|
Analysen - DAX 100
|
14.09.2012
EADS-Aktie: Fusionsplan mit BAE Systems ist nicht überzeugend
Bankhaus Lampe
|
www.optionsscheinecheck.de
|
Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Sebastian Hein, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von EADS (ISIN NL0000235190/ WKN 938914) unverändert mit "halten" ein.
EADS und BAE Systems (ISIN GB0002634946/ WKN 866131) hätten bekannt gegeben, seit Monaten über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Die fusionierte Gruppe würde zu 60% an die EADS-Aktionäre und zu 40% an die BAE-Aktionäre übertragen werden. Nach britischem Börsenrecht müsste eine erste grundlegende Einigung bis zum 10. Oktober erfolgen.
Ein Zusammenschluss würde den größten Rüstungskonzern der Welt formen. Nach den Umsatzzahlen von 2011 würde der neu geformte Konzern einen Rüstungsumsatz von 45,2 Mrd. US-Dollar erzielen und läge damit vor Lockheed Martin (ISIN US5398301094/ WKN 894648) (44,0 Mrd. US-Dollar) und Boeing (ISIN US0970231058/ WKN 850471) (30,7 Mrd. US-Dollar). EADS bekäme Zugang zu dem mit Abstand größten Militärbudget der Welt (USA Militäretat 711 Mrd. US-Dollar). BAE sei mit 7,3 Mrd. US-Dollar Umsatz neuntgrößter Auftragnehmer der US-Regierung.
EADS käme mit dem Zusammenschluss bei zwei Zielen entscheidend weiter:
1. Erzielung einer 50/50 Balance zwischen dem zivilen Flugzeuggeschäft von Airbus und anderen Aktivitäten.
2. Verstärkung der weltweiten Präsenz/Verringerung der Abhängigkeit vom europäischen Markt. Dennoch, die industrielle Logik sei aus Sicht der Analysten nicht bestechend, da
- der Rüstungsmarkt weltweit stagniere und in Europa sogar rückläufig sei.
- aus ihrer Sicht nicht damit zu rechnen sei, dass die US-amerikanischen Unternehmen Marktanteile verlieren würden. Es sei zweifelhaft, ob EADS in der neuen Konstellation den Tankerauftrag für die US-Luftwaffe (Volumen 35 Mrd. US-Dollar) gewonnen hätte.
- die Synergien nicht zuletzt dadurch begrenzt seien, dass ein fusioniertes Unternehmen Aktivitäten aus kartellrechtlichen Gründen abgeben müsste.
Aus Sicht der Analysten sei die angestrebte Fusion mit vielen Fragezeichen versehen. Neben der anzuzweifelnden industriellen Logik betreffe dies vor allem die nationalen Interessen. Diese würden divergieren und komplexe Sachverhalte (Goldene Aktie, Frage des Gleichgewichts zwischen den Nationen, Was passiere mit dem Daimler-Anteil?) seien zu berücksichtigen. Somit könnten sich die Verhandlungen hinziehen und die Unsicherheit bliebe im Markt bestehen. Nicht zuletzt stelle sich in Anbetracht des Track-records bei Großfusionen im Allgemeinen die Frage, ob solche Zusammenschlüsse überhaupt wertsteigernd für die Aktionäre sein könnten.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe bestätigen ihr Anlageurteil "halten" für die EADS-Aktie. Allerdings würden sie einen Unsicherheitsabschlag von 10% auf ihr Peer-Group- und ihr Sum-of-the-parts-Modell nehmen, so dass das neue Kursziel bei 27,00 Euro (alt: 30,50 Euro) liege. (Analyse vom 14.09.2012) (14.09.2012/ac/a/d)
|