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Analysen - Nebenwerte
18.08.2005
Dürr verkaufen
Bankhaus Lampe

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Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Roland Könen, rät zum Verkauf der Dürr-Aktie (ISIN DE0005565204/ WKN 556520).

Dürr habe in der letzten Woche die Zahlen für das erste Halbjahr 2005 vorgelegt, die wie erwartet nicht ansprechend ausgefallen seien. Darüber hinaus habe die Gesellschaft erneut ein Restrukturierungsprogramm angekündigt und gleichzeitig die Jahresprognose für 2005 nach unten revidiert.

Im ersten Halbjahr habe Dürr in den fortgeführten Aktivitäten einen nahezu stabilen Auftragseingang von 856 Mio. Euro (2004: 865 Mio. Euro) verzeichnet. Während die Umsatzerlöse um 15,0% stärker als unternehmensseitig erwartet auf 757 Mio. Euro zurückgegangen seien, habe sich die Bruttomarge deutlich auf 19,4% (16,9%) verbessern können. Das negative Periodenergebnis der fortgeführten Aktivitäten sei trotz der Margenverbesserung auf die nahezu unverändert gebliebenen Verwaltungs- und Vertriebskosten (123 Mio. Euro nach 122 Mio. Euro) sowie auf die gestiegenen Zinsaufwendungen (18,5 Mio. Euro nach 11,0 Mio. Euro) zurückzuführen.

Infolge des angekündigten Restrukturierungsprogramms sowie dem deutlich unter den Erwartungen liegenden Umsatz- und Ergebnisbeitrag der Division Paint and Assembly Systems habe das Management das angestrebte Jahresziel, ein Vorsteuerergebnis für die fortgeführten Aktivitäten über dem Vorjahresniveau (19 Mio. Euro) zu erreichen, aufgegeben.

Nach Abschluss des 18 Monate laufenden Gesamtprojekts FOCUS solle der Konzernumbau abgeschlossen sein. Mit einer dann verschlankten Dürr-Gruppe wolle der Konzern ab 2007 eine Vorsteuermarge von mindestens 4% und eine EBITDA-Marge von 8% erwirtschaften. Das Restrukturierungs- und Finanzierungskonzept werde in den nächsten Wochen angabegemäß weiter detailliert und solle Ende September vorgestellt werden.

Zuletzt hätten die Analysten immer wieder die Befürchtung geäußert, dass auf Grund des unverändert hohen Margendrucks die Gefahr weiterer Anpassungen der Geschäftsprozesse latent vorhanden sei und es zukünftig wieder zu Restrukturierungskosten kommen könnte. Mit den aktuellen Nachrichten hätten sich diese Befürchtungen nun leider wieder einmal bewahrheitet. Infolge der Restrukturierungskosten, von denen die Analysten annehmen würden, dass sie nahezu komplett in 2005 verbucht würden, sowie der unter den Planungen liegenden Entwicklung im Bereich Paint and Assembly Systems werde das Jahresergebnis 2005 wie auch schon in 2003 deutlich im Negativbereich liegen.

Angesichts der bislang nur vagen Aussagen über die mögliche zukünftige Konzernstruktur und das damit zusammenhängende Umsatzvolumen (PAS von 1,4 Mrd. Euro Umsatz in 2004 auf 1,1 Mrd. Euro Umsatz in 2007 denkbar), sei eine Planungsrechnung für die kommenden Perioden nur mit zahlreichen Unsicherheiten aufzustellen. Folglich sei eine faire Bewertung des Unternehmens auf Basis der Schätzzahlen ebenfalls mit höheren Unsicherheiten behaftet.

Ob und wieweit sich nach der Umsetzung aller Maßnahmen die avisierten Gewinnmargen (EBITDA: 8%, EBT: größer als 4%) tatsächlich realisieren lassen würden, müsse zunächst abgewartet werden. Angesichts der Enttäuschungen der letzten Jahre und den immer wieder auftauchenden Baustellen mit folgenden Restrukturierungsaufwendungen oder Sonderbelastungen seien die Analysten zunächst eher skeptisch, ob es dem Konzern gelingen werde, die gesetzten Ziele bis 2007 zu erreichen und diese dann nachhaltig auch zu festigen.

Das mit den oben genannten Unsicherheiten behaftetes Bewertungsmodell der Analysten vom Bankhaus Lampe zeigt auf Basis der neuen Gewinnschätzungen für 2006 und 2007 einen Fair Value von rund 13 Euro, so dass sie ihr Kursziel auf Jahressicht mit 13,50 Euro zunächst bestätigen und die Dürr-Aktie auf Grund der zahlreichen Unsicherheiten unverändert mit "verkaufen" einstufen. Eine Höherstufung würden sie aus Risikogesichtspunkten erst vornehmen wollen, wenn weitere Eckdaten zu den jetzt angekündigten grundlegenden Restrukturierungen bekannt gegeben worden seien und die Gesellschaft darüber hinaus auch erste Ergebnisse aus dem Programm nachhaltig vorweisen könne.

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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