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Analysen - Ausland
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02.10.2000
Priceline verkaufen
iWatch
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www.optionsscheinecheck.de
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Wir befänden uns in einer Phase, in der das Management von einigen jungen Internetfirmen häufig nur noch reagiere, nicht aber agiere, so die Experten von i-watch. So würden unausgereifte Pressemeldungen veröffentlicht, um zu einem Gerücht Stellung zu nehmen. Gleichzeitig verlangsame sich das Wachstum der US Wirtschaft, Budgets seien nicht mehr so üppig, wie im Vorjahr. Planzahlen müssen zurückgenommen werden. Und nun werde auch noch die für viele Internetfirmen bitter notwendige Herbstrallye in Frage gestellt.
Am Dienstag habe Dan Schulman, CEO von Priceline (WKN 919819), auf einer Pressekonferenz verkündet, dass der Umsatz im kommenden Quartal rund 10% hinter den Erwartungen zurückbleiben werde. Für anschliessende Fragen habe er nicht zur Verfügung gestanden. Das sei selten ein gutes Zeichen.
Bereits in der vergangenen Woche hätten die Experten von i-watch darauf hingewiesen, dass Priceline kräftig unter Beschuss geraten sei und dass aus dieser Position heraus mit weiteren Hiobs Botschaften zu rechnen sei.
Die Umsätze des Flugticketgeschäfts seien die Ursache für die Umsatzwarnung. Flugtickets machten 80% des Gerschäfts von Priceline aus. Die anderen Bereiche wüchsen nur moderat und könnten dem Flugticketgeschäft auf absehbare Zeit nicht das Wasser reichen. Nun verkauften Airlines mit zunehmendem Erfolg selber ihre Restplätze über das Internet. Diese Nische von Priceline werde nicht wachsen, sondern kleiner werden.
Weiterhin seien die Ticketpreise aufgrund des Ölpreisanstiegs angestiegen. Priceline kaufe die Tickets also zu einem höheren Preis ein, die Gebote der Priceline-Kunden hätten sich jedoch kaum verändert. Somit kämen nunmehr mehr Geschäfte nicht zustande, da Priceline nicht in der Lage sei, die niedrigst Gebote zu befriedigen. Ein herber Umsatzverlust.
Der Grundfehler dem alle unterlegen seien, sei die Illusion gewesen, Priceline könne unabhängig von Konjunktur und Wettbewerb viele Jahre lang dreistellige Zuwachsraten im Umsatz erzielen. Das Management müsse nun folgendes einsehen: “Wir haben uns geirrt. Wir hätten nicht gedacht, dass die Airlines eine eigene Restpostenbörse auf die Beine stellen. Wir hätten nicht gedacht, dass Rahmenbedingungen wie ein gestiegener Ölpreis nicht von unseren Kunden im Angebotspreis beruecksichtigt würden."
Wer trotz aller Warnungen immer noch Priceline Aktien halte, sollte sich von ihnen trennen. Die Beruhigungsfloskel, dass es nach einem Kurssturz von über 50% an einem Tag wohl kaum schlimmer kommen könne, gelte nicht. Priceline notiere 90% unter dem all time high. Warum sollte der Kurs nicht auch 95% darunter notieren können? Der Kurs werde sich so schnell nicht mehr erholen; Verkaufen!
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