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Analysen - Neuemissionen
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23.10.2000
Borussia zu risikoreich
IPO-Reporter
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www.optionsscheinecheck.de
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Nach Meinung der Analysten von IPO-Reporter sind die Aktien von Borussia Dortmund (WKN 549309) ein zu risikoreiches Investment.
Die vergangene Saison sei sehr bitter für den ein oder andern Fan der Borussia Dortmund gewesen. Der von vielen erwartete Kampf um den Einzug in das internationale Fußballgeschäft sei verloren worden. Aus der Traum von Gegnern wie Barcelona, Manchester oder Lazio in dieser Saison. Übrig sei nur die Vorfreude auf Publikumsmagneten wie Unterhaching oder Cottbus geblieben.
Dies zeige eigentlich deutlich das erhöhte Risiko, dem Investoren in Fußballaktien ausgesetzt seien. Der bereits in der letzten Saison geplante Börsengang musste verschoben werden. Deutlich besser sehe es in der laufenden Saison für den BVB aus. Nachdem weiter in teure Spieler investiert worden sei, stehe man aktuell auf dem vierten Tabellenplatz. Nach Meinung der BVB-Oberen der richtige Zeitpunkt für das Going Public.
Bei einem erwarteten Emissionspreis von 12 Euro ergebe sich daraus ein Emissionsvolumen von 180 Millionen Euro. Eine stolze Summe, wenn man die Risiken sehe. So wirke sich die schlechte letzte Saison nicht nur auf die Stimmung bei den Fans aus, sondern auch auf die Unternehmenszahlen. Nach 97 Millionen Euro werde für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einem Umsatz von 73,1 Millionen Euro gerechnet. Deutlich zeige sich die Abhängigkeit vom Erfolg und den damit verbunden Einnahmen aus dem internationalen Geschäft. Dies sei auch dem Vorstand des Vereins klar. Der Umsatzanteil des Fußballgeschäfts müsse und werde gesenkt werden.
Die ersten Schritte seien bereits getan. So sei der Sportartikelhersteller Goool.de gegründet worden. Darüber hinaus sei man in das Geschäft mit Sportreisen eingestiegen. Einen großen Beitrag zur Unabhängigkeit solle aber das Westfalen-Stadion Dortmund bringen. Hier wolle man im Zuge des Börsengangs seinen Anteil von 45 auf 75% erhöhen. Zukünftig solle es dann für Veranstaltungen abseits des Fußballs genutzt werden.
Alles Maßnahmen, die die Unabhängigkeit vom Kerngeschäft Fußball bringen sollten. Aber letztendlich werde die Aktie am Erfolg gemessen werden. Denn daran geknüpft seien die Sponsoreneinnahmen, die so wichtigen Fernsehgelder und die nicht zuletzt immer wichtiger werdenden Merchandising-Einnahmen.
Rund 40% des Emissionserlöses würden dennoch in den Fußball fließen. Im sportlichen Bereich werde der BVB in die gezielte Verstärkung der Lizenzspielermannschaft investieren. Allerdings solle die im internationalen Vergleich maßvolle Einkaufspolitik der Vergangenheit fortgesetzt werden. Der BVB werde sich nicht an den in England, Spanien und Italien gezahlten Transfersummen orientieren. Vielmehr würden etwa 5 bis 10% des Emissionserlöses in den Aufbau eines Fußballleistungszentrums zur Nachwuchsförderung fließen.
Nach dem Ermessen von IPO-Reporter dürfte sich eine Zeichnung nur für wahre Fans lohnen. Zu unsicher seien die zukünftigen Prognosen, zu groß immer noch die Abhängigkeit vom Fußball. Auch die Wahl der Rechtsform als KGaA dürfte nicht gerade zu reißenden Umsätzen an der Börse beitragen. Bei der Emission handele es sich nämlich um stimmrechtslose Aktien. Dies dürfte ein Engagement von ausländischen Investoren und Fondgesellschaften verhindern.
Die Empfehlung von IPO-Reporter die Aktie nicht zu zeichnen, beruhe auch auf dem eher mäßigen Abschneiden der anderen Fußballvereine an den ausländischen Börsen. So seien vor allen in England, Dänemark und Italien bereits Vereine börsennotiert. Hier habe sich deutlich die Abhängigkeit von den fußballerischen Erfolgen gezeigt. Kaum eine Aktie notiere noch über dem Ausgabekurs.
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