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Analysen - Ausland
18.05.2004
BT Group Underperformer
LRP

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Die Analysten der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz stufen die Aktie von BT Group (ISIN GB0030913577/ WKN 794796) von "Marketperformer" auf "Underperformer" herunter.

BT Group sei trotz des innerhalb der europäischen Telekommunikation wettbewerbsintensivsten Marktumfelds ein ertragsstarker Konzern. Für das Geschäftsjahr 2002/2003 habe sich die EBITDA-Marge auf bereinigter Basis auf 29,9% belaufen; für 2003/2004 erwarte man durch erhöhte Erträge aus dem Breitbandgeschäft einen Anstieg auf 31,6%. Als Konsequenz der bis zum Geschäftsjahr 2005/2006 angekündigten Kostensparmaßnahmen in Höhe von 1 Mrd. GBP sollte die EBITDA-Marge mittelfristig über dem 30%-Niveau bleiben.

BT Group habe gezeigt, dass sich ein ehemaliger Monopolanbieter auf einem schnell wachsenden und wettbewerbsintensiven Telekommunikationsmarkt gut behaupten könne. Der strategisch entscheidende Breitbandmarkt in Großbritannien sei vergleichsweise wettbewerbsintensiv. Im Unterschied zu den meisten übrigen EU-Staaten hätten die TV-Kabelanbieter mit 43% der gesamten Breitbandanschlüsse einen hohen Marktanteil. Innerhalb der EU-Länder sei somit nur in Griechenland der Marktanteil des jeweiligen Altmonopolisten geringer als derjenige der BT Group in Großbritannien.

Dafür habe unter den fünf größten EU-Ländern Großbritannien die aktuell höchste Wachstumsrate der ADSL-Anschlüsse. Trotz des schwierigen Umfelds habe BT Group das Breitbandgeschäft erfolgreich aufgebaut. Ungeachtet des hohen Drucks durch die Wettbewerber bleibe BT Group mit einem geschätzten Marktanteil von 46% per Ende 2003 der führende Anbieter von ADSL in Großbritannien. Wenngleich das ADSL-Geschäft von BT Group aufgrund der relativ niedrigen Preise noch nicht den Break-Even erreicht habe, liefere es dennoch auf absehbare Zeit den wichtigsten Beitrag zum Konzernwachstum.

Neben ADSL würden auch die mit der Breitbandrevolution verbundenen Wachstumsfelder wie etwa IP-VPN als "New Wave" bezeichnet. Per Jahresende 2003 seien im Vergleich zum Dezember 2002 die New Wave-Umsätze um 31% gestiegen. Im gleichen Zeitraum habe sich hierdurch ihr Beitrag zum Konzernumsatz von 14% auf 18% erhöht. Das Breitbandgeschäft habe sich somit positiv entwickelt und sei zweifellos der Wachstumsmotor der BT Group.

BT Group habe infolge der Abspaltung von mmO2 im November 2001 kein großes Mobilfunkgeschäft mehr. Der Konzern sei daher im Vergleich zu den übrigen Altmonopolisten Europas von dem auf Kupfer-Doppeladern basierenden Festnetzgeschäft in einem weit größeren Umfang abhängig. BT Group sei beim Aufbau der Breitband-Produktpalette bislang erfolgreich gewesen. Doch das herkömmliche Telefongeschäft sei wie in allen anderen Ländern rückläufig. Der Rückgang der Sprachkommunikation habe in den vergangenen drei Jahren zugenommen und sich alleine im Geschäftsjahr 2002/2003 auf -4% belaufen. Mittelfristig dürfte BT Group mit den Breitband-Angeboten gute Aussichten auf Erfolg haben, langfristig halte man jedoch das Wachstumspotenzial hiervon für begrenzt.

Das fehlende Mobilfunkangebot stelle im Hinblick auf die zunehmende Konvergenz der Telekommunikationsdienstleistungen ein schwieriges Problem dar. Beispielsweise werde die Integration mobiler und stationärer Breitbanddienste wie UMTS, WiFi und DSL hierdurch erschwert. Dieses Problem könnte theoretisch durch eine Akquisition gelöst werden, doch mit der möglichen Ausnahme von mmO2 biete nach Einschätzung der Analysten derzeit kein bedeutender Anbieter entsprechende Übernahmephantasien.

Akquisitionen als eine realistische strategische Alternative für BT Group halte man außerdem aufgrund der relativ hohen Konzernverschuldung nur begrenzt für möglich. Das Rating der Bonität betrage derzeit A-/Baa1 mit einem stabilen Ausblick. Auf der anderen Seite verfüge der Konzern per 31.12.2003 über liquide Mittel in Höhe von ca. 6,3 Mrd. GBP, wovon die Analysten-Einschätzung ein hoher Anteil für Akquisitionen zur Verfügung gestellt werden könnte.

BT Group werde heute noch als der dominierende Anbieter auf dem britischen Telekommunikationsmarkt betrachtet. Entsprechend stehe der Konzern ständig unter Druck seitens der Regulierungsbehörde Ofcom, die Tarife und Preise für Dienstleistungen zu reduzieren. Hierdurch bleibe das Potenzial für kurzfristige Gewinnsteigerungen relativ begrenzt. Der Versuch des Konzerns, höhere Anschlussgebühren gegen reduzierte Gesprächstarife durchzusetzen, werde derzeit von Ofcom überprüft.

BT Group habe ein ertragsstarkes Geschäft, befinde sich mittel- und langfristig aber in einer strategisch prekären Lage. Die jüngsten Spekulationen, das Kerngeschäft des britischen Altmonopolisten könnte von Finanzinvestoren übernommen werden, kämen eine Aufspaltung des Konzerns gleich.

Die Analysten der LRP stufen die BT Group-Aktie von "Marketperformer" auf "Underperformer" herunter. Das Kursziel 12/2004 liege bei 170 GBp.



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