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Analysen - Nebenwerte
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21.07.2003
Splendid Medien Underperformer
Stadtsparkasse Köln
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www.optionsscheinecheck.de
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Die Analysten der Stadtsparkasse Köln bewerten die Splendid Medien-Aktie (ISIN DE0007279507/ WKN 727950) mit "Underperformer".
Auf Grund des schwierigen Marktumfeldes bei der Finanzierung von US-amerikanischen Filmprojekten, dem damit zusammenhängenden hohen Liquiditätsbedarf sowie der Schwierigkeiten bei der Realisierung von Vorverkäufen der Filmrechte habe Splendid die Abkehr vom Filmproduktionsgeschäft angekündigt. Aus diesem Grunde sei die US-Produktionstochter Splendid Pictures - die zu Beginn des Jahres 2002 durch den Erwerb der Cutting Edge Entertainment gegründet worden sei - zum 31.12.2002 wieder entkonsolidiert worden.
Die 80%-Anteile an Splendid Pictures werde Splendid, die Zustimmung der Hauptversammlung am 29. August vorausgesetzt, als Sacheinlage in die Central Organisation of Technology (COT), Inc. einbringen. Im Gegenzug erhalte Splendid einen Anteil von 1% an der COT sowie die Option, diese Beteiligung auf 50% zu erhöhen. Gleichzeitig beabsichtige Splendid Pictures eine First-Look-Vereinbarung mit Splendid abzuschließen, die den Erwerb aller Vertriebsrechte an Filmen für den deutschsprachigen Raum umfasse und eine Laufzeit von 10 Jahren haben solle.
Nach erheblicher Verzögerung habe Splendid nun den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2002 vorgelegt. Die bereits Ende Mai vorgelegten Finanzzahlen seien im Wesentlichen bestätigt worden. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr um über 50% auf 34,5 Mio. Euro eingebrochen. Hiervon seien 14,5 Mio. Euro auf den Lizenzhandel entfallen; im Vorjahr habe in diesem Segment noch ein Umsatz von 57,6 Mio. Euro erzielt werden können.
Die Entwicklung des Lizenzhandels sei stark von der Kaufzurückhaltung der deutschen TV-Sender auf Grund gesunkener Werbeerlöse sowie von der Kirch-Insolvenz belastet worden. Zudem habe eine Reihe von Filmprojekten verschoben werden müssen. Schließlich seien auch die internationalen Lizenzverkäufe deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In den Bereichen Home Entertainment und Postproduktion habe der Umsatz mit 10,4 (10,2) Mio. Euro bzw. 1,8 (1,6) Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden können. Der Produktionsbereich habe 7,8 Mio. Euro zum Konzernumsatz beigesteuert.
Die Ertragslage habe sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert: Das EBITDA sei auf 9,5 (51,6) Mio. Euro gesunken, das EBIT habe sich auf .57,9 (-12,1) Mio. Euro reduziert. Der Konzernjahresfehlbetrag sei deutlich von 8,7 auf 59,6 Mio. Euro ausgeweitet worden. Die Ertragsentwicklung sei wesentlich von Abschreibungen auf das Filmvermögen im Zuge der Anwendung der US-GAAP-Regelung SOP 00-2 (32,9 Mio. Euro) sowie von Sonderabschreibungen im Rahmen eines Impairment Tests (17,2 Mio. Euro) beeinflusst worden, die angesichts des schwachen Marktumfeldes und gefallener Preise für Filmlizenzen notwendig geworden seien.
Zudem habe Splendid auf Grund massiver Kursverluste Abschreibungen auf im Bestand befindliche Aktien der Internationalmedia AG vornehmen müssen (6,4 Mio. Euro). Im Zuge der Entkonsolidierung der US-Tochter Splendid Pictures seien zusätzlich Abschreibungen auf den Firmenwert (4,7 Mio. Euro) sowie auf von der Splendid Medien AG und der Splendid Film gewährte Darlehen (11,6 Mio. Euro) bzw. zur Verfügung gestelltes Working Capital (2,5 Mio. Euro) in Höhe von insgesamt 18,8 Mio. Euro angefallen.
Das Eigenkapital sei deutlich von 71,1 auf nunmehr 11,5 Mio. Euro geschrumpft. Die Investitionen in das Filmvermögen hätten sich in 2002 auf 23,3 (13,9) Mio. Euro belaufen, wovon 9,0 Mio. Euro auf Investitionen durch Splendid Pictures entfallen seien. Die Finanzierung sei überwiegend mit Fremdkapital erfolgt. Auf Grund der schwachen Geschäftsentwicklung sei der Cashflow von 22,5 Mio. Euro auf 3,8 Mio. Euro gefallen. Dabei habe sich der operative Cashflow auf .0,8 (26,3) Mio. Euro belaufen, der Cashflow aus Investitionstätigkeit habe durch erhöhte Investitionen in das Filmvermögen bei 14,8 (-14,4) Mio. Euro gelegen. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit sei auf Grund von Auszahlungen für die Tilgung von Krediten auf 3,1 (9,3) Mio. Euro gesunken.
Zum laufenden Geschäftsjahr sei lediglich die Einführung zweier größerer Filme, "My Big Fat Greek Wedding" und "Gangs of New York", in die deutschen Kinos bekannt gegeben worden. Die Besucherzahlen für "Gangs of New York" seien deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben. Der Finanzvorstand Dr. Thomas Weber sei mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand der Splendid Medien AG ausgeschieden. Gründe dafür seien nicht genannt worden. Es sei auch nicht bekannt gegeben worden, wer zukünftig seine Aufgaben übernehmen werde.
Die für das Geschäftsjahr 2002 veröffentlichten Zahlen seien sehr schwach ausgefallen. Neben einer deutlichen Verschlechterung der Ertragssituation sei auch die Liquidität in bedenklichem Maße gesunken. Hinsichtlich der Strategie halte man die Abkehr vom Produktionsgeschäft und die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Filmlizenzhandel grundsätzlich für den richtigen Schritt.
Die neue Strategie dürfte weniger Risiken bergen, zumal Splendid beschlossen habe, den Schwerpunkt beim Lizenzeinkauf auf Filme zu legen, zu denen TV-Sender bereits vorab deutliches Interesse signalisiert hätten und damit von einem entsprechenden Rückfluss des investierten Kapitals ausgegangen werden könne. Allerdings sei eine anhaltende Kaufzurückhaltung der TV-Sender zu beobachten, was das Geschäft für Splendid weiterhin schwierig gestalten könnte.
Splendid müsse nun beweisen, dass das Unternehmen in der Lage sei, mittelfristig eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung und damit eine Rückkehr in die Profitabilität zu erreichen. Ein entsprechender Restrukturierungsplan werde derzeit von Splendid erarbeitet und müsse anschließend den Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden.
Vor dem Hintergrund der mit hohen Unsicherheiten behafteten weiteren Unternehmensstrategie und der nicht einschätzbaren weiteren Entwicklung des Marktumfeldes sowie der schwachen allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei eine Prognose für die Zukunft derzeit schwierig. Auch Splendid halte sich zunächst mit eigenen Prognosen zurück. Zusätzliche Unsicherheit erzeuge die nicht begründete Nachricht über das überraschende Ausscheiden des Finanzvorstands.
Ihre Underperformer-Einschätzung für Splendid Medien behalten die Analysten der Stadtsparkasse Köln bei.
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