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News - Nebenwerte
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01.08.2003
EM.TV geringe Präsenz auf der HV
SdK AktionärsNews
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Rund 1.000 Aktionäre hatten sich auf der Hauptversammlung von EM.TV (ISIN DE0005684807/ WKN 568480) eingefunden, um aus erster Hand Informationen über die Sanierungsfortschritte des ehemaligen Stars des Neuen Marktes zu erhalten, berichten die Experten von "SdK AktionärsNews".
Innerhalb von drei Jahren seien bei der Gesellschaft Verluste von rund 2 Mrd. Euro aufgelaufen. Die Streubesitzaktionäre hätten noch weit mehr Geld verloren wobei die ehemaligen Vorstände Thomas und Florian Haffa vom Landgericht München wegen falscher Darstellung der Unternehmensverhältnisse zu hohen Geldstrafen verurteilt worden seien. Während die Haffas auf ihre Berufungsverhandlung beim Bundesgerichtshof warten würden, müssten sich die Aktionäre in Geduld üben was die Erfolge bei den Aufräumarbeiten des von den Haffas angerichteten Desasters betreffe. Die Familie Thomas Haffa verfüge noch über rund 17,5% der Anteile, der Vorstandsvorsitzende Werner Klatten halte über seine WKB Beteiligungs GmbH 24,8%. Als neuer Großaktionär habe sich kürzlich die Effektenspiegel AG, vertreten durch Bolko Hoffmann, mit einem Anteil von 5% zu erkennen gegeben.
Der nunmehr amtierende dreiköpfige Vorstand mit Klatten an der Spitze habe sich auf der Hauptversammlung erkennbar Mühe gegeben, die Lage der Gesellschaft ausführlich und ungeschminkt zu schildern und den Aktionären umfassend ihre Fragen zu beantworten. Bei den Sanierungsarbeiten habe er über erhebliche Fortschritte berichten können. So habe eine Schadensersatzklage der Morgan Grenfell Equity Partners über 250 Mio. Euro vergleichsweise zu einem "mittleren einstelligen Millionenbetrag" erledigt werden können.
Die noch mit über 200 Mio. Euro zu Buche stehende 17%ige Beteiligung an der Formel 1, an der allerdings die Kirch-Gläubigerbanken Pfandrechte geltend gemacht hätten, habe nach einem verlorenen Rechtsstreit zu dem eher symbolischen Preis von 8,5 Mio. Euro abgegeben werden müssen. Schließlich habe sich das Management angesichts akuter Liquiditätsengpässe auch genötigt gesehen, die an sich strategisch sinnvolle und zum Kerngeschäft gehörende Jim Henson zu veräußern. Diese Beteiligung habe nie die beim Erwerb erhofften Ergebnisse liefern können, im Wesentlichen wohl auch deshalb, weil sich bei EM.TV niemand richtig um diese Beteiligung gekümmert habe und sie in den Konzern integriert habe.
Diese Sanierungsmaßnahmen allein würden jedoch wirkungslos bleiben, wenn es der Gesellschaft nicht gelinge, die 1999 zur Finanzierung des Jim Henson Deals begebene Wandelanleihe, die im Februar 2005 mit 460 Mio. Euro zur Rückzahlung anstehe, zu restrukturieren. Sollte dies nicht gelingen, so bedeute dies das Aus für EM.TV. Ein Schwerpunkt der HV-Diskussion sei somit die Frage nach den Lösungsmöglichkeiten dieses Problems gewesen. Der Vorstand habe sich mit näheren Aussagen hierzu bedeckt gehalten; Klatten habe sich jedoch zuversichtlich geäußert, eine Lösung noch in diesem Jahr zu erreichen. Unter Punkt 8 auf der Tagesordnung habe man ableiten können, dass das Problem wahrscheinlich durch eine genehmigte Kapitalerhöhung gelöst werden solle.
Zu dieser eleganten Lösung des Anleihenproblems werde es jedoch nicht kommen, denn Punkt 8 sei kurzfristig von der Tagesordnung der Hauptversammlung genommen worden, denn - so sei es den erstaunten Aktionären mitgeteilt worden - ein wesentlich beteiligter Aktionär (gemeint gewesen sei Haffa) habe kurz vor der HV mitgeteilt, gegen diesen Punkt stimmen zu wollen. Angesichts der Präsenz von gut 50% sei somit die notwendige Dreiviertelmehrheit nicht zu erreichen.
Neben den Altlasten bereite der Gesellschaft auch die Entwicklung der Märkte in den angestammten Geschäftsbereichen Merchandising und Rechtehandel für Kinderfilme große Probleme, nachdem dort die Preise erheblich unter Druck geraten seien. Der Vermutung eines SdK-Sprechers, dass die Verlustsituation in diesen Geschäftsbereichen möglicherweise eine dauerhafte sei, sei vom Vorstand nicht widersprochen worden. Deshalb versuche die Gesellschaft auch, in neuen Bereichen Fuß zu fassen. Besonders vielversprechend erscheine dabei der Erwerb einer konsolidierungsfähigen Mehrheit an dem Sportsender DSF zu einem "Schnäppchenpreis" von 15 Mio. Euro aus der Kirch Insolvenzmasse.
Für 2004 würden bereits schwarze Zahlen erwartet, ohne dass ein großer Kapitalbedarf zur Anschubfinanzierung erforderlich sei. Kirch habe seinerzeit in den Aufbau des Senders und zur Finanzierung der Verluste immerhin 500 Mio. DM investiert. Der Gesellschaft komme dabei der enorme Preisverfall bei den Produktionskosten für Sportsendungen und Sportrechte zugute. Alles in allem bleibe den vielen Aktionären nur die Hoffnung, dass es dem Vorstand gelinge, die noch ungelösten Altlasten zu bereinigen und die neuen Aktivitäten in dauerhaft schwarze Zahlen zu führen. Bis dahin sei die EM.TV Aktie eher etwas für hart gesottene Anleger.
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