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Analysen - Ausland
31.08.2012
Saint Gobain-Aktie: Erwartungen der Finanzmärkte bergen weiteres Enttäuschungspotenzial
Sarasin Research

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Zürich (www.aktiencheck.de) - Der Analyst von Sarasin Research, Dr. Philipp Gamper, hält an seinem "neutral"-Rating für die Aktie von Saint Gobain (ISIN FR0000125007/ WKN 872087) fest.

Die bereits 1665 gegründete Saint Gobain gehöre zu den ältesten Unternehmen der Welt. Als königliche Spiegelglasmanufaktur habe der erste Großauftrag des jungen Unternehmens die Glasproduktion für den Spiegelsaal des Schlosses in Versailles beinhaltet. 1692 sei die Produktion ins nordfranzösische Dorf Saint Gobain verlegt worden, das seinen Namen vom irischen Mönch Goban abgeleitet habe und dann auch zum Namensgeber für die neue Firma geworden sei.

Aus der einstigen Manufaktur sei ein Konzern mit rund 190.000 Mitarbeitern entstanden, der 2011 einen Umsatz von EUR 42,1 Mrd. und einen operativen Gewinn (EBIT) von EUR 3,44 Mrd. erwirtschaftet habe. Die operative Marge habe 8,2% betragen, was einer Verbesserung von 40 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr entsprochen habe (2010: 7,8%; 2009: 5,9%). Neben weiteren Kostenanpassungen hätten die gute Geschäftsentwicklung und Preiserhöhungen zu dieser erneut erfreulichen Margenentwicklung beigetragen.

Die Ergebnisse des 1H12 hätten hingegen zu großer Ernüchterung geführt. Zwar habe der Umsatz nominal um 3% auf EUR 21,6 Mrd. gesteigert werden können, auf vergleichbarer Basis und währungsbereinigt sei er jedoch um 1% gesunken. Der operative Gewinn (EBIT) habe sich sogar um 12% auf EUR 1,51 Mrd. reduziert. Die EBIT-Marge sei um nicht weniger als 120 Basispunkte auf 7,0% gefallen (1H11: 8,2%). Die Abschwächung der Nachfrage der europäischen Automobilindustrie und des privaten Wohnungsbaus seien die Hauptgründe hierzu gewesen. Zudem hätten die für Saint Gobain wichtigen Schwellenmärkte kaum Anzeichen einer Belebung gezeigt.

Vor dem Hintergrund der enttäuschenden 1H12 Zahlen und der anhaltend schwierigen Wirtschaftsaussichten in den meisten für Saint Gobain wichtigen Märkten habe das Management den Ausblick für das Gesamtjahr 2012 zurückgenommen. So werde nur noch von einem leichten Anstieg der Verkaufspreise bei begrenzt rückläufigem Volumen ausgegangen, was zu einem gegenüber dem 1H12 geringeren operativen Gewinn führen werde. Dies entspreche einer scharfen Gewinnwarnung, sei doch im Anschluss an die Publikation der 1Q12 Umsätze anfangs Mai 2012 noch von einem im Vergleich zum Vorjahr stabilen operativen Gewinn als Resultat klar höherer Verkaufspreise bei gleichzeitig moderatem Volumenwachstum ausgegangen worden.

Aufgrund des unsicheren Verlaufs der Weltwirtschaft bleibe das Geschäft von Saint Gobain hohen Risiken ausgesetzt. Das Unternehmen sei mit rund 90% in zyklischen Märkten aktiv mit Schwergewicht privater Wohnungsbau. Überdies generiere das Unternehmen rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes in Westeuropa bzw. einen Viertel in Frankreich. Die Aussichten für Westeuropa und Frankreich würden eingetrübt bleiben.

Die Erwartungen seitens der Finanzmärkte gegenüber Saint Gobain würden weiteres Enttäuschungspotenzial bergen und die Bewertung der Aktien des Unternehmens sei in Anbetracht des dahinter stehenden Rendite-Risiko-Profils nicht günstig, was nur limitiertes Kurspotenzial zulasse.

Die Analysten von Sarasin Research stufen die Saint Gobain-Aktie mit "neutral" ein. (Analyse vom 30.08.2012) (31.08.2012/ac/a/a)



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