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Analysen - Neuer Markt
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21.12.2000
MobilCom Halten
LB Baden-Württemberg
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Die MobilCom AG (WKN 662240) mit Sitz in Büdelsdorf bei Hamburg sei gemessen am Umsatz das fünftgrößte Telekommunikationsunternehmen in Deutschland, so die Analysten der LBBW. Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit seien der Mobilfunk (77 % vom Umsatz im laufenden Geschäftsjahr), gefolgt vom Festnetzgeschäft (15 %) und dem Bereich Internetzugang/Portal (8 %)
MobilCom habe seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 113 % auf 1 664 Mio. Euro (780 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum) steigern können. Das EBIT sei mit -22 Mio. Euro (+42 Mio. .) stark rückläufig, ebenso der Konzernüberschuss mit -34 Mio. Euro (+20 Mio. Euro). Damit ergebe sich bisher ein Ergebnis je Aktie von -0,73 Euro (+0,43 Euro). Belastend hätten die stark gestiegenen Kundenakquisitionskosten sowie die durch den UMTS-Lizenzerwerb bedingten Zinskosten bewirkt, welche erstmals im dritten Quartal angefallen seien. Die Kundenakquisitionskosten hätten sich um 26 Euro auf 111 Euro je Neukunde erhöht, womit das Ergebnis im laufenden Jahr allein durch diesen Posten um 252 Mio. Euro belastet worden sei. Die Entwicklung der Internettochter Freenet.de sei erfreulich verlaufen, was vom Markt derzeit jedoch nicht honoriert werde.
Durch den Erwerb einer UMTS-Lizenz in Deutschland zusammen mit dem Partner France Telecom wage MobilCom den Schritt vom netzunabhängigen Service Provider zum Netzbetreiber. Der Start des Netzes sei für Mitte 2002 vorgesehen. Für den Netzaufbau habe MobilCom einen aus unserer Sicht äußerst günstigen Rahmenvertrag über 1,6 Mrd. Euro bis Ende 2003 mit dem schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson geschlossen. Damit liege MobilCom 30 % unter den ursprünglichen Planungen, was auf den Einkaufsverbund mit France Telecom zurückzuführen sein dürfte. Dennoch werde sich die Ergebnissituation durch hohe UMTS-Anlaufverluste deutlich verschlechtern. Die UMTS-Zinskosten plus Lizenzabschreibungen würden sich zukünftig auf 840 Mio. Euro jährlich belaufen und ließen erst 2007 wieder ein positives Ergebnis erwarten.
Aufgrund der geringen Diversifikation des MobilCom-Konzerns sei die Aktie eine Wette auf den Erfolg der mobilen Internet-Zukunft. Einen ersten Hinweis auf das Potenzial des Projektes UMTS werde die Einführung des GPRS-Standards im kommenden Jahr liefern. Die nachhaltige Belastung des Ergebnisses und eine ungesicherte längerfristige Finanzierung mahnten jedoch zur Vorsicht. Da die Erträge aus UMTS nur vage, die Kosten jedoch sehr real und hoch seien, reduzierten die Experten der LBBW ihre Empfehlung trotz des inzwischen ermässigten Kursniveaus von Akkumulieren auf Halten.
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