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Analysen - Währungen
04.09.2024
Investmentidee: Japans Börsenkorrektur und die Rolle von Carry Trades - Optionsscheineanalyse
Bank Vontobel Europe AG

www.optionsscheinecheck.de

München (www.optionsscheinecheck.de) - Für Vontobel ist Japan eine Investmentidee und die Bank Vontobel Europe AG liefert Vorschläge, wie Anleger mit Optionsscheinen von dieser Einschätzung profitieren können.

Das beliebte Reiseziel Japan habe nicht nur für Touristen in kultureller Hinsicht eine Menge zu bieten - auch aus Anlegersicht könnten sich in dem Land interessante Opportunitäten bieten. Die jüngste Korrektur der japanischen Indices Nikkei® 225 und TOPIX sowie die schwache Landeswährung Yen würden der Attraktivität Japans dabei keinen Abbruch tun. Bewährten Konjunkturindikatoren zufolge deute in Japan mehr auf einen stärkeren Konjunkturzyklus hin als noch vor einigen Jahren, wovon die inländische Unternehmenslandschaft profitieren könnte.

Mit seinen knapp 126 Millionen Einwohnern zähle Japan zu den 15 bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Der im Pazifik gelegene Inselstaat umfasse 14.125 Inseln. Japan sei eine hochentwickelte Volkswirtschaft, die als Mitglied der G7 und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu den führenden Industrienationen der Welt zähle.

Im Frühling dieses Jahres sei Japans Wirtschaft wieder gewachsen. Von April bis Juni 2024 sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 3,1 Prozent gestiegen, was vor allem am starken Anstieg des inländischen Konsums gelegen habe. Dabei gelte das BIP als bedeutender Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes. Das reale Bruttoinlandsprodukt hingegen berücksichtige darüber hinaus noch die Preisentwicklung.

In absoluten Zahlen habe das Bruttoinlandsprodukt von Japan rund 4,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 betragen. Für das Gesamtjahr 2024 werde das Bruttoinlandsprodukt auf rund 4,1 Billionen US-Dollar prognostiziert. Laut Prognosen des International Monetary Fund könnte das BIP von Japan zwischen 2024 und 2029 um insgesamt 834 Milliarden US-Dollar (+20,3 Prozent) zunehmen.

Der Blick auf die Inflationsrate in Japan stimme die Bank of Japan (BOJ) zuversichtlich. Im vergangenen Jahr 2023 habe die durchschnittliche Inflationsrate in Japan rund 3,3 Prozent betragen. Für das aktuelle Jahr 2024 werde die durchschnittliche Inflationsrate auf rund 2,2 Prozent geschätzt. Die Ära der Deflation scheine damit vorüber und die Ökonomen der BOJ würden auf eine Inflation blicken, die in Richtung der langfristigen Zielmarke von 2 Prozent strebe. Die durchschnittliche Inflationsrate in Japan könnte laut Prognosen zwischen 2024 und 2029 um insgesamt 0,2 Prozentpunkte sinken (International Monetary Fund, 2024).

Eine weitere, wichtige Kennzahl für die Wirtschaftskraft eines Landes sei die Leistungsbilanz. Diese gebe Auskunft über die Transaktionsleistung eines Landes (Waren und Dienstleistungen) mit dem Rest der Welt. Japan sei traditionell eine exportorientierte Volkswirtschaft, die seit Jahrzehnten (seit den 1980er Jahren) einen Leistungsbilanzüberschuss verzeichne.

Ob die Erwartungen an den Leistungsbilanzüberschuss zutreffen würden oder nicht, könne Auswirkungen auf die Landeswährung haben. Wenn die Leistungsbilanz beispielsweise einen höher als erwarteten Überschuss aufweise, könnte das an den Devisenmärkten zu einem steigenden Kurs des Japanischen Yen (JPY) führen. Umgekehrt würde der Kurs sinken, wenn ein höher als erwartetes Defizit ausgewiesen würde.

Die ersten Handelstage im August 2024 hätten für Anleger aus vielen Teilen der Welt mit einem Hammerschlag begonnen. Rezessionsängste in den USA, die Gefahr einer Eskalation im Nahen Osten und die Auflösung in Japanischen Yen finanzierter Carry-Trades seien zu viel für die Märkte gewesen und sie hätten weltweit zu einer breit angelegten Korrektur angesetzt. Fallende Kurse seien die Folge beim NIKKEI® 225, NASDAQ® als auch beim DAX® gewesen. Zu Beginn der letzten Woche habe an der Tokioter Börse der NIKKEI® 225 den größten Tagesverlust seit 1987 erlitten. Bereits am darauffolgenden Handelstag habe allerdings eine fast gleichstarke Gegenbewegung stattgefunden. Die prompte Reaktion der japanischen Währungshüter mit Hinweisen auf mögliche Zinsschritte habe eine beruhigende Wirkung auf die Märkte gehabt.

Im Zuge der breit angelegten Korrektur und des Ausverkaufs an den Aktienmärkten sei auch das Angstbarometer der Märkte, der US-Volatilitätsindex VIX®-Index, auf den dritthöchsten Stand aller Zeiten geklettert. Erst zur Wochenmitte habe sich die angespannte Gemengelage an den Börsen insgesamt wieder beruhigt. Anleger hätten den sprunghaften Anstieg der Einkaufsmanagerindices (PMI) in den USA sowie die Ansprache der Bank of Japan grundsätzlich als positiv auszulegende News aufgenommen.

Die aktuelle Schwäche des Yen habe Auswirkungen auf das exportorientierte Land. Der Yen befinde sich zum US-Dollar auf dem schwächsten Niveau seit 1986. Der Wechselkurs USD/JPY sei eines der meistgehandelten Währungspaare der Welt, was vor allem auf die bedeutende Rolle der US-amerikanischen und japanischen Wirtschaft im globalen Handel und Finanzwesen zurückzuführen sei. Das Paar sei für seine Liquidität und relativ niedrigen Spreads bekannt. Der Wechselkurs CHF/JPY hingegen werde weniger häufig gehandelt, sei aber dennoch von Bedeutung. Der Schweizer Franken gelte als Safe-Haven-Währung, die in Zeiten von Marktturbulenzen oder Unsicherheit häufig an Wert gewinne. Der Japanische Yen gelte ebenfalls als Safe-Haven-Währung, was den CHF/JPY zu einem interessanten Paar mache, das in Zeiten der Marktvolatilität häufig beobachtet werde.

Japan habe in diesem Jahr mehrfach massiv am Devisenmarkt interveniert, um den schwachen Yen zu stützen, der Anfang Juli auf ein 38-Jahres-Tief abgesackt sei. Die Stärke / Schwäche einer Währung sowie das Zinsumfeld würden hierbei die Grundlage für sogenannte "Carry Trades" bieten. Bei Carry Trades handele es sich um Zinsdifferenzgeschäfte, bei denen auf Termin (für einen Zeitpunkt in der Zukunft) in eine hochverzinste Währung ("Target Currency") investiert werde, während diese Anlage mit einer geringer verzinsten Währung ("Funding Currency") finanziert werde. Die Differenz zwischen diesen beiden Zinssätzen bezeichne dabei den "Carry".

Dieses Trading-Setup aus der Zinsdifferenz heraus funktioniere dann besonders gut, wenn kurz- und mittelfristige Wechselkursbewegungen das Geschäft nicht zunichtemachen würden. Auch eine möglichst geringe Volatilität an den Devisenmärkten gelte als eine der Grundvoraussetzungen für einen Carry Trade. In den letzten Jahren seien die Leitzinsen in Japan und in der Schweiz im internationalen Vergleich auf sehr niedrigem Niveau gewesen, wodurch sie häufig als Finanzierungswährungen genutzt worden seien.

Werte nun die Funding Currency auf oder die Target Currency ab, würden Carry Trades schnell unattraktiver. Dafür habe der Chef der Bank of Japan Kazuo Ueda gesorgt, indem er einen restriktiveren Ton angeschlagen habe. So habe er verlauten lassen, dass weitere Zinserhöhungen auf dem Plan stehen würden, was viele Carry Trader dazu veranlasst habe, ihre Trades zu schließen. Grund dafür dürften sogenannte Margin Calls sein, bei dem Trader für offene Positionen gefordert seien, Sicherheitsleistungen nachzuschießen, weil sich Geschäfte ungünstig entwickelt hätten. Denn durch die Aussage des Notenbankchefs habe der zuletzt stark unterbewertete Yen deutlich aufgewertet und entsprechend die zu erzielende Rendite aus dem Zinsdifferenzgeschäft zum US-Dollar dahinschmelzen lassen.

In Reaktion auf die Marktentwicklungen und dem starken Abverkauf und Kursverfall beim NIKKEI® 225, habe der stellvertretende japanische Gouverneur der Notenbank Shinichi Uchida erklärt, dass Zinsen in einem derart fragilen und von Instabilität geprägten Marktumfeld nicht weiter erhöht würden. Diese Kommunikation habe die Märkte zunächst etwas beruhigen können.

Im Zuge des starken Ausverkaufs asiatischer Aktien Anfang August 2024 hätten auch die Kurse von Aktien verschiedener Branchen korrigiert. So hätten beispielsweise die Aktien-Kurse japanischer Banken um mehr als 25 Prozent verloren. Da diese allerdings im Rahmen der zurückliegenden Berichtssaison überwiegend solide Quartalsergebnisse hätten vorlegen können, scheine der starke Wertverlust nicht komplett fundamental begründbar zu sein. Aufgrund der jüngsten Zinsanhebung durch die Bank of Japan von -0,1 Prozent auf + 0,25 Prozent könnten die Zinsmargen den Gewinnen der Bankaktien tendenziell eher zugutekommen.

Aber auch in anderen Sektoren könnten die japanischen Unternehmen vom globalen Konjunkturzyklus profitieren. Bei vielen der japanischen Blue-Chip-Unternehmen handele es sich um Exportunternehmen mit zyklischem Charakter, die von anziehenden Konjunkturindikatoren und stabilisierten Einkaufsmanagerindices profitieren könnten. Außerdem hätten sich die Bewertungen der japanischen Aktien seit dem Ende der deflationären Ära überwiegend attraktiv entwickelt. Die Governance-Initiative der Tokyo Stock Exchange habe zudem dafür gesorgt, dass sich japanische Unternehmen mit der Notwendigkeit für Transparenz und vorausschauendem Reporting auseinandergesetzt hätten, um ihre Kapitalallokation zu verbessern und vermehrt ausländisches Kapital auf den Plan zu rufen.

Der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley zu Folge gebe es vier Gründe, warum japanische Unternehmen trotz der jüngsten Börsenkorrektur interessant bleiben dürften: 1) der ökonomische Aufschwung Japans sei getrieben von steigendem Inlandskonsum und Investitionen, 2) Unternehmen würden anlegerfreundliche Reformen planen, die die Transparenz erhöhen sollten, 3) die Aktienrückkäufe der Unternehmen seien viermal so hoch wie im Durchschnitt der letzten Dekade. und 4) die japanische Regierung fördere Anreize für Investitionen in Inlandsunternehmen über die Aktienmärkte.

Für Anleger, die anstatt auf Einzelaktien ein breit angelegtes Engagement im japanischen Aktienmarkt vorziehen würden, habe Vontobel im November 2023 das Strategische Zertifikat auf den Vontobel Japan Equity Strategy Index lanciert. Das Strategische Zertifikat ermögliche hierbei die Partizipation an der Wertentwicklung von mehr als dreißig im Index enthaltenen Unternehmen. Um sich für die Aufnahme in den Index zu qualifizieren, würden die Unternehmen ein quantitatives Multi-Faktoren-Modell durchlaufen.

Im Rahmen dessen würden die Unternehmen hinsichtlich ihrer Attraktivität betreffend der Faktoren Bewertung, Qualität, Dynamik und Größe überprüft und entsprechend bewertet. Im Index falle eine Gebühr von 1,25% p.a. an. Da der Index in JPY berechnet werde und die enthaltenen Aktien in JPY gehandelt würden, würden Anleger u.a. das Währungsrisiko zur Produktwährung (Euro) tragen.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel ein Mini Future (ISIN DE000VD80RW5/ WKN VD80RW) auf JPY per 1 USD (ISIN XC0009659910/ WKN 965991). Der Optionsschein sei mit einem aktuellen Basispreis von JPY 174,34 und einer aktuellen Barriere von JPY 172,66 emittiert worden. Der Kaufpreis liege bei EUR 17,49. Der anfängliche Referenzpreis betrage JPY 161,67.

Interessant sei zudem ein Mini Future (ISIN DE000VU0MM17/ WKN VU0MM1) auf JPY per 1 USD. Der Optionsschein sei mit einem aktuellen Basispreis von JPY 116,73 und einer aktuellen Barriere von JPY 117,33 begeben worden. Der Kaufpreis liege bei EUR 18,62. Der anfängliche Referenzpreis betrage JPY 136,77.

Währungsrisiko: Da die Währung des als Basiswert zugrundeliegenden Index nicht Euro sei und der Index Aktien und Wertpapiere enthalte, die in anderen Währungen notieren würden (z.B. US-Dollar), hänge der Wert des Zertifikats auch vom Umrechnungskurs zwischen der jeweiligen Fremdwährung (z.B. US-Dollar) und Euro (Währung des Zertifikats) ab. Dadurch könne der Wert des Zertifikats (in Euro) über die Laufzeit erheblich schwanken.

Marktrisiko / Preisänderungsrisiko: Der Wert des Zertifikats könne während der Laufzeit durch die marktpreisbestimmenden Faktoren auch deutlich unter den Erwerbspreis fallen, wenn der Wert des Basiswerts falle.

Erhöhtes Verlustrisiko: Wegen der Hebelwirkung bestehe bei Hebelprodukten, wie z.B. bei den hierin genannten Turbo-Optionsscheinen und Mini Futures, ein erhöhtes Verlustrisiko (Totalverlustrisiko).

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen sei von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen habe. Der Aktienkurs könne sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen könnten.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger seien dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen könnten. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde könne im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei möglich. Das Produkt unterliege als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung. (Ausgabe vom 03.09.2024) (04.09.2024/oc/a/w)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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