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Analysen - Marktberichte
26.10.2012
Internationale Kapitalmärkte aktuelle Anlagestrategie
Weberbank

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Berlin (www.aktiencheck.de) - Achtung! Kommandant verlässt die Brücke! Inmitten einer der schwierigsten Phasen für die Weltwirtschaft der letzten 100 Jahre deutet sich bei den beiden Supertankern USA und China ein Führungswechsel an, so die Analysten der Weberbank.

Am 6. November 2012, also wie seit mehr als 160 Jahren am Dienstag nach dem ersten Montag im November, wähle das amerikanische Volk seinen Präsidenten. Zwei Tage später beginne in Peking der 18. Parteitag, auf dem Chinas Kommunisten fast ihre gesamte Führung auswechseln würden. Laut den letzten Umfragen zeichne sich in Amerika eine knappe Mehrheit für den Herausforderer Mitt Romney ab.

In China sei hingegen mit keinen großen Überraschungen zu rechnen. Zwei Namen stünden schon seit Langem fest: Xi Jinping und Li Keqiang. Der eine werde neuer Parteichef; der andere werde Chinas künftiger Premier. Die Herausforderungen, vor denen die neuen Regierungen auf beiden Seiten des Pazifiks stehen würden, seien jedoch beachtlich.

Die USA müssten einen Weg finden, Staatshaushalt, Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt wieder in Einklang zu bringen. Bisher seien richtungweisende Entscheidungen vermieden und Probleme nur in die Zukunft verlagert worden. Alle Hoffnungen hätten auf der Belebung des Wirtschaftswachstums geruht.

Die chinesische Volkswirtschaft hingegen habe zuletzt noch Wachstumsraten von 7,4% gemeldet. Das höre sich erst einmal viel an. Beim genauen Hinsehen werde jedoch deutlich, dass dies die geringste Wirtschaftsexpansion seit 2009 gewesen sei. China befinde sich gerade in der kritischen Transformationsphase von der günstigen Werkbank der Welt zu einer modernen Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft. Die beiden Schwergewichte der Weltwirtschaft stünden also vor der Aufgabe, sich neu zu erfinden.

In Europa stehe zwar aktuell kein Machtwechsel an, die Probleme seien aber nicht weniger herausfordernd. Nachdem durch die Entscheidungen der EZB und des Bundesverfassungsgerichtes in den letzten Wochen Hoffnung aufgekeimt sei, weiche diese langsam der nüchternen Realität.

Die Umfragen unter Unternehmen, die ein guter Indikator für die Konjunkturentwicklung seien, hätten für negative Überraschungen gesorgt. So sei der deutsche Ifo-Index den sechsten Monat in Folge gesunken und signalisiere eine weitere Abflachung der Wirtschaftsaktivität. Nur noch 18 Prozent der befragten Unternehmen würden eine Verbesserung der Wirtschaftslage erwarten.

Der Industriesektor leide vor allem unter den nachlassenden Exporten nach Südeuropa und dem Nachfragerückgang bei Automobilen. Viele Marktteilnehmer hätten auf eine Verbesserung der Stimmung gehofft und seien durch die Daten enttäuscht worden. Eine Fortsetzung der Konjunkturschwäche sei nun sehr wahrscheinlich.

Trotz der negativen Wirtschaftsmeldungen der vergangen Tage könne der Rentenmarkt noch nicht zu alter Stärke zurückkehren. Zwar habe der Aufwärtstrend der Renditen deutscher Staatsanleihen kurzfristig gestoppt werden können, die Analysten würden dennoch eher eine Fortsetzung des Anstiegs der Renditen als ein erneutes Anvisieren der Renditetiefs aus dem Sommer dieses Jahres erwarten. Die großen Gewinner des Jahres, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen und Schwellenländerpapiere, würden auch weiterhin ihre Favoriten bleiben. Trotz teilweise zweistelliger Kurszuwächse seit Jahresbeginn würden die Analysten in diesen Segmenten noch weiteres Potenzial sehen.

Die laufende Berichtssaison habe bisher nicht gerade Jubelschreie bei den Aktieninvestoren ausgelöst. In Amerika hätten schon gut ein Drittel aller Unternehmen Zahlen zum Verlauf des dritten Quartals vorgelegt. Vor allem die Schwergewichte wie beispielsweise Google (ISIN US38259P5089/ WKN A0B7FY), Microsoft (ISIN US5949181045/ WKN 870747) und McDonald's (ISIN US5801351017/ WKN 856958) hätten schwächere Ergebnisse berichtet als erwartet. Da im Vorfeld der Berichtssaison die Erwartungen schon nach unten angepasst worden seien, seien die dürftigen Ergebnisse umso enttäuschender.

Auch der Ausblick auf das laufende vierte Quartal sei insgesamt sehr verhalten ausgefallen. Ein ähnlicher Trend deute sich auch in Europa an. Zwar hätten hier bisher nur ca. 10 Prozent der Unternehmen berichtet, die Tendenzen seien jedoch denen in Amerika sehr ähnlich.

Angesichts des schwachen Fundamentalumfeldes sei es schon erstaunlich, wie robust sich weiterhin die Aktienmärkte präsentieren würden. Zwar hätten die großen Leitindices wie DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) oder S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) von ihren Höchstständen gut 5 Prozent eingebüßt, doch würden sie sich noch oberhalb wichtiger charttechnischer Unterstützungsmarken befinden. Das Spannungsfeld aus schwachen Fundamentaldaten einerseits und hoher Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken andererseits sollte sich nach Meinung der Analysten in den kommenden Wochen fortsetzen.

Der Goldpreis sei erneut an der charttechnisch wichtigen Marke von 1800 USD gescheitert. Er bleibe also aus technischer Sicht im Seitwärtsband zwischen 1600 und 1800 USD gefangen. Das fundamentale Umfeld für Gold sei aber weiterhin positiv: Die großen Industrienationen seien mehrheitlich überschuldet, würden die Geldmengen stetig ausweiten und negative bzw. sehr geringe Realrenditen ausweisen. (26.10.2012/ac/a/m)



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