TecDAX-Verlierer Evotec: Q1-Zahlen liefern wenig Rückenwind –
Analysten uneins
Hamburg, 19. Mai 2025 – Die Aktie von
Evotec SE (ISIN: DE0005664809) steht heute unter deutlichem
Abgabedruck: Mit einem Minus von –3,12 % auf 6,938 EUR ist
sie der TecDAX-Verlierer des Tages. Der Biotech-Spezialist
gerät trotz bestätigter Prognose und laufender Umstrukturierung zunehmend
unter Druck. Doch woran liegt’s – und wie geht es jetzt weiter?
Q1 2025: Umsatz im Rahmen, aber Margen schwach
Evotec veröffentlichte am 6. Mai die Zahlen für das erste Quartal 2025.
Der Konzernumsatz sank um 4 % auf 200,0 Mio. EUR, lag
damit aber im Rahmen der Erwartungen. Das Segment Just – Evotec
Biologics wuchs um 11 % auf 59,4 Mio. EUR, während das zentrale
Forschungssegment Shared R&D einen Rückgang um 9 % auf 140,6
Mio. EUR verzeichnete.
Das bereinigte EBITDA belief sich auf 3,1 Mio. EUR
(Vorjahr: 7,8 Mio. EUR), was auf anhaltenden Margendruck hindeutet – trotz leicht
über Plan liegendem Ergebnis. Die EBITDA-Marge bleibt somit
weiter schwach, was insbesondere den laufenden Produktionsanlauf und
Investitionen in die US-Tochter belastet.
Strategischer Umbau, aber kurzfristige Unsicherheit
Evotec befindet sich mitten in einer Neuausrichtung: Das
Geschäftsmodell wird verschlankt, Prozesse werden digitalisiert und die
Kernkompetenzen fokussiert. CEO Dr. Christian Wojczewski betont: "Wir sind auf
einem guten Weg, Evotec auf nachhaltiges profitables Wachstum vorzubereiten."
Die Partnerschaft mit Bristol Myers Squibb (BMS) im Bereich Proteinabbau macht
strategische Fortschritte und spülte im Q1 rund 75 Mio. US-Dollar an
Meilensteinzahlungen ein.
Dennoch bleiben Zweifel: Analysten und Anleger bezweifeln, dass die
Transformation kurzfristig schon Früchte trägt. Die geplanten 90
Mio. EUR Kosteneinsparungen über dreieinhalb Jahre dürften nicht
ausreichen, um die Erwartungen an operative Profitabilität kurzfristig zu erfüllen.
Ausblick 2025 und 2028
Evotec bestätigte die Umsatzprognose 2025 mit 840 bis 880
Mio. EUR sowie ein EBITDA zwischen 30 und 50 Mio. EUR. Für 2028
wird eine EBITDA-Marge von über 20 % und ein durchschnittliches
Umsatzwachstum von 8–12 % p.a. angestrebt.
Aktuelle Analystenstimmen im Überblick
- Christian Ehmann, Warburg Research –
Kursziel: 12,10 EUR (BUY)
➤ Sieht Evotec als unterschätzten Innovationsführer mit starker Pipeline.
Bewertet Just – Evotec Biologics als Wachstumstreiber. - Charles Weston, RBC Capital – Kursziel:
10,66 EUR (BUY)
➤ Hält die Margenschwäche für temporär. Rechnet mit positiver
Hebelwirkung durch strategische Partnerschaften. - Fynn Scherzler, Deutsche Bank – Kursziel:
7,00 EUR (HOLD)
➤ Anerkennt Fortschritte, sieht aber kurzfristig zu viele operative
Baustellen. Zinsumfeld belastet Biotech generell. - Benjamin Jackson, Jefferies – Kursziel: 6,80
EUR (HOLD)
➤ Bleibt skeptisch bei Kapitalrendite und strategischer Ausrichtung. Warnt
vor anhaltendem Margendruck. - Thibault Boutherin, Morgan Stanley – Kursziel:
12,00 EUR (HOLD)
➤ Kursziel stark reduziert (von 28 EUR), aber langfristig dennoch Upside-
Potenzial gesehen.
Der Analystenkonsens liegt derzeit bei etwa
10,30 EUR, was einem theoretischen Kurspotenzial von über
45 % entspricht – allerdings bei deutlicher Divergenz der Einschätzungen.
Fazit: TecDAX-Verlierer mit strukturellem Potenzial – aber Geduld
gefragt
Die Evotec-Aktie fällt heute als TecDAX-Verlierer auf –
ein Ausdruck wachsender Unsicherheit im Biotech-Segment. Kurzfristig belastet
die schwache Marge, der hohe Kostenapparat und mangelnde Visibilität. Mittel-
bis langfristig bietet Evotec jedoch durchaus Fantasie: Die strategische
Fokussierung, die Technologieplattformen und das Partnernetzwerk –
insbesondere mit Bristol Myers Squibb – bilden ein solides Fundament.
Für Anleger gilt: Wer Geduld mitbringt und an den
wissenschaftlichen Fortschritt glaubt, könnte mit Evotec langfristig
überdurchschnittlich profitieren. Kurzfristig dürfte die Aktie jedoch volatil bleiben –
und eine Rückkehr über 8,00 EUR wohl erst bei klaren operativen Fortschritten
erfolgen.