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Analysen - Neuer Markt
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31.07.2000
realTech neutral
WestLB
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www.optionsscheinecheck.de
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realTech (WKN 700890) habe sich auf technische SAP r/3-Beratung für global operierende Grossunternehmen spezialisiert, berichten die Analysten der WestLB.
Zusätzlich biete das Unternehmen verstärkt E-Services für MySAPcom und E-Commerce an und sorge so für die Integration bestehender R/3 Systeme mit Internet-Applikationen bei erfolgskritischer Hochverfügbarkeit und Ausfallsicherheit in globalen Netzen. RealTech verfüge über eine Produktpalette für Enterprise Systems Management, die bereits bei über 1000 Kunden installiert sei. Zusätzlich baue das Unternehmen einen eigenständigen Vertrieb für Application Hosting für R/3-Lösungen im Mittelstand auf. RealTech realisiere über 50% des Umsatzes in den Niederlassungen in den USA, Australien, Neuseeland, Singapur und drei europäischen Ländern (ohne Deutschland). Es bestünden gemeinsame Entwicklungsprojekte mit SAP und Microsoft. Zu den Kunden gehörten Siemens, Braun, Deutsche Post, Telecom Italia, Fiat und DaimlerChrysler.
Im laufenden Geschäftsjahr rechnen die Spezialisten mit einem Gewinnanstieg von 1,01 € je Aktie. Für das Jahr 2001 werden 1,63 € erwartet. Somit betrage der 2001er KGV 33.
RealTech hebe sich von den am Neuen Markt gelisteten SAP-Integratoren wie z.B. SVC Schmidt Vogel, IDS Scheer und TDS dadurch ab, dass letztere eher betriebswirtschaftliche und nur zu einem kleinen Teil technische Beratung anbiete. Zudem seien diese Unternehmen in der Regel nicht global aufgestellt, so dass realTech für global operierende Grossunternehmen eine hohe Attraktivität aufweise. In der Internationalität bestehe Konkurrenz zu den grossen IT-Service-Häusern wie z.B. Cap Gemini, Getronics, Atos, Andersen Consulting oder debis, die aber wiederum hauptsächlich auf betriebswirtschaftliche Beratung fokussiert seien. Wettbewerber im E-Services-Bereich könnten z.B. GFT Technologies, Cell Network, Framfab, Scient, Sapient und Proxicom sein. Jedoch verfüge keiner der genannten Anbieter über realTechs Spezialwissen im R/3-Bereich. Das zusätzliche Angebot von E-Services-Leistungen im hochkomplexen R/3- und mySAP.com-Umfeld verschaffe realTech eindeutige Alleinstellungsmerkmale und Cross Selling-Potential im bestehenden erstklassigen Kundenkreis global agierender Konzerne.
Eine direkte Vergleichbarkeit mit den oben genannten Unternehmen sei wie beschrieben nicht gegeben. Aufgrund des Wandels hin zum E-Services-Anbieter hielten die Analysten eine differenzierte Bewertung für angebracht. Sie betrachteten zwei Gruppen von Vergleichsunternehmen: die erste Peer Group bestehe aus den oben genannten SAP-Beratern, die zweite aus internationalen E-Services-Anbietern mit technologischem Fokus. Die Bewertung erfolge für die erste Peer Group auf Basis von KGV und für die zweite basierend auf Marktkapitalisierung zu Umsatz-Kennziffer für 2001, da die KGV in dieser Gruppe für 2001 extrem hohe Werte annehme. Die angekündigte Akquisition sei in den Planzahlen indikativ enthalten. Bewerte man realTech im Vergleich zur ersten Peer Group, so ergebe sich ein fairer Wert von 70 €, im Vergleich zur zweiten Gruppe ergebe sie Fair Value von 160 €, da diese eine Prämie aufgrund der Internetausrichtung erziele. Trotz der strategischen Neuausrichtung des hochrangigen Kundenstammes, der starken Auftragslage und der klaren Unterbewertung am Markt bewerteten die Analysten realTech aufgrund des relativ schwachen ersten Quartals, der ebenfalls eher zurückhaltenden Erwartungen für das zweite Quartal und der unsicheren Finanzplanung durch fehlende Informationen zur US-amerikanischen Akquisition als Neutral.
Nach einem eher schwachen ersten Quartal erwarteten die Experten auch für das zweite Quartal ein unterdurchschnittliches Wachstum (10,65 Mio € Umsatz ) und ein leicht negatives operatives Ergebnis (-0,12 Mio €). Gründe dafür sehen die Experten in dem anhaltend schwachen US-Geschäft, was wie im ersten Quartal zu einer stark erhöhten Steuerquote führen werde, sowie in erhöhten Aufwendungen aufgrund der Akquisitionsvorbereitungen insbesondere in Verwaltung und F&E (Produktprüfung). Die Analysten erwarteten, dass realTech das akquirierte US-amerikanische Unternehmen ab dem dritten Quartal konsolidieren werde und hätten dies mit ca. 10 Mio € zusätzlichem Umsatz in ihren Planzahlen berücksichtigt. Aufgrund der unbefriedigenden Informationslage gingen die Experten davon aus, dass diese Schätzungen nach Bekanntgabe weiterer Details zum Unternehmen und der Akquisitionsmethode überarbeitet werden müssten. Grundsätzlich erwarteten sie, dass durch die Integration des US-Unternehmens das amerikanische Geschäft schneller wachsen und profitabel werde, so dass dieser derzeitige Krisenherd behoben sein werde. Dennoch müssten Integrationsaufwendungen mit Margenauswirkungen berücksichtigt werden. Die Zahlen für das zweite Quartal würden am 24. August veröffentlicht.
RealTech habe in diesem Quartal die Akquisition eines profitablen E-Services-Anbieters in den USA mit ca. 200 Mitarbeitern und 22-24 Mio USD Umsatz angekündigt. Diese Akquisition werden den Schwerpunkt der technologischen Beratungstätigkeit auf Internet-korrelierte Bereiche verlegen. Schon heute umfasse die traditionelle R/3-Beratung zu einem grossen Teil die Anbindung verschiedener Internet-Server in globalen Netzwerken. Aufgrund der erzielbaren Effizienzgewinne müssten immer mehr Unternehmen ihre R/3-Systeme mit Portalen verbinden. Hochverfügbarkeit werde mit steigenden unternehmenskritischen Transaktionen im Internet unabdingbar. Als eines von wenigen Unternehmen sei realTech in der Lage, diesen Anforderungen auf globaler Ebene gerecht zu werden. Zudem wachse die bis dato nicht erfolgreiche amerikanische Präsenz auf ca. 250 Mitarbeiter an und erlange damit die kritische Grösse, auch in den USA interessante Grossprojekte akquirieren zu können. Die Analysten der WestLB erwarteten, dass realTech die Identität des Akquisitions-Targets sowie weitere Details in Kürze bekannt gebe. Desweiteren würde in diesem Quartal die Auflösung des Joint Ventures mit SVC bekanntgegeben.
RealTech werde nun einen eigenen Vertrieb der Hosting und ASP-Angebote für R/3-Lösungen für den Mittelstand über Vertriebspartnerschaften mit Systemhäusern aufbauen. Die Experten rechneten im dritten Quartal mit der Bekanntgabe der ersten Partner.
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