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Analysen - DAX 100
23.11.2000
Continental kaufen
BfG Bank

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Die Neunmonatszahlen von Continental (WKN 543900) haben an der Börse enttäuscht, so die Analysten der BfG-Bank.

Trotz eines kräftigen Umsatzanstiegs von 11% auf 7.438 Mio. € habe das operative Ergebnis (EBIT) mit 385 Mio. € nur auf Vorjahresniveau gehalten werden können. Das Konzernergebnis nach Steuern habe mit 148 Mio. € infolge eines höheren Zins- und Steueraufwands sogar um 11,4% unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums (167 Mio. €) gelegen. Die EBIT-Marge sei von 5,7 auf 5,2% zurückgegangen, die Nettoumsatzrendite sei von 2,5 auf 2,0% gesunken. In den einzelnen Bereichen sei die Geschäftsentwicklung uneinheitlich verlaufen. Während sich die positive Ergebnisentwicklung bei Continental Automotive Systems und ContiTech fortsetze, müssten alle Reifenbereiche (Pkw- und Lkw-Reifen) Rückgänge beim operativen Gewinn hinnehmen.

Trotz weiterer Absatzzuwächse und Marktanteilsgewinne verlaufe die Gewinnentwicklung in den Reifensparten des Konzerns im 3. Quartal 2000 wie schon in der ersten Jahreshälfte enttäuschend. Gründe seien der anhaltend hohe Preisdruck auf den Reifenmärkten sowie gestiegene Materialpreise gewesen, die wegen der verschärften Konkurrenzsituation nicht hätten weiter gegeben werden können. Infolgedessen sinke das Ergebnis bei Pkw-Reifen um 18 Mio. € oder 10,3% auf 157 Mio. €. Die EBIT-Marge sei von 9,6% auf 8,3% zurückgegangen. Das Ergebnis der Handelsgesellschaften bleibe deutlich unter den Erwartungen und liege weiter in der Verlustzone. Bei den Handelsgesellschaften sei das Erreichen der Gewinnschwelle derzeit nicht in Sicht.

Die gleichen Faktoren (Preisdruck, höhere Materialpreise) wie bei Pkw-Reifen führten auch bei Nutzfahrzeugreifen und der US﷓Tochter Continental General Tire zu Rückgängen des operativen Gewinns. Trotz Absatzzuwächsen und eines Umsatzanstiegs von 13% falle der operative Gewinn im Bereich Nutzfahrzeuge um 12,8% auf 34 Mio. €. Die EBIT-Marge verschlechtere sich von 6,1 auf 4,7%.

Noch stärker sei der operative Gewinn bei General Tire mit 42,9% auf 28 Mio. € gesunken, obwohl sich der Umsatz im wesentlichen währungsbedingt stark um 20,3% auf 1,3 Mrd. € erhöht habe. Mit einer EBIT-Marge von 2,1% sei die US﷓Tochter der ertragschwächste Bereich im Konzern.

Erfolgreicher operiere Continental außerhalb der Reifenaktivitäten. Das Nichtreifengeschäft (ContiTech und GAS) sei in den ersten neun Monaten zusammen auf einen Umsatz von 3.565 Mio. €, was einem Anteil von rd. 48% an den gesamten Konzernerlösen entspreche. Der Konzernbereich ContiTech (u.a. Schläuche, Antriebs- und Luftfedersysteme) verbessere den operativen Gewinn um 11,9% auf 113 Mio. € und sei mit einer EBIT-Marge von 8,4% der ertragstärkste Bereich im Konzern.

Mit einem Anstieg des EBIT um 74% auf 68 Mio. € erziele der Bereich Continental Automotive Systems den stärksten Gewinnzuwachs. Hierzu trage insbesondere das Geschäft mit elektronischen Bremssystemen (ESP, ABS) bei. Wegen der hohen Goodwill-Abschreibungen liege die Marge in diesem Geschäftsbereich mit 3,1% noch niedrig. Continental Teves allein erziele vor Goodwill-Abschreibungen von 52 Mio. € einen operativen Gewinn von 149 Mio. €, was einer EBIT-Marge von 6,7% entspreche.

Die Konzernbereiche Continental Automotive Systems und ContiTech dürften ihre positive Ergebnisentwicklung auch im 4. Quartal fortsetzen. Demgegenüber würden die Ergebnisse der Reifensparten wegen des harten Preiswettbewerbs sowie gestiegener Materialpreise voraussichtlich weiter unter Druck stehen. Zum Ausgleich für die Materialpreiserhöhungen seien für die Reifenbereiche weltweit Preiserhöhungen (seit November 6% in Europa, 3 - 4% in Nordamerika) eingeleitet worden, die im nächsten Jahr zu Ergebnisverbesserungen führen sollten.

Ob die Preiserhöhung durchgesetzt werden könnten, hänge jedoch von einer Nachfragesteigerung nach Reifen ab. Da die jetzt vorgenommenen Preiserhöhungen die eingetretenen Materialpreissteigerungen immer noch nicht ausgleichen würden, werde Continental im Frühjahr 2001 voraussichtlich erneut eine Preiserhöhungsrunde einleiten müssen.

Für das gesamte Jahr 2000 erwarte nun das Management bei unverändertem Umsatzziel von rd. 10 Mrd. € das operative Ergebnis lediglich auf dem Vorjahresniveau (511 Mio. €) halten zu können. Im Zwischenbericht zum ersten Halbjahr habe der Vorstand bereits die frühere Prognose eines sich zum Umsatzanstieg überproportional entwickelnden EBIT auf eine nur noch proportionale Zunahme nach unten korrigiert. Der Jahresüberschuss werde infolge eines höheren Zinsaufwands sowie einer deutlich von 32,6% im Vorjahr auf über 40% gestiegenen Steuerquote voraussichtlich sogar unter dem Wert des Vorjahres (1999: 235 Mio. €) liegen.

Conti verfüge auf mittlere Sicht über ein umfangreiches Potenzial zur Ergebnisverbesserung. Im traditionellen Reifengeschäft werde die fortschreitende Produktionsverlagerung an Niedrigkostenstandorte zu substanziellen Kosteneinsparungen führen. Gegenwärtig liege der Produktionsanteil der Niedriglohnländer bei rd. 42% und solle langfristig auf 50% steigen. Im stärker wachsenden Geschäft mit Fahrwerksystemen profitiere Continental Teves von den zunehmenden Einbauraten von ESP in Pkw und Light Trucks. Bis zum Jahr 2003 werde in Europa ein Anstieg der Einbaurate von gegenwärtig rd. 17% auf rd. 32%, in Nordamerika von derzeit rd. 3% auf rd. 14% erwartet. ESP werde damit zum Standard in Neufahrzeugen werden, wie es heute schon ABS sei. Teves werde als einer der führenden Anbieter von Fahrwerkstechnologie (Marktanteil von 39% in Europa) von dieser Entwicklung profitieren. Die im nächsten Jahr erwarteten kräftige Absatzsteigerung von 50% bei ESP würden weiterhin der größte Gewinntreiber bei Continental Automotive Systems sein.

Aus Anlass der nach unten revidierten Ergebnisprognose des Unternehmens werde die Schätzung für den Gewinn pro Aktie für das Jahr 2000 von bisher 1,86 auf 1,56 € sowie für 2001 von bisher 2,27 auf 1,96 € gesenkt. Trotzdem werde empfohlen die Aktie auf dem gedrückten Kursniveau mit Blick auf die sich aufhellenden Perspektiven im nächsten Jahr weiterhin zu kaufen. Mit einem KGV 2001 von 8,4 sei die Conti-Aktie im Vergleich zu anderen Automobilzulieferern niedrig bewertet.

Die Empfehlung der Analysten der BfG-Bank laute daher kaufen.



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