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Analysen - Neuer Markt
22.12.2000
Kontron teurer Deal
Prior Börse

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Nach Einschätzung der Experten der Prior Börse ist der Börsenwert von Kontron (WKN 523990) in Höhe von 1,1 Mrd. Euro, der dem Zehnfachen des für 2000 anvisierten Umsatzes entspricht, nicht zu verachten.

Auf den ersten Blick relativiere sich diese Bewertung angesichts des erwarteten jährlichen Wachstums von 100%. Jedoch müsse man bedenken, dass das Unternehmen aus eigener Kraft nur um ca. 45% pro Jahr wachsen könne. Der Rest generiere Kontron mittels Übernahmen, weshalb man sich seit dem IPO bereits vier Firmen einverleibt habe.

Mit der Akquisition FieldWorks habe die Gesellschaft ihre Position auf dem amerikanischen Markt stärken wollen. So sei in der letzten Woche der Anteil auf 62% erhöht worden, was mit der „erfolgreichen Geschäftsentwicklung“ bei FieldWorks begründet worden wäre. Das sei der Anlass für die Experten der Prior Börse gewesen, die Geschäftszahlen der US-Firma näher zu beleuchten.

So seien in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 36% auf 11,8 Mio. USD gesunken. Gleichzeitig sei der Fehlbetrag um 233% auf 13,3 Mio. USD explodiert. Besonders katastrophal habe sich das dritte Quartal präsentiert. Bei Einnahmen in Höhe von 4,8 Mio. USD sei ein Verlust von 7,3 Mio. USD angefallen. Die Bilanz weise per 1.Oktober 2000 ein Gesamtvermögen von 7,7 Mio. USD aus, bei Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 13,6 Mio. USD. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass der Kurs, der im Frühjahr noch bei einem Stand von 3,5 USD notiert habe, alleine seit Monatsbeginn um weitere 50% auf nur noch 47 Cents einbrach.

Angesichts des dramatischen Kursverfalls müsse man sich auch Sorgen um Kontron machen. So habe man für sechs Mio. Aktien von FieldWorks, die aus einer Kapitalerhöhung stammen würden, noch einen Preis von 90 US-Cents bezahlt. Als Gegenleistung habe Kontron den in Liquiditätsschwierigkeiten steckenden Amerikanern die Tilgung von zwei Krediten in Gesamthöhe von 5,4 Mio. USD erlassen. Aus dem Besitz von Altaktionären habe Kontron weitere 6,4 Mio. Aktien erworben, wofür man u.a. 100.000 eigene Aktien auf den Tisch habe legen müssen. Angesichts der derzeitigen Tiefstände sei dies kein guter Deal gewesen, da alleine dieses Paket genauso viel Wert wäre wie FieldWorks insgesamt.

Zwar sei das Management von Kontron zuversichtlich, dass FieldWorks im ersten Quartal 2001 den Turnaround schaffe. Die Analysten der Prior Börse kommen allerdings zu der Einschätzung, dass in den kommenden Jahren Goodwill-Abschreibungen in Millionenhöhe den Gewinn von Kontron womöglich auffressen könnten.



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