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Analysen - Ausland
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25.10.2002
Nestlé kaufen
Stadtsparkasse Köln
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Die Aktie der Nestlé S.A. (WKN 887208) ist für das Researchteam der Stadtsparkasse Köln unverändert ein Outperformer.
Nestlé sei der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Das in Vevey ansässige Unternehmen sei weltweit mit rund 520 Produktionsstätten aktiv. Die Tätigkeiten des Unternehmens liegen in den Bereichen Getränke, Milchprodukte und Reformkost, Fertiggerichte und Instant-Mischungen, Schokolade und Süßwaren, pharmazeutische Produkte sowie Tiernahrung. Über eine 26,3%ige Beteiligung an L'Oréal sei Nestlé auch im Kosmetikbereich aktiv.
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe Nestlé den konsolidierten Umsatz um 6% auf 66,2 Mrd. Schweizer Franken (CHF) gesteigert. Allerdings habe der negative Wechselkurseffekt den Umsatz mit 7,3% belastet. Außerdem habe die Krise in den beiden wichtigen südamerikanischen Märkten Brasilien und Argentinien das Wachstum von Nestlé gebremst. Schwierig sei auch die Situation in Japan, wo seit Jahren eine anhaltende Rezession herrsche. Bezogen auf das dritte Quartal habe das Wachstum 3,2% betragen. Das interne Realwachstum - eine der meistbeachteten Kennziffern bei Nestlé - habe sich im Neun-Monats-Zeitraum auf 3,4% belaufen und damit leicht unter den Erwartungen gelegen.
Den stärksten Beitrag habe die Region Asien-Ozeanien-Afrika geleistet. In Europa habe insbesondere die Region Osteuropa zugelegt. Aus Produktsicht haben die Bereiche Wasser und andere Aktivitäten besonders starkes Wachstum gezeigt. Nestlé habe sich selber das Ziel eines internen Realwachstums von 4% per anno gesetzt, wolle aber nach eigenen Angaben nicht gute Margen zu Gunsten des Wachstums aufgeben. Im vierten Quartal erwarte Nestlé eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung in allen Regionen bis auf Lateinamerika. Für das Gesamtjahr gehe Nestlé davon aus, den Vorjahresgewinn von 6,68 Mrd. Euro zu übertreffen.
Bezüglich der Beteiligung an L'Oréal sei es in den letzten Wochen zu Unsicherheiten hinsichtlich des Vertrags mit Liliane Bettencourt, der Tochter des L'Oréal-Gründers, gekommen. Gemäß einem Vertrag aus dem Jahre 1974 bestehe für Nestlé beim Tod von Bettencourt ein Vorkaufsrecht für ihren 51%igen Anteil an der Zwischenholding Gesperal, die L'Oréal kontrolliere. Gleichzeitig sei Nestlé aber auch zum Kauf der Anteile verpflichtet, falls der Konzern bis März 2004 Titel aus dem Bestand der Familie Bettencourt angeboten bekomme. Obwohl diese Verpflichtung schon seit Jahren bestehe, sei sie für einige Marktteilnehmer neu zu sein und habe daher die Kursentwicklung von Nestlé belastet.
Nestlé werde Interesse am US-Nahrungsmittelhersteller Adams nachgesagt. Adams stelle Süßwaren und Kaugummi her und werde derzeit von seiner Muttergesellschaft, dem Pharmaunternehmen Pfizer, versteigert. Kaugummi gehöre zwar nicht zum strategischen Interesse von Nestlé, wohl aber andere höhermargige Bereiche wie Hustenbonbons. Nestlé verfüge durchaus über die nötige Liquidität für Akquisitionen. Doch haben die Rating-Agenturen Moody's und S&P bereits verlauten lassen, dass bei einer Erhöhung des Schulden-Atandes eine Herabstufung des derzeitigen Top-Ratings wahrscheinlich wäre.
Die Übernahme des US-Süßwarenherstellers Hershey, bei der Nestlé als Favorit gegolten habe, sei nicht zustande gekommen, da der Mehrheitsaktionär von Hershey beschlossen habe, das Unternehmen doch nicht zu verkaufen. Allerdings halte Nestlé daran fest, das Nordamerika-Vertriebsrecht für das Nestlé-Produkt KitKat von Hershey kaufen zu wollen.
Nestlé habe sein Interesse an Teilen der zum Verkauf stehenden Novartis-Sparte "Health and Functional Food' bestätigt. Das vorrangige Interesse des Nahrungsmittelkonzerns liege dabei im Bereich Cerealien und Gesundheits-Erhaltende Lebensmittel, um damit die eigene Sparte Functional Food zu stärken. Einem Zeitungsbericht zufolge gehöre Nestlé zu den drei letzten Bietern für das Novartis-Geschäft.
Mit dem Kosmetikkonzern L'Oréal bestehe ein Joint Venture unter dem Namen "Laboiratoires Inneov" zur Entwicklung und Herstellung kosmetischer Nahrungsmittel (Nahrungsmittel mit positiven Auswirkungen auf Haut, Haare und Nägel). Das Unternehmen werde je zur Hälfte von Nestlé und L'Oréal getragen.
Trotz des weiterhin schwierigen konjunkturellen Umfelds, der starken negativen Wechselkursentwicklung sowie der schwierigen Wirtschaftslage in Südamerika habe Nestlé in den ersten neun Monaten den Umsatz steigern können und sei auch weiterhin zuversichtlich, im Gesamtjahr Gewinn und Umsatz steigern zu können. Dies sei auch im Vergleich zu den Wettbewerbern eine beachtliche Leistung. Das Engagement im Bereich "Kosmetische Nahrungsmittel" sei vor dem Hintergrund des hohen Wachstumspotentials sehr positiv zu werten.
Nestlé ist weiterhin ein langfristig attraktives Investment. Dies ist die Meinung von Analysten der Stadtsparkasse Köln.
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