|
Analysen - Ausland
|
12.11.2012
BG Group-Aktie: zu hohe Prämie für Null-Wachstum
Sarasin Research
|
www.optionsscheinecheck.de
|
Zürich (www.aktiencheck.de) - Michael Romer, Analyst von Sarasin Research, stuft die Aktie der BG Group (ISIN GB0008762899/ WKN 931283) auf "neutral" herab.
Großbritanniens drittgrößte Öl- und Gasgesellschaft, besitze unter den groß kapitalisierten Energiegesellschaften anerkanntermaßen eine der attraktivsten mittelfristigen Wachstumsaussichten. Die Ressourcen dazu seien vorhanden. Dass die Aktien 2012 seitwärts tendieren würden und Anfang November deutlich korrigiert hätten, habe damit zu tun, dass BG Group seine Wachstumsziele bezüglich der Fördervolumen für 2013 gänzlich gestrichen habe. Der Markt sei bis dahin wegen der tiefen Vergleichsbasis in 2012 (+3%) von einem Wachstum im knapp zweistelligen Prozentbereich ausgegangen, über dem langfristig angepeilten Wert von jährlich 6% bis 8% (bis 2020).
Das für 2013 reduzierte Volumenwachstumsziel sei überraschend gekommen, speziell in Bezug auf das Ausmaß. Eine leichte Reduktion habe sich wegen dem wohl längeren Ausfall des Elgin/Franklin-Felds in der Nordsee sowie der anhaltend tiefen Gaspreise in Nordamerika abgezeichnet. Ausschlaggebend sei letztendlich, dass nun aber gerade jene Förderregionen Probleme bekunden würden, welche die erwähnten Lücken gemäß Unternehmensplan hätten kompensieren sollen.
BG Group sehe über 2013 hinaus die langfristigen Wachstumsziele bezüglich der Produktion indes nicht gefährdet. Vor diesem Hintergrund erscheine die Kursreaktion im November 2012 übertrieben. Zumindest die temporären Probleme in der Nordsee und in Brasilien sollten sich über einen Horizont von zwölf Monaten stabilisieren. Bezüglich Ägypten und den tiefen Gaspreisen in Nordamerika bleibe die Unsicherheit jedoch bestehen.
Wie eingangs erwähnt, werde BG Group durch das fehlende Produktionswachstum, welches sich auch negative auf die Cashflow-Entwicklung auswirke, den Blick der Investoren vermehrt auf die Bilanz richten. Allerdings seien die Analysten der Meinung, dass BG Group wegen einem Jahr ohne Wachstum auf der Produktionsseite keine ernsthaften Probleme in der zwischenzeitlichen Finanzierung bekommen sollte. Für 2013 würden sie schätzen, dass die Nettoverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital (Gearing) auf rund 30% liegen sollte, was über dem Schnitt der vergleichbaren, größeren integrierten Energieunternehmen liege.
Relativ habe sich an der Bewertung des Titels indes wenig verändert. Die BG Group-Aktie handle gegenüber den groß kapitalisierten und integrierten Unternehmen nach wie vor mit einer Bewertungsprämie innerhalb der historischen Bandbreite, welche in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 30% bis 40% auf Basis der erwarteten P/E und EV/EBITDA Multiplikatoren gependelt habe. Dies sei angesichts der durchschnittlichen Wachstumsperspektiven der europäischen Konkurrenten von 2% bis 3% indes nicht gerechtfertigt.
Langfristig besitze BG Group mit einem einzigartigen Reserven-Portfolio an den global wichtigsten Förderstandorten unverändert hohe Attraktivität. Die Analysten seien nach wie vor der Meinung, dass der Wert der Ressourcen in Brasilien und auch andernorts (Tansania, Kenia und Australien) vom Markt unterschätzt werde. Eine steigende Umwandlungsrate der Reserven in Cashflows, ein stärkerer Hebel gegenüber dem Ölpreis sowie neue Explorationserfolge würden die wichtigsten Treiber bleiben.
Wer die Aktien aber derzeit ins Portfolio lege, müsse über die nächsten zwölf Monate hinaus gegenüber schwachen operativen Zahlen immun sein. Auf Grund des kurzfristig überdurchschnittlichen Risiko-Rendite-Profils von BG Group sähen die Analysten innerhalb des europäischen Energiesektors gegenwärtig bessere Alternativen.
Die Analysten von Sarasin Research stufen die Aktie der BG Group auf "neutral" herab. (Analyse vom 09.11.2012) (12.11.2012/ac/a/a)
|