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Analysen - DAX 100
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25.09.2012
EADS-Aktie: komplizierte Gemengelage bei geplanter Fusion
Nord LB
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www.optionsscheinecheck.de
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Hannover (www.aktiencheck.de) - Heino Hammann, Analyst der Nord LB, reduziert seine Einschätzung zur Aktie von EADS (ISIN NL0000235190/ WKN 938914) von "under review" auf "halten" zurück.
Die geplante Fusion des EADS-Konzerns mit der britischen BAE Systems (ISIN GB0002634946/ WKN 866131) habe zu ersten politischen Statements geführt, die auf die erwartet komplizierte Gemengelage hindeuten würden. So sei zumindest kurzfristig nicht mit Zustimmung zur geplanten Transaktion zu rechnen.
Medieninformationen zufolge hätten die beteiligten Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien noch keine übereinstimmende Meinung gefunden. Insbesondere Frankreich könne sich nicht mit einem Verzicht seiner Beteiligung anfreunden. Zudem scheine die Möglichkeit einer Goldenen Aktie auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Andererseits sollten die Briten nicht davon begeistert sein, dass im Falle einer Fusion Deutschland und Frankreich noch Anteile halten würden. Da BAE Systems über ein beträchtliches US-Rüstungsgeschäft verfüge, dürften wohl auch die USA so viel europäischen Staatseinfluss kaum akzeptieren. Insofern sei das EADS-Konzernmanagment denn auch bemüht, den Abbau der staatlichen Beteiligungen zu betreiben und eher auf die Goldene Aktie zu setzen, die bspw. ein Vetorecht bei Übernahmeversuchen beinhalten könne.
Die Gemengelage vereinfache sich auch dadurch nicht, dass sich Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) derzeit bemühe, seinen aktuellen Anteil von 15% an EADS zu verringen. Dazu würden schon seit Längerem Verhandlungen mit der Bundesrepublik geführt, die den Ankauf EADS-Aktienpakets von 7,5% zum Inhalt hätten. Daimler übe aber zusätzlich noch die Stimmrechte für weitere 7,5% aus, die von einer vorwiegend deutschen Investorengruppe gehalten würden. Der französische Staat halte insgesamt 22% an EADS.
Gemäß der englischen Börsenaufsicht müssten die Unternehmen bis zum 10 Oktober Einzelheiten zur geplanten Fusion melden. Nach Einschätzung der Analysten dürften die auf politischer Ebene nicht abgeschlossenen Gespräche dazu führen, dass diese Frist verlängert werden müsse. Ihrer Meinung nach versprühe die geplante Fusion mit BAE Systems aus strategischen Überlegungen heraus nach wie vor einen gewissen Charme. Gleichwohl stünden den positiven Aspekten aus ökonomischen Überlegungen vielfältige Vorbehalte gegenüber. Zudem seien aus heutiger Sicht die Risiken bei der Zusammenführung der beiden Konzerne nicht überschaubar. Nach Einschätzung der Analysten sei die anhaltende Schwäche des EADS-Anteilsscheins ein Zeichen dafür, dass die Modalitäten des Zusammenschlusses zum Nachteil von EADS und eher zum Vorteil für BAE Systems gereichten könnten.
Unter Berücksichtigung dieser Aspekte reduzieren die Analysten der Nord LB ihre Einschätzung für die EADS-Aktie auf "halten" sowie das Kursziel von 35 EUR auf 28 EUR. (Analyse vom 25.09.2012) (25.09.2012/ac/a/d)
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