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Analysen - Ausland
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06.07.2004
RHI spekulativer Einstieg
Performaxx-Anlegerbrief
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www.optionsscheinecheck.de
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Die Experten von "Performaxx-Anlegerbrief" sind der Meinung, dass sich die Aktie von RHI (ISIN AT0000676903/ WKN 874182) für spekulative Anleger eignet.
Der Wiener Konzern habe in 2003 einen Umsatz von 1,2 Mrd. EUR erzielt. Überschattet worden sei das operative Geschäft durch eine folgenschwere Akquisition aus dem Jahr 2000. Damals habe RHI den US-Konzern GIT übernommen. Zwar habe das damalige RHI-Management gewusst, dass sich GIT Schadenersatzforderungen von (vermeintlich) Asbestgeschädigten ausgesetzt gesehen habe. Das Problem sei jedoch als beherrschbar eingeschätzt worden, da sich GIT gegen derartige Klagen versichert habe. Dann allerdings sei die Asbestproblematik zusehends außer Kontrolle geraten.
Anfang 2002 habe sich daher das RHI-Management für einen radikalen Schnitt entschieden und habe ein Chapter-11-Verfahren, eine Art amerikanisches Insolvenzverfahren mit dem Ziel der Betriebsfortführung, für die US-Tochtergesellschaften angemeldet. RHI habe dadurch das Eigentum an der US-Gesellschaft verloren, die an einen Trust-Fonds für die Asbestgeschädigte übergegangen sei und habe über 650 Mio. Euro Anschaffungs- und Betriebsmittelkosten abschreiben müssen. Einschließlich sonstiger Risikovorsorge- und Restrukturierungsaufwendungen hätten Ende 2001 ein Fehlbetrag von 856 Mio. Euro, ein dadurch negatives Eigenkapital von 549 Mio. Euro sowie Finanzverbindlichkeiten von gut 1,07 Mrd. Euro in den Büchern gestanden.
Die Überschuldung habe nur dadurch abgewendet werden können, dass die beteiligten Banken Kredite in Höhe von 400 Mio. Euro für fünf Jahre nachrangig, sowie zins- und tilgungsfrei gestellt hätten. Zudem habe RHI eine (nachrangige) Wandelanleihe über 144 Mio. Euro begeben. Was die Rechtslage in den USA betreffe, so sei davon auszugehen, dass das Gericht in Pittsburgh noch in diesem Jahr den im Rahmen des Chapter-11-Verfahrens eingereichten Reorganisationsplänen der US-Tochtergesellschaften von RHI zustimme. Mit der Zustimmung wäre dann endgültig Rechtssicherheit geschaffen, dass keine weiteren Schadenersatzansprüche auf den Konzern zukommen würden.
Nach Meinung der Wertpapierexperten könnte sich RHI mittelfristig ganz auf das Kerngeschäft Feuerfest fokussieren. Wie die Experten erfahren hätten, würden bereits einige Angebote für die Heraklith-Sparte über mehr als 100 Mio. Euro vorliegen. Der Verkauf dieses Bereichs könnte somit einen wesentlichen Beitrag zur Entschuldung des Konzerns leisten.
Im ersten Quartal 2004 habe das Unternehmen eine Absatzsteigerung von 10% und eine Umsatzsteigerung von 2,6% bzw. währungsbereinigt 8,2% im Bereich Feuerfest erzielt. Für das Gesamtjahr 2004 sei aufgrund der positiven Auftragslage mit einem steigenden Umsatz und Ergebnis zu rechnen. Bei einem zu erwartenden Gewinn je Aktie um 3,90 Euro liege das KGV 04 bei optisch sehr niedrigen 4,6. Bei weiter anziehender Stahlkonjunktur besitze die RHI-Aktie trotz des starken Kursanstiegs seit Anfang 2003 noch deutliches Wertaufholungspotenzial. Gleichwohl stelle der immer noch hohe Schuldenstand ein erhebliches Finanzierungsrisiko dar und belaste, zumal nach Ablauf der zins- und tilgungsfreien Zeit Ende 2006, die künftigen Gewinne und Cashflows.
Die RHI-Aktie ist nach Meinung der Experten von "Performaxx-Anlegerbrief" daher zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulativen Anlegern zu empfehlen.
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