spanischer Energieversorger, der Strom erzeuge, übermittle, verteile und vermarkte. Neben Elektrizität stelle das Unternehmen auch Erdgas zur Verfügung. Durch die Übernahme von Scottish Power 2006 sei Iberdrola zum größten Windkraftbetreiber in Großbritannien und zum zweitgrößten in den USA avanciert. 2008 sei die Übernahme von Energy East und 2011 der Kauf der brasilianischen Elektro Electricidades e Servicos gefolgt, durch die der Konzern seine Marktstellung unter anderem in USA, Mexiko und Brasilien habe ausbauen können.

Sollte die Vertrauenskrise in Europa eingedämmt werden können, sei es durch umfangreiche Staatsanleihenkäufe von Euroländern wie Spanien durch die Europäische Zentralbank und/oder eine positive Entscheidung hinsichtlich des Rettungsschirms ESM, würden Anleger wohl vermehrt an die südeuropäischen Aktienmärkte zurückkehren. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass auch jene Unternehmen wiederentdeckt würden, die trotz ihrer nationalen Zugehörigkeit etwa zu Spanien oder Italien zu Unrecht an der Börse auf Talfahrt geschickt worden seien. (29.08.2012/ac/a/m)




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