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Analysen - DAX 100
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23.07.1998
Fresenius neutral
Hamburgische LB
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www.optionsscheinecheck.de
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Fresenius Vz.neutral (unverändert) letzte Analyse: 01/98
Pharma
Wertpapierkenn-Nr.: 578 563 / FREG_p
Kurs am 16.07.98: DM 369,00
KGV (Ergebnis 1999): 24,1
Lotte Dau Wertpapier-Research Telefon: 040 3333 3269
Rückstand bei FMC belastet
Der Fresenius Konzern sprach bei der Vorlage der Zahlen zum 1. Quartal von einem guten Start in das Geschäftsjahr 1998. So hätten sich die Geschäfte insgesamt positiv entwickelt und die Ergebnisse im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Konzernumsatz war im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres um 29% auf 2.104 Mio. DM gestiegen, das Konzernergebnis nach Steuern um 25% auf 64 Mio. DM. Die Anleger folgten dieser Einschätzung nicht. Die Fresenius Vorzüge gaben nach. Grund dafür war die erneute Enttäuschung über das Abschneiden von Fresenius Medical Care. Zwar legte der Umsatz der Fresenius-Tochter um 15% auf 883 Mio. Dollar zu, doch lag der der Nettogewinn mit 24,7 Mio. USD nur unwesentlich über dem des Vorjahres (24,3). Schuld daran war wieder der Homecare/Diagnostik-Bereich. Doch auch das Wachstum der Kerngeschäfte Dialysedienstleistungen und -produkte (Umsatz: +20%, Nettogewinn: +32%) überzeugte nicht. Zu hoch waren die beim Börsengang von FMC geschürten Erwartungen. Auch der angekündigte Verkauf dieses verlustträchtigen Randgeschäfts ändert zunächst nichts daran, zumal FMC daraus einen Buchverlust von rund 100 Mio. Dollar realisieren wird.
Als weiteren Grund für die Verfehlung der Planziele im Jahr 1997 nannte der Konzern den sich beschleunigenden Konsolidierungsprozeß auf dem amerikanischen Dialysemarkt. Daher mußte es FMC zunächst darum gehen, die Marktstellung abzusichern. Schneller als ursprünglich vorgesehen wurde die Akquisition von Dialysekliniken sowie die Etablierung von neuen Serviceleistungen vorangetrieben. In den USA ist FMC jetzt doppelt, international sogar viermal, so groß wie der nächste Wettbewerber. Zukünftig wird das Unternehmen vor allem in Süd- und Osteuropa, Asien und Südamerika expandieren. Außerdem hat FMC auf die Veränderungen im amerikanischen Gesundheitssystem reagiert und sich auch auf dem Feld von managed care und disease management engagiert. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um Versorgungssysteme, die darauf abzielen, bei hoher Qualität der medizinischen Leistungen Kosten zu senken. Damit hat sich FMC Wettbewerbsvorteile geschaffen, die sich in einem anhaltenden Wachstum niederschlagen werden. Für 1998 erwartet das Unternehmen einen Zuwachs von 15% beim Umsatz und eine überproportionale Steigerung des Nettogewinns. Mittelfristig soll die EBIT-Marge von zuletzt 11% auf 15% steigen. Wir schätzen das Ergebnis je Aktie bei FMC wie folgt: 1998: 1,50 USD; 1999: 1,95 USD nach 1,16 USD im Vorjahr.
FMC steuert den Löwenanteil zum Umsatz und Ergebnis des Fresenius-Konzerns bei, im 1. Quartal 76% des Umsatzes und 85% des Ergebnisses. Doch ist die Entwicklung der übrigen Geschäftsbereiche nicht zu vernachlässigen. Im 1. Quartal 1998 stieg ihr Umsatz um 34% auf 504 Mio. DM, das EBIT um 88% auf 32 Mio. DM. Fresenius ist dabei, den Pharmabereich zügig auszubauen. Jüngste Maßnahme war die Übernahme der Infusionslösungen (Kabi) von Pharmacia&Upjohn, für Fresenius die letzte Möglichkeit einer großen Fusion auf diesem Gebiet. Das Umsatzvolumen dieser Sparte erhöht sich damit von 1,1 Mrd. auf 1,6 Mrd. DM. Aufgrund dieser Transaktion kann Fresenius ein umfassendes Produktprogramm für die Ernährungs- und Infusionstherapie anbieten und hat das Ziel, die führende Marktposition in Westeuorpa einzunehmen, fast erreicht. Aggressiver Marktaufbau, Kosten- und Technologieführerschaft sowie Produktinnovationen sollen die Marktführerschaft auch auf den Wachstumsmärkten Osteuropa, Asien und Lateinamerika bringen.
Nach Abschluß der Übernahme wird der Pharma-Bereich unter Fresenius-Kabi firmieren, ein späterer Börsengang ist möglich. Kurzfristig soll die neue Einheit wegen der laufenden Restrukturierungsprogramme bei Kabi, wegen der Integrationskosten und des Zinsaufwands aus der Finanzierung der Akquisition das Konzernergebnis geringfügig belasten. Für 2000 ist der der break even beim EBIT geplant, ein Jahr später dann auch beim Jahresüberschuß. Mittelfristig wird - wie für den Gesamtkonzern - eine EBIT-Marge von 15% erwartet.
An unserer Einschätzung von Fresenius als langfristigem Wachstumswert halten wir nach wie vor fest, haben aber aufgrund des hinter unseren Erwartungen zurückbleibenden Ergebnisses von FMC unsere Ergebnisschätzungen revidiert. Wir erwarten für 1998 13 DM je Aktie, für 1999 15,30 DM. Bei Kursen um 370 sehen wir die Aktien als fair bewertet an. Wir bleiben daher bei unserer neutralen Gewichtung und empfehlen, die Aktie zu halten. Bei deutlichen Kursrückschlägen, wie wir sie erst vor kurzem erlebt haben, ist die Aktie für uns ein klarer Kauf.
Termine: 5. August: Halbjahreszahlen
Fazit: An unserer Einschätzung von Fresenius als langfristigem Wachstumswert hat sich nichts geändert. Bei Kursen um 370 - einem KGV (1999) von 24 - sehen wir die Aktie als fair bewertet an. Deutliche Kursrückgänge sollten auf jeden Fall zu Käufen genutzt werden.
Die veröffentlichten Informationen basieren auf allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten. Die hier geäußerten Meinungen über Märkte und Produkte sind unverbindlich. Sie stellen keine Aufforderung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf dar. Die Lektüre dieser Publikation kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Wir bitten Sie deshalb, sich an Ihren Betreuer bei der Hamburgischen Landesbank zu wenden.
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