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Analysen - Währungen
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07.05.2020
BNP Paribas-Optionsscheine auf Euro: Fluchtbewegungen - Optionsscheineanalyse
BNP Paribas
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www.optionsscheinecheck.de
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Paris (www.optionsscheinecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" einen Mini Long-Optionsschein (ISIN DE000PX84258/ WKN PX8425) und einen Mini Short-Optionsschein (ISIN DE000PA4VBB4/ WKN PA4VBB) auf das Währungspaar EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) sowie einen Mini Long-Optionsschein (ISIN DE000PR7TWE2/ WKN PR7TWE) und einen Mini Short-Optionsschein (ISIN DE000PF0NYX0/ WKN PF0NYX) auf das Währungspaar EUR/NOK (Norwegische Krone) (ISIN EU0009654698/ WKN 965469) vor.
Im März sei es an der Börse hoch hergegangen. Aktien hätten in kurzer Zeit zweistellige Kursverluste verzeichnet. Im Gegenzug habe der Euro (EUR) kräftig aufgewertet, vor allem gegenüber dem Mexikanischen Peso (MXN), dem Russischen Rubel (RUB), der Norwegischen Krone (NOK), dem Kanadischen Dollar (CAD) und dem US-Dollar (USD). In Medien sei spekuliert worden, dass der Euro zur einer neuen Flucht- oder Krisenwährung für verunsicherte Investoren avanciert sein könnte. Könne das sein? Richtig sei, dass der Währungsmarkt im Umfeld des Ausbruchs der Coronavirus-Pandemie in starke Turbulenzen geraten sei. Das habe auch damit zu tun, dass weltweit auf die Schnelle Vermögen umgeschichtet worden sei. In den Jahren zuvor hätten sich Investoren etwa im Euroraum verschuldet und das Geld in den USA angelegt. Das sei ein lohnendes Geschäft gewesen, denn Kredite seien angesichts extrem niedriger Zinsen in Europa sehr günstig zu bekommen gewesen. Der auf Euro lautende Kredit sei in US-Dollar umgetauscht, der Betrag etwa in US-Aktien investiert worden. Ein solches Vorgehen werde im Börsenjargon Carry Trade genannt.
Komme es jedoch zu Krisen, würden Carry Trader dazu neigen, ihre Positionen schnellstmöglich aufzulösen. Der Kurseinbruch an der New Yorker Börse und die deutliche Senkung der Zinsen durch die US-Notenbank hätten es für Carry Trader schlichtweg uninteressant gemacht, weiter in den USA investiert zu sein. Sie hätten ihre Positionen verkauft und das Geld nach Europa zurück transferiert, um hier die eingegangenen Kredite aufzulösen. Dadurch sei in kurzer Zeit die Nachfrage nach Euro gestiegen, der Eurokurs sei etwa gegenüber dem US-Dollar nach oben geschnellt.
Der Effekt, der aus der Rückabwicklung der Carry Trades - man spreche hier auch von der Repatriierung - resultiere, sei noch durch eine andere Entwicklung verstärkt worden. Es falle nämlich auf, dass vor allem jene Währungen gegenüber dem Euro unter Druck geraten seien, deren Länder in einem größeren Umfang Öl produzieren würden. Der Einbruch des Ölpreises könnte zu einer Schwächung dieser Währungen beigetragen haben. Eine Vermutung, die Sinn mache, da der Rückgang einer Ölförderung allgemein die Einnahmesituation der betroffenen Länder verschlechtere und damit ihre Wirtschaften schwäche, sodass ihre Währungen unter Druck kämen.
Zudem werde das durch die betroffenen Länder geförderte Öl am Markt in US-Dollar verkauft, die eingenommenen Dollarscheine dann in die jeweils heimische Währung umgetauscht. Durch den Rückgang des Ölverkaufs gehe aber auch die Nachfrage nach diesen Währungen zurück. Dadurch sei auch zu erklären, warum die Währungen der ölproduzierenden Länder auch gegenüber dem US-Dollar unter Abwertungsdruck gekommen seien, sie seien schlicht weniger nachgefragt worden. Ergo sei der Anstieg des Euro weniger ein Zeichen dafür, dass er als Flucht- oder Krisenwährung diene, sondern sein Erstarken resultiere aus der Rückabwicklung von Carry Trades und dem Einbruch der Nachfrage nach Öl.
Ein möglicher Status als Fluchtwährung für den Euro sei auch deswegen unwahrscheinlich, weil die Eurozone vor großen Herausforderungen stehe. "Schaut man über den aktuellen Schock hinweg, bekommt Europa weniger ein realwirtschaftliches als ein Schuldenproblem", sage etwa Klaus Bauknecht von IKB Deutsche Industriebank. Viele Euroländer würden durch die Coronavirus-Pandemie ihre Schuldenquoten erheblich ausweiten. Hierzu gehöre insbesondere Italien, dessen Schuldenquote auf über 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen dürfte. Aber auch Spanien, Frankreich und Portugal würden kritische Höhen erreichen, die ihre Handlungsfähigkeit infrage stellen würden.
Ob aus dieser Entwicklung eine neue Staats- und Finanzschuldenkrise wie 2008 resultiere, hänge im Wesentlichen davon ab, wie die Euroländer auf die Herausforderung reagieren würden. Bislang habe sich insbesondere Deutschland gegen eine "Haftungsgemeinschaft" gewendet. Angesicht der zunehmenden Schuldenproblematik vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie dürfte es, so Bauknecht, Berlin immer schwerer fallen, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten: "Die Coronakrise wird dogmatische Politikansätze wie die "nobailout"-Klausel weiter ins Abseits drängen. Im Idealfall werden eine höhere Solidarität der Euroländer untereinander und damit ein höheres Maß an Integration Folgen der Krise sein." Bis es so weit sei, werde der Euro tendenziell weiter unter Druck stehen. Das heiße, die im Umfeld der Coronavirus-Pandemie zu beobachtende Aufwertung des Euro dürfte nicht von Dauer sein. (Ausgabe Mai 2020) (07.05.2020/oc/a/w)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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