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Analysen - Nebenwerte
02.11.2000
AWD unseriös?
Der Aktionär

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Die Analysten des Börsenmagazins “Der Aktionär” untersuchten den Finanzdienstleister AWD (WKN 508590), welcher am 13. Oktober an die Börse gegangen war.

Bereits im Vorfeld des Börsengangs sei AWD mit Negativschlagzeilen aufgefallen. Aktuell liege der Wert allerdings etwa 20 Prozent im Plus. Die Notwendigkeit zur eigenen Altersvorsorge und die hohe Steuerlast seien die Aspekte, mit denen der Allfinanzdienstleister AWD neue Kunden werbe. Zum Produktportfolio von AWD gehörten Finanzprodukte von fondsgebundenen Lebensversicherungen und Kapitallebensversicherungen über Bausparverträge, Investment-, Film- and Immobilienfonds bi zu Sachversicherungen, Darlehen and Immobilien.

Blicke man etwas tiefer in den Emissionsprospekt und dessen Studien, fallen aber Unstimmigkeiten auf, so zum Beispiel bezüglich der Anzahl der beschäftigten Berater. Während im Emissionsprospekt von 2.336 die Rede sei, werden in den Studien der Deutschen Bank und von Merrill Lynch 2.014 angegeben, wobei sich wirklich ganze 2.000 in Ausbildung befänden und 2.500 nebenberuflich tätig sein sollen - um auf die Anzahl von „über 6.000 Beratern" zu kommen, mit denen in Werbeanzeigen geworben werde. Dies stimmt etwas nachdenklich, da eventuell versucht werde, trotz aller Dementis den noch bestehenden Stukturvertrieb dem Anleger zu verschleiern.

Vor allem MLP distanziere sich entschieden von AWD: Seit Jahren habe man sich eindeutig gegen „die unverantwortlichen Praktiken von Strukturvertrieben und Vertreibern zweifelhafter Kapitalanlagen ausgesprochen”. Negativ seien auch die ungewöhnlich hohen Provisionen bei Immobiliengeschäften ins Auge gestochen. AWD stecke sich dabei neun Prozent in die Tasche. Üblich in der Branche seien aber gerade einmal die Hälfte, also etwa vier bis fünf Prozent. Daher vermute man, dass man hochriskante Geschäfte anbiete, andernfalls wären die neun Prozent Provision nicht so einfach wieder von den Anlegern zu verdienen. Eine zweite Möglichkeit wäre, dass Anleger auf Verlusten sitzen bleiben müssen.

Über Qualität und Güte der abgeschlossenen Versicherungsverträge könne man auch geteilter Meinung sein. Nehme man als Beispiel die 45,2 Millionen DM Stornorückstellungen aus dem Verkaufsprospekt und setzt diese ins Verhältnis mit den Provisionszählungen aus Versicherungsverträgen and Bausparverträgen von - laut Roadshow-Präsentation - 307,8 Millionen DM, so komme man auf eine Stornoquote von knapp 15 Prozent. AWD erwarte also in der Bilanz eine höhere Stornoquote als in den Emissionsstudien - hier schwankten die Angaben zwischen einem and fünf Prozent.

Zusammenfassend machten nicht nur die Vorfälle beim Börsengang einen unseriösen Eindruck. Vorstand Maschmeyer versuche zwar, sein Unternehmen seriös darzustellen. Sowohl Kunden als auch für Anleger sollten Vorsicht walten lassen. Im Finanzdienstleistungsbereich gebe es bessere Aktien zu kaufen, wie zum Beispiel MLP.



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