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Analysen - Ausland
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24.11.2000
ING Marketperformer
LB Baden-Württemberg
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Der niederländische ING-Konzern (WKN 881111) sei mit einer Marktkapitalisierung von rund 80 Mrd. Euro der größte europäische Allfinanzdienstleister, so die Experten der LBBW.
Drei Viertel seiner Einnahmen stammten aus dem Versicherungsgeschäft, der übrige Teil aus dem Bankgeschäft und der Vermögensverwaltung. Neben den Niederlanden und Belgien (Banque Bruxelles Lambert) seien die USA die wichtigste Geschäftsregion des Unternehmens. Nach Vollendung der Akquisition von ReliaStar und Aetna werde ING dort der führende Lebensversicherer sein. Außerdem gehörten die Investmentbanken Barings, Furman Selz und die BHF-Bank zur ING-Gruppe.
Die vorzeitig bekannt gegebenen Ergebnisse der ersten neun Monate dieses Jahres enthielten keine Überraschungen. Während sich die Gesamteinnahmen um 25 % auf 37,0 Mrd. Euro erhöht hätten, sei der Nettogewinn um 163 % auf 10,8 Mrd. Euro gestiegen. Unter Ausklammerung der Erlöse aus der Veräußerung von Beteiligungen sei das operative Nettoergebnis im Versicherungsgeschäft um 18 % und im Bankgeschäft um 39 % gestiegen. Völlig unerwartet hingegen sei die Ankündigung des Unternehmens, sich vom US-Geschäft von ING-Barings trennen zu wollen. Grund hierfür sei, dass die US-Einheit im Gegensatz zum Europa- und Emerging-Markets-Geschäft die Ertragsziele in der Vergangenheit dauerhaft verfehlt habe. Während für das US-Geschäft ein Käufer gesucht werde, sollten die übrigen Aktivitäten von Barings in die europäische Investmentbanking-Sparte von ING integriert werden.
Mit dem Rückzug aus dem US-Investmentbanking scheine ING die Idee, sich als global tätige Investmentbank zu positionieren, endgültig aufgegeben zu haben. Da in diesem Geschäftsfeld die Wettbewerbsintensität in den USA sehr hoch sei, wären massive Investitionen notwendig gewesen, um die erforderlichen Größenvorteile entstehen zu lassen. ING schlage somit die entgegengesetzte Strategie wie z.B. Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse ein. Die Analysten der LBBW hielten das Vorgehen von ING zwar für gerechtfertigt, jedoch sollte die Desinvestition möglichst rasch erfolgen. Zu befürchten sei nämlich, dass die Unsicherheit über die Zukunft von Barings zu einem personellen Aderlass am Hauptsitz London führe, der auch die Ertragskraft des europäischen Investmentbanking-Geschäfts von Barings schwächen dürfte.
Vor dem Hintergrund der unsicheren Situation der Investment-banking-Division erwarteten die LBBW-Experten trotz der ansonsten hervorragenden Positionierung des Unternehmens lediglich eine marktneutrale Entwicklung der ING-Aktie gegenüber dem Euro Stoxx 50.
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