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Analysen - Ausland
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28.09.2012
Transocean-Aktie: Tiefe Wasser sind nicht immer still
Sarasin Research
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www.optionsscheinecheck.de
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Zürich (www.aktiencheck.de) - Der Analyst von Sarasin Research, Michael Romer, stuft die Transocean-Aktie (ISIN CH0048265513/ WKN A0REAY) weiterhin mit "neutral" ein.
Transocean (RIG), die weltweit größte Tiefseebohrgesellschaft, sei im April 2010 mit einem Marktwert von CHF 31 Mrd. an die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange gekommen und habe einen denkbar schlechten Start erwischt. RIG habe die vom Ölmulti BP (ISIN GB0007980591/ WKN 850517) geleaste Bohrinsel "Deepwater Horizon" gehört, welche am 20. April 2010 im Macondo-Ölfeld im Golf von Mexiko (GoM) explodiert, zwei Tage später gesunken sei, elf Menschenleben gekostet und zur größten Ölkatastrophe in der US-Geschichte geführt habe.
Die Aktien hätten auf Grund dieses Ereignisses insgesamt über 50% an Wert verloren. Obschon sie sich zwischenzeitlich etwas erholt hätten, sei RIG seit August 2012 wieder hinter dem Gesamt- und Industrieindex zurück gefallen. Neben der bevorstehenden gerichtlichen Auseinandersetzung bezüglich Macondo sei RIG vor der Küste Brasiliens in einen weiteren Zwischenfall verwickelt, der das zukünftige Geschäft in dem wichtigen Markt in Frage stelle. Die negativen Ereignisse seien auch in der gebrochenen, positiven Wechselbeziehung zum Ölpreis ersichtlich. RIG habe bis zum Vorfall im GoM und kurz danach eine sehr hohe Kurskorrelation zum Ölpreis aufgewiesen. Seit März 2011 sei indes eine deutliche Schere aufgegangen.
RIG sei vertraglich mit BP von jeglichen Schadenszahlungen betreffend der Deepwater Horizon und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko befreit. Dies setze jedoch voraus, dass dem Unternehmen in den nach wie vor laufenden Untersuchungen keine Grobfahrlässigkeit nachgewiesen werden könne. In allen offiziellen, externen und internen Beurteilungen habe dies bislang nicht bewiesen werden können. Die Risiken in Bezug auf den juristischen Ausgang seien nach wie vor vorhanden.
RIG habe neben dem GoM-Vorfall noch an anderer juristischer Front zu kämpfen. Die Gruppe stehe mit Norwegen im Streit, Steuern im Wert von USD 1,8 Mrd. im Zusammenhang mit dem Verkauf von 12 Bohranlagen in den Jahren 2000/02 zu schulden. In Brasilien, das über 10% des Gruppenumsatzes ausmache, sei das Unternehmen zwar nicht direkt mit Klagen konfrontiert. Aber seit dem im November 2011 auf einer von der US-amerikanischen Chevron (ISIN US1667641005/ WKN 852552) betriebenen und im Besitz von RIG stehenden Bohrplattform im Frade-Feld unkontrolliert Öl ausgetreten sei, sei es letzterer seit Ende September 2012 in ganz Brasilien untersagt, die dort stationierten, aktiven 9 Bohranlagen (der insgesamt knapp 80 Plattformen) laufen zu lassen.
Die staatlich beherrschte Petrobras, die 7 der RIG-Anlagen unter Vertrag habe, versuche das richterliche Verbot aufzuheben, um die Explorationsaktivitäten in einigen der vielversprechendsten Tiefseefeldern nicht wegen eines Mangels an Ausrüstung einstellen zu müssen.
Die finanzielle Verfassung von RIG könne trotz Unwägbarkeiten bezüglich der Kostenfolgen aus der GoM-Havarie wieder als robuster bezeichnet werden. Per Mitte 2012 habe RIG eine Nettoverschuldung von rund USD 6 Mrd. ausgewiesen, welche sich seit 2008 (USD 12,3 Mrd.) in Folge der Fusion mit GlobalSantaFe in 2007 halbiert habe. Das Verhältnis der Nettoschulden zum Eigenkapital (Gearing) entspreche noch rund 35%, was in der Branche noch immer am oberen Ende der Bandbreite liege. Nach erheblichen Wertberichtigungen Ende GJ10 und im GJ11 über insgesamt USD 5 Mrd. betrage der Anteil des Goodwills per Mitte 2012 noch ca. USD 3 Mrd., weniger als 10% der Aktiven.
Der operative Leistungsausweis habe im Geschäftsjahr (GJ) 2012 bisher keine positiven Impulse zu verleihen vermocht. Das erste Halbjahr sei geprägt gewesen von einem leicht verbesserten operativen Umfeld besonders im Ultra-Tiefseesegment, wo Angebot und Nachfrage nahe beieinander liegen würden. Der Gewinnausweis werde für GJ12 indes von erheblichen, außerordentlichen Rückstellungen (für Macondo und die verkaufte Jackup-Flotte) geprägt sein, was einen Reinverlust im tieferen dreistelligen Millionenbereich erwarten lasse. Mit Blick auf GJ13 würden die Analysten die Konsensschätzungen für den Gewinn pro Aktie (GpA) als nicht unrealistisch erachten. Der Verkauf der Jackup-Flotte scheine jedoch noch nicht vollumfänglich in den Marktschätzungen eingerechnet zu sein. Insgesamt würden sie für den 2013 Gewinn einen größeren Überraschungsspielraum nach unten als nach oben orten.
In einem mittleren Risikoszenario (weitere Erholung des Auslastungsgrades und der Tagesentgelte für Bohranlagen auf globaler Ebene) und langfristig durchschnittlichem Ölpreis um USD 90 pro Fass, würden die Analysten den fairen Wert von RIG auf rund CHF 20 Mrd. bzw. CHF 60 pro Aktie einschätzen. Obschon damit theoretisches Aufwertungspotenzial bestehe, erscheine ihnen eine Kaufempfehlung noch nicht opportun. Wer auf den Energiesektor setzen wolle, finde gegenwärtig bessere Alternativen, welche gleichzeitig aber keine offenen juristischen Probleme vor sich herschieben würden.
Die Analysten von Sarasin Research stufen die Transocean-Aktie mit "neutral" ein. (Analyse vom 28.09.2012) (28.09.2012/ac/a/a)
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