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Analysen - Ausland
26.01.2001
Acer bald Kaufgelegenheit
fnet.de Research

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Schwere Zeiten haben die Aktionäre von Taiwans größtem Computerhersteller Acer (WKN 897815) hinter sich, so die Einschätzung der Analysten von fnet.de Research.

Von fast 13 Euro Anfang vergangenen Jahres seien die Papiere bis auf 2,55 Euro Ende Dezember 2000 abgestürzt. Eine Vertrauenskrise am taiwanesischen Aktienmarkt und Gewinnwarnungen der großen US-Konkurrenten Apple, Dell und Compaq im Herbst vergangenen Jahres hätten Taiwans größtem Industrieunternehmen arg zugesetzt. Doch jetzt scheine sich bei den Anlegern die Meinung durchzusetzen, dass die Verluste übertrieben gewesen seien. Zuletzt habe sich das Papier bis auf aktuell 4,48 Euro kräftig erholen können.

Im Zuge des derzeitigen Stimmungsumschwungs im High-Tech-Sektor sollte auch die technologielastige Börse in Taipeh wieder Oberwasser bekommen. Und ein Aufwärtstrend am Gesamtmarkt dürfte an einem der Vorzeigeunternehmen des Landes nicht spurlos vorüber gehen. Ermutigend sei auch, dass die Regierung in Taiwan während der turbulenten Börsenmonate des vergangenen Jahres nicht müde wurde, dem angeschlagenen Markt mit massiven Stützungskäufen unter die Arme zu greifen.

Zwar lasse sich die Krise in der Computerbranche nicht wegdiskutieren, mittelfristig sollten die Geschäfte bei Acer jedoch wieder gut laufen. Als einer der weltweit größten PC-Hersteller produziere das Unternehmen neben eigenen Produkten Computer für die beiden Branchenriesen IBM und Dell. In diesem Geschäftszweig hätte man im abgelaufenen Jahr allerdings herbe Verluste eingefahren. IBM hätte zahlreiche Aufträge gekürzt, Dell habe Bestellungen um einige Wochen verzögert. Entsprechend schlecht würden die Zahlen für das Gesamtjahr 2000 ausfallen.

Im Oktober habe Acer die Umsatzerwartung von 150 Milliarden Taiwan-Dollar (5,03 Milliarden Euro) auf 105 Milliarden Taiwan-Dollar (3,53 Milliarden Euro) reduziert. Beim Gewinn hätte man ursprünglich 11,4 Milliarden Taiwan-Dollar erwartet. Nun rechne das Unternehmen mit 8,5 Milliarden Taiwan-Dollar (2,85 Millionen Euro). In der laufenden Geschäftsperiode gehe man wieder von einem Umsatzanstieg in Höhe von zwölf bis 15 Prozent aus.

Um den Weg aus der Krise zu ebnen, wolle sich das Unternehmen neu strukturieren. Die fünf Unternehmensgruppen sollten ihre Geschäfte straffen, Auftragsproduktion und die Herstellung eigener Erzeugnisse sollen getrennt werden, unprofitable Werke wolle man schließen. Mit diesen Maßnahmen wolle sich die Gesellschaft den gewandelten Marktgegebenheiten anpassen.

Im Riesenreich China wolle Acer in diesem Jahr eine Spitzenposition erobern. Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit sollten jedoch die profitableren Märkte in den USA und in Europa bleiben. Dennoch seien die Wachstumsaussichten gerade in China nicht zu unterschätzen. 187,5 Millionen US-Dollar habe die Firma im vergangenen Jahr im Reich der Mitte umgesetzt, stolze 200 Prozent mehr als 1999. Demnächst wolle das Unternehmen in allen wichtigen chinesischen Städten mehr als 1000 Verkaufsstellen einrichten. Jährlich sollten dann 500 weitere dazukommen. Schon im kommenden Halbjahr würde sich die finanzielle Lage wieder deutlich aufhellen, habe die Unternehmensführung kürzlich verlauten lassen.

Die Bewertung sei mit einem KGV von etwa acht auf Basis der Schätzungen für 2002 trotz der jüngsten Kursexplosion immer noch moderat. Das Kurs-Buchwertverhältnis liege bei 1,36 und sei damit für die Branche ungewöhnlich niedrig. Zum Vergleich: die beiden US-Giganten Dell und Compaq würden aktuell ein KGV von 16 bzw. 14 aufweisen. Natürlich sei dabei zu berücksichtigen, dass Aktien aus den Emerging Markets von den Anlegern häufig mit einem Risikozuschlag bedacht würden.

Aktuell erscheine der Titel etwas heiß gelaufen. Der Sprint von 2,55 Euro auf heute 4,48 Euro sei des Guten doch reichlich viel. In Kürze dürften Gewinnmitnahmen anstehen. Bei dieser Gelegenheit würden die Analysten von fnet.de Research die Papiere in ihr Emerging Markets-Musterdepot aufnehmen. Man rate jedoch zu einem Stopp-Loss knapp unterhalb der Marke von drei Euro.



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