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Analysen - Ausland
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18.03.2003
Lockheed Martin keine Kursimpulse
Performaxx-Anlegerbrief
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www.optionsscheinecheck.de
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Die Experten vom "Performaxx-Anlegerbrief" sehen für die Aktie von Lockheed Martin (WKN 894648) derzeit keine Kursimpulse mehr aus dem Irak-Konflikt.
Mit Rüstungsaktien am bevor stehenden Irak-Konflikt verdienen? Das hätten sich viele Anleger sicherlich so vorgestellt, doch die Rechnung gehe nicht richtig auf: US-Titel wie General Dynamics, Northrop Grumman, Raytheon und auch Lockheed Martin hätten gerade neue 52-Wochentiefs markiert. Der US-Militärhaushalt solle zwar auch in den nächsten Jahren weiter steigen, doch wehe den scheinbar begünstigten Rüstungsfirmen inzwischen ein unerwartet heftiger Wind entgegen.
Wirtschaftliche Gesetze würden sich auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht permanent außer Kraft setzen lassen. Wie sich nämlich herausstelle, müsse die einmal angeschaffte Militärmaschinerie vor allem gewartet und gepflegt werden. Ein immer größerer Teil des Militärbudgets fließe in Dienstleistungen und Unterhaltskosten. Neuanschaffungen, von denen die Rüstungsfirmen natürlich über Großaufträge profitieren würden, würden mittlerweile auf die lange Bank geschoben und auf ihre Finanzierbarkeit hin neu abgeklopft.
Die Anteilsscheine würden keinen Auftrieb vom bevor stehenden Irak-Konflikt erfahren. Auch bei Lockheed sei Realismus eingekehrt. Der Finanzvorstand von Boeing habe sich auf der jährlichen Global Industrial Manufacturing Conference "überrascht" gezeigt, wie lange das Pentagon nun schon über die Auftragsvergabe von 100 Betankungsflugzeugen auf 767-Design nachdenke. Es gehe dabei um einen Auftrag in Höhe von 17 Mrd. USD.
Der General Accounting Office, also der für die Überwachung des Pentagons zuständige Part des Kongresses, bereite Ärger. Nach dem Budget-Überzug von knapp 900 Mio. USD im letzten Jahr müsse das Pentagon nunmehr nämlich z.B. über die Zahl der neu anzuschaffenden Kampfjets resümieren. Die Luft-/Luft-Kampfjets F-15C sollten durch neue F/A-22 Raptor bis spätestens 2013 ersetzt werden, so zumindest der Plan.
Doch dieser über 43 Mrd. USD hinauslaufende Plan gerate finanziell immer mehr außer Kontrolle. Inzwischen gehe das Pentagon so weit zu fragen, ob man die F/A-22 überhaupt noch brauche, und wenn ja, in welcher Anzahl. Aus diesem Upgrade-Programm habe Lockheed Martin Mitte letzter Woche zumindest einen Anteil am Kuchen von 6 Mrd. USD zugesprochen bekommen. Boeing habe einen kleineren Anteil serviert bekommen.
Für Lockheed und für Boeing sei zudem der Columbia-Unfall am 1. Februar ein weiterer Hieb auf die ohnehin schon ins Trudeln gekommenen Aktienkurse gewesen. 6% der Umsätze bei Lockheed würden mit der US-Weltraumbehörde NASA laufen, davon die Hälfte in Bezug auf das Space-Shuttle-Programm. Die Auswirkungen für das 2003er Budget könnten noch nicht beziffert werden.
Einerseits müssten die laufenden Untersuchungen erst noch zeigen, wer welche Teilschuld an dem Desaster habe, andererseits werde auch die NASA über das gesamte Programm noch mal gründlich nachdenken, bevor hier weitere Aufträge lanciert würden. Ob tatsächlich eine neue Raumfährengeneration ins Leben gerufen werde, sei alles andere als sicher. Nach bisherigen Planungen jedenfalls nicht vor 2011. Angesichts des löchrigen US-Haushaltsdefizits mache sich wohl niemand übermäßige Hoffnungen.
Nun sei bei Lockheed mit einem Orderbestand von 36 Mrd. USD noch lange keine Untergangsstimmung angesagt, der Orderbestand der noch nicht finanzierten Aufträge sei sogar noch Einiges höher. Den Umsatz habe Lockheed im letzten Quartal von 7,3 auf 7,8 Mrd. USD deutlich gesteigert, doch sei ein Nettoverlust von 0,35 Mrd. USD angefallen.
Im laufenden Jahr solle nach eigenem Bekunden ein Gewinn von bis zu 2,20 USD möglich sein, doch seien hier nach Einschätzung der Experten die genannten Risiken keinesfalls ausreichend reflektiert. Die Experten vom "Performaxx-Anlegerbrief" gehen deshalb von einem klar geringeren Plus in diesem Jahr aus, wobei Anteilsverkäufe natürlich nicht mitgerechnet werden.
Die Entwicklung bei Lockheed Martin sehe man als charakteristisch für die Branche. Die Phantasie sei im Vorfeld am größten gewesen, auf dem Hochpunkt der Rhetorik. Irgendwann müsse zwangsläufig die Dynamik der Neuaufträge abebben - wenn dann noch Probleme wie mit dem NASA-Programm hinzukämen, werde die Überbewertung offenbar und der Kurs trete den Rückwärtsgang an.
Der Chart signalisiere bei Lockheed deutlich, wo die Reise hingehe. Mit Impulsen aus dem nahen Irak-Konflikt sei nicht mehr zu rechnen, auch wenn die Aktien zum Wochenausklang nochmals 5% hätten gutmachen können. An Rüstungsaktien müsse man im Vorfeld eines neuen Militärplans partizipieren, nicht auf dem Höhepunkt.
Anleger, die den früheren Empfehlung der Experten vom "Performaxx-Anlegerbrief" bezüglich Lockheed Martin vor einem Jahr gefolgt waren, sollten im übrigen längst ausgestoppt sein.
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