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Analysen - DAX 100
22.09.1998
MAN übergewichten
Hamburgische LB

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Die Veröffentlichung der endgültigen Ergebniszahlen von MAN (WKN 593700) für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr hat den Aktienkurs, wie erwartet, kräftig steigen lassen. Der Jahresüberschuß konnte um 75% auf 612 Mio. DM gesteigert werden. Begünstigt wurde dies nicht zuletzt durch das aktive tax-management. Durch die Nutzung von Verlustverrechnungsmöglichkeiten sank die Steuerquote unter 25%. Der Umsatz, den MAN zu jeweils einem Drittel in Deutschland, dem übrigen Westeuropa und dem sonstigen Ausland generierte, erhöhte sich sowohl im Inland als auch im Ausland um jeweils 16% auf insgesamt rund 25 Mrd. DM. Das DVFA-Ergebnis je Aktie legte um 64% auf 39,00 DM zu. Die Dividende, die mit 16,00 (+2,00) DM je Aktie avisiert ist, enthält wie im Vorjahr keine Steuergutschrift. Die Finanzlagedes Konzerns ist gut. Der cash-flow stieg um 29% auf 1,36 Mrd. DM. Die Nettoliquidität beträgt unverändert 1,7 Mrd. DM.

Das gute Ergebnis ist nicht nur konjunkturell bedingt, sondern auch auf die Strukturpolitik des Konzerns zurückzuführen. Durch aktives Portfolio-Management werden mittlerweile 85% der Umsätze in Geschäftsfeldern erzielt, in denen man zu den drei führenden Wettbewerbern gehört. Dabei trugen die Nutzfahrzeuge mit einem Vorsteuerergebnis von 338 (Vorjahr 182) Mio. DM über 40% zum Ergebnis bei. Dieser Bereich profitierte überproportional von der gestiegenen Nachfrage im Hauptabsatzgebiet Westeuropa. Hier konnte der Marktanteil auf 13,5% gesteigert werden. MAN B&W, die Nummer 1 am Weltmarkt für Dieselmotoren, konnte trotz des großen Asienengagements seine Position behaupten. Während der Umsatz um 24% auf 2 Mrd. DM stieg, blieb das Ergebnis mit 135 (131) Mio. DM fast unverändert. Da im Bereich Dieselmotoren die Erträge aus den Serviceleistungen den Umsätzen aus der Motorenfertigung folgen, ergeben sich hier Ertragspotentiale für das laufende Geschäftsjahr.

Ebenfalls erfreulich hat sich der Maschinen- und Anlagenbau entwickelt, der 244 (167) Mio. DM erwirtschaftete. MAN Roland konnte durch technische Weiterentwicklung der Produkte bei gleichzeitiger Kostensenkung an der guten Druckmaschinenkonjunktur überdurchschnittlich partizipieren und damit die mehrjährige Verlustphase beenden. Nach einem Vorjahresverlust von 115 Mio. DM schreibt Roland mit 22 Mio. DM schwarze Zahlen und wird auch im laufenden Geschäftsjahr, wie Vorstandsmitglied Graf von Ballestrem auf der Analystenkonferenz am 11. September ausführte, einen kräftigen Umsatz- und Ergebnisanstieg "nicht vermeiden können". Spekulationen über einen Verkauf der Rollensparte an Heidelberger Druck erteilte er eine klare Absage. Der Bereich Industrielle Dienstleistungen verzeichnete bei einer Umsatzsteigerung von 45% einen leichten Ergebnisrückgang, verfügt aber über einen Gewinnvorrat aus Großaufträgen, die erst im laufenden Geschäftsjahr abgerechnet werden.

Für das laufende Geschäftsjahr 1998/99 verfügt MAN über einen hohen Auftragsbestand von 25,3 (22,7) Mrd. DM und erwartet eine Belebung der Investitionstätigkeit in Westeuropa. Mit weiterem Umsatzwachstum ist daher zu rechnen. Der Ergebnisanstieg soll überproportional ausfallen, da der Konzern seine Ertragskraft steigern will: Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll von 14,0% (10,4) auf 15% und die Umsatzrendite von 3,3% (2,3) auf langfristig 5% gesteigert werden. Bei der zu erwartenden positiven Entwicklung bei Roland, dürfte MAN im laufenden Geschäftsjahr eine Umsatzrendite von rd. 4% erreichen. Wesentliche Beeinträchtigungen durch die Krisen in Rußland, auf das nur ca. 0,5% des Auftragsbestands entfällt, und Asien - dort ist man gegen Forderungsausfälle versichert - werden von den Münchnern bisher nicht erwartet. Wir erwarten ein Konzernergebnis vor Ertragssteuern von 1.050 Mio. DM und - bei Annahme einer unveränderten Steuerquote von ca. 25% - einen Jahresüberschuß von 790 Mio. DM. Damit ergibt sich auf Basis unserer Gewinnschätzung von 47 DM für 1999 ein günstiges KGV von 12,1. Wir empfehlen, MAN weiterhin überzugewichten. Das Kursziel erhöhen wir auf 625 DM.

Fazit: MAN konnte für das abgelaufene Geschäftsjahr 1997/98 Rekordzahlen vorlegen, auch wenn die Vergleichsbasis niedrig war. Der hohe Auftragsbestand, die anhaltend gute Nachfrage vor allem in den Bereichen Nutzfahrzeuge und Druckmaschinen sowie der Gewinnvorrat aus Großaufträgen bei den Industriellen Dienstleistungen lassen für das laufende Geschäftsjahr einen erneuten Umsatzzuwachs erwarten. Der Ergebnisanstieg sollte überproportional ausfallen, da es dem Konzern gelingen dürfte, seine Ertragskraft weiter zu steigern. Das Unternehmen sieht bisher kaum Beeinträchtigungen aus der Dollarkursentwicklung sowie den Krisen in Asien und Rußland. Mit einem KGV (1999e) von 12,1 halten wir die Aktie auf dem derzeitigen Niveau für unterbewertet und empfehlen weiterhin, sie überzugewichten. Kursziel: 625 DM.

Die veröffentlichten Informationen basieren auf allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten. Die hier geäußerten Meinungen über Märkte und Produkte sind unverbindlich. Sie stellen keine Aufforderung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf dar. Die Lektüre dieser Publikation kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Wir bitten Sie deshalb, sich an Ihren Betreuer bei der Hamburgischen Landesbank zu wenden.



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