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Analysen - Ausland
23.12.2003
Suez günstig bewertet
Performaxx-Anlegerbrief

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Die Anlageexperten vom "Performaxx-Anlegerbrief" halten die Aktie von Suez (ISIN FR0000120529/ WKN 852491) für günstig bewertet.

Der Zukunftsmarkt (Frisch-)Wasser sei zwar schon häufig thematisiert worden, doch immer noch sei wohl nur den wenigsten Anlegern gegenwärtig, dass es sich dabei um einen Komplex handele, der schon in diesem Jahrzehnt sehr aktuell werden sollte. Der französische Konzern Suez sei nicht nur Weltmarktführer, sondern verwöhne seine Aktionäre auch mit einer ansprechenden Dividendenrendite von rund 5%.

Wenn man sich das französische Unternehmen ansehe, falle als aller erstes die günstige Bewertung auf. Diese sei gerechtfertigt, so der Konsens, weil die Franzosen eine bislang relativ hohe Nettoverschuldung aufzuweisen hätten. Doch nach Anteilsverkäufen von Sparten, die man nicht mehr gebraucht habe bzw. schlicht habe loswerden wollen (so wie das belgische Glasfasernetzwerk Codenet), hätten die Verbindlichkeiten planmäßig weiter zurückgeführt werden können. Sie würden jetzt noch bei 16,5 Mrd. Euro liegen, nach 26,5 Mrd. zu Beginn des Jahres.

Abgegeben seien auch die US-Tochter Nalco sowie zum Teil die britische Tochtergesellschaft Northumbrian. Dabei habe Suez (ehemals Lyonnaise des Eaux) gezeigt, dass das Unternehmen auch vor Verkäufen aus dem Kerngeschäft nicht zurückschrecke. Die Liste für das laufende Jahr lese sich wie ein umfangreiches Großreinemachen: Anfang des Jahres habe Suez den Wasserversorgungsvertrag mit Atlanta ankündigt und habe die Fortis-Beteiligung für fast 2 Mrd. Euro verkauft. Später seien der Verkauf von Northumbrian für 1,3 Mrd. Euro sowie Nalco für über 4,3 Mrd. USD gefolgt.

Ein wichtiges Thema für den französischen Konzern werde die Liberalisierung des französischen Strommarktes sein. Für Suez ergebe sich die realistische Chance, zur Nummer 2 (nach EDF) auf dem französischen Strommarkt zu avancieren, denn die Electrabel-Beteiligung gelte als "Praline" im Portfolio der Franzosen.. Schließlich liege die Marktkapitalisierung von Electrabel auch deshalb recht hoch, weil am Markt mit einer vollständigen Übernahme durch Suez spekuliert werde. Dies sei durchaus angebracht, aber nicht sicher.

Die letzten Geschäftszahlen von Suez hätten über den Prognosen gelegen, und dies sei vom Markt auch honoriert worden, indem der Kurs aus der seit längerem gültigen Seitwärts-Range nach oben habe ausscheren können. So sei der Umsatz in den ersten drei Quartalen 2003 um 4,4% auf 30,5 Mrd. Euro gestiegen. Der Sektor Energie habe sich dabei mit einem organischen Wachstums von 8,5% auf 19,1 Mrd. Euro besonders ins Rampenlicht gespielt, während der Umweltbereich um 7% auf 9,4 Mrd. zugelegt habe. Die Erlöse hätten trotz des negativen Dollar-Einflusses über den Erwartungen gelegen, denn dieser Effekt habe sich allein schon auf 0,6 Mrd. Euro belaufen. Umsatz steigernd habe dagegen zweifellos gewirkt, dass die Preise für Erdgas wieder angezogen hätten, was für Mehreinnahmen von 0,35 Mrd. Euro habe sorgen können.

In den Neunmonatszahlen seien die Umsätze von Nalco, der US-amerikanischen Tochtergesellschaft im Bereich Wasseraufbereitung, noch enthalten gewesen, genau so wie die von Northumbrian, dem britischen Wasserversorger. Dadurch werde im nächsten Jahr der Anteil des Nordamerikageschäfts von zuletzt fast 13% auf ca. 10% zurückgehen. Angesichts der schon erlittenen Währungseinflüsse sei dies sicher kein Nachteil für 2004. Neu hinzu gekommen seien Umsatzanteile durch die erstmalige Einbeziehung von Tirrenopower, Polaniec und Acea Electrabel. Im Umweltbereich setze Suez jetzt nur noch auf organisches Wachstum und den Ausbau der Position als europäischer Marktführer - doch nicht nur das. Denn auch im Wassermarkt sei Konzentration auf Profitabilität angesagt. Suez habe über 125 Mio. Wasserkunden weltweit, die ebenfalls französische Veolia komme als Nummer 2 auf rund 110 Mio. Kunden.

Nun aber gehe der Blick in Richtung China, dem wachstumsstärksten Markt nicht nur in der Hochtechnologie. Hier locke ein riesiges Geschäft in den nächsten Jahren. Während derzeit ca. 60 Mrd. Kubikmeter Wasser in China verbraucht würden, rechne eine Studie mit einer Verdoppelung des Verbrauchs bis zum Jahr 2030. Es gehe nicht nur um Trinkwasser. Man dürfe auch die Entsorgung nicht vergessen, die ein großes Problem darstelle bei einem derart starken Wachstum der Bevölkerung und des Industrialisierungsgrades. Bis 2020 schon könnte der Wassermarkt in China für die meisten Konzerne wichtiger sein als beispielsweise der Markt in Nordamerika. Suez habe sich auch in China die Voraussetzungen dafür geschaffen, eine wichtige Rolle zu spielen.

Dabei sei die Bewertung nach wie vor moderat. Bei derzeitigen 15,55 Euro würden die Franzosen praktisch so bewertet, als bestünden sie aus dem Anteil an Electrabel sowie dem Buchwert des Energiegeschäfts. Den Rest der zahlreichen Aktivitäten gebe es de facto mehr oder weniger gratis für Aktienanleger.

Hintergrund dürfte sein, dass Suez nach wie vor der Schuldenstand angelastet werde. Nach dem rasanten, aber planmäßigen Abbau sei ein Abschlag gegenüber vergleichbaren Unternehmen aber nicht mehr gerechtfertigt, so dass das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2004 mit 9 bzw. für 2005 mit ca. 7 noch deutlichen Bewertungsspielraum signalisiere. Nicht zu vergessen auch die komfortable Dividendenrendite von über 5%. Gerade nach dem positiven Ausbruch aus der Seitwärtslage scheine der Weg bis 20 Euro auf mittlere Sicht frei zu sein.

Damit ist Suez ein konservativer Titel mit hoher Dividendenrendite, der in einem gut diversifiziertes Portfolio Platz finden sollte, so die Wertpapierexperten vom "Performaxx-Anlegerbrief".



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