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Analysen - Ausland
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13.08.2012
Alcatel-Lucent-Aktie: Bewertung tief, aber unattraktiv
Sarasin Research
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www.optionsscheinecheck.de
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Zürich (www.aktiencheck.de) - Der Analyst von Sarasin Research, Oskar Schenker, stuft die Alcatel-Lucent-Aktie (ISIN FR0000130007/ WKN 873102) weiterhin mit dem Anlageurteil "neutral" ein.
Das vor kurzem präsentierte 2Q12-Resultat habe nach der Umsatz- und Gewinnwarnung von Mitte Juli wenig Überraschungen enthalten außer der Bekanntgabe, dass Alcatel-Lucent weitere 5.000 Stellen - rund ein Drittel der Belegschaft der Verkaufsadministration (SG&A) - streichen werde, um damit EUR 750 Mio. einsparen zu können. Dies, nachdem bereits früher ein Programm zur Einsparung von EUR 500 Mio. initiiert worden sei. Beide Programme sollten bis 2013 abgeschlossen sein. Die Kosten für die Restrukturierung würden nicht weniger als EUR 400 Mio. in diesem Jahr und mindestens EUR 500 Mio. im nächsten Jahr betragen.
Im per Mitte Jahr abgeschlossenen zweiten Quartal 2012 seien die Umsätze um 13% ggü. VJ. gefallen. Alle Segmente außer IP (+8%) hätten ein negatives Wachstum im Vergleich zum 2Q11 ausgewiesen. Das Nordamerika-Geschäft habe speziell aufgrund fehlender CDMA-Umsätze und deutlich weniger Investitionen in 2G/3G-Netze der Telecoms gelitten.
Den Ausblick für das zweite Halbjahr habe Alcatel-Lucent vorsichtig mit der Erwartung an eine leichte sequentielle Verbesserung des adjustierten operativen Gewinns formuliert. Wesentlich für Alcatel-Lucent dürfte die operative Leistung sein. Diese sei im 2Q12 mit einem negativen operativen Cashflow von EUR 184 Mio. ungenügend gewesen. Zusammen mit den Investitionen und dem Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit habe sich ein Abfluss liquider Mittel von EUR 517 Mio. ergeben. Dies habe zu einer Nettogeldposition per Mitte Jahr von EUR 236 Mio. geführt. Die Eigenkapitalquote habe auf tiefen 17,7% verharrt.
Die unterdurchschnittliche Cashflow-Generierung dürfte in der zweiten Jahreshälfte zu einem ernsthaften Problem von Alcatel führen. Die Analysten würden nicht ausschließen, dass das Management angesichts dieser misslichen Lage an eine Stärkung der Eigenkapitaldecke denke und deswegen in der zweiten Jahreshälfte deren Planung in Betracht ziehen könnte.
Die Bewertung von Alcatel-Lucent liege im Vergleich mit dem Durchschnitt der in der internationalen Vergleichsgruppe erfassten Unternehmen am unteren Ende. Die Bewertung nehme deshalb vorweg, dass die projizierten Gewinne immer noch hoch und Revisionspotenzial vorhanden sei. Das Risiko von Schätzungsreduktionen zeige sich auch in einem deutlich höheren um 12 Monate vorausschauenden P/E. Das schlechte zweite Quartal und eine daraus abzuleitende ungünstige Entwicklung seien aus ihrer Sicht im Kurs eingepreist, so dass die Analysten nicht mit weiteren deutlichen Abschlägen gegenüber dem breiter gefassten EUR-STOXX rechnen würden.
Der vor einem Jahr (dank angekündigter innovativer Produkte) ausgebrochene Euphorismus sei verflogen. Alcatel-Lucent, deren Umsatz zu 30% in Europa generiert werde, sei betroffen von der aktuellen Verschuldungssituation einzelner EU-Staaten. Telekom Unternehmen in diesen Ländern hätten hohe Zinsen bei der Refinanzierung zu gewärtigen, was die Investitionsvorhaben beeinträchtige. Telekom Unternehmen würden sich deswegen vermehrt mit gegenseitigen Nutzungsrechten für Infrastruktur etc. behelfen. Alcatel-Lucent bleibe den Beweis einer positiven Berichterstattung während zwei bis drei aufeinanderfolgenden Quartalen schuldig.
Die Analysten von Sarasin Research lassen die Alcatel-Lucent-Aktie mit "neutral" eingestuft. (Analyse vom 10.08.2012) (13.08.2012/ac/a/a)
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