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Analysen - Ausland
23.10.2002
Merrill Lynch "underperform"
Independ. Financial Analyst

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Die Analysten von Independent Financial Analyst stufen die Aktie von Merrill Lynch (WKN 852935) mit "underperform" ein.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch habe Dank eines kräftigen Sparkurses den Gewinn im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahrezeitraum um 22% auf 579 Mio. USD bzw. eines Gewinns je Aktie von 0,61 USD steigern und damit die Konsensschätzung um 3 Cent übertreffen können. Inklusive Sondereffekte (Versicherungszahlungen aus dem Terroranschlag in den USA im September vergangenen Jahres) sei der Gewinn um 64% auf 693 Mio. USD oder 0,73 USD gestiegen. Gleichzeitig habe das Brokerhaus unter Ausklammerung der Sondereffekte die Vorsteuermarge gegenüber dem Vergleichzeitraum um nahezu Fünfprozentpunkte auf 19,8% steigern können.

Trotz des schwierigen Marktumfeldes scheine der Kurs des designierten Vorstandsvorsitzenden und jetzigen Präsidenten Stan O’Neil erste Erfolge zu zeigen. Seit seiner Bestellung im vergangenen Jahr habe das Brokerhaus rund ein Fünftel der Belegschaft abgebaut, allein im Berichtsquartal seien nochmals 1.200 Banker freigesetzt worden. Mit einer Compensation-Ratio (Personalkosten im Verhältnis der Nettoerträge) von 51,1% liege Merrill allerdings zwar noch über den Quoten von Goldman Sachs (50,0%, Morgan Stanley (50,1%) sowie Lehman Brother mit 51,0%. Im 3. Quartal 2001 habe sich die Personalkostenquote noch auf 53,6% belaufen. Die deutlichen Cost-Cuttuing-Maßnahmen schienen sich aber auch negativ auf die Erträge - sowohl nach Ertragsarten als auch nach Businesssegmenten - niederzuschlagen.

Gegenüber den Vergleichszeiträumen (3. Quartal 2001/2. Quartal 2002) hätten sich die Nettoerträge um 15,2% respektive 11,9% ermäßigt. Im Branchendurchschnitt seien die Erträge in den Beobachtungsperioden um 11,3% bzw. 12,1% gefallen. Obgleich den "League-Tablen" in diesen Zeiten keine allzu große Beachtung geschenkt werden sollte, habe Merrill Lynch bei einzelnen Ranglisten teilweise deutlich Federn lassen müssen. Neben dem Verlust der Spitzenposition im weltweiten Emissionsgeschäft (Debt & Equity) an Salomon Smith Barney sei Merrill - laut einer Analyse von Thomson Financial - bei den angekündigten M&A’s (01.01 bis 30.09.) von Platz drei auf sieben hinunter gereicht worden. Bei den abgeschlossenen (completed) Transaktionen habe der Broker in dem Beobachtungszeitraum den dritten Platz (Vorjahr: Rang 2) einnehmen können.

Innerhalb der Business-Segmente hätten sich die Nettoerträge bei Global Markets & Investmentbanking gegenüber dem Vorjahr um 16%, Private Clients (-13%) und bei ML Investment Management (-23%) ermäßigt. Besonders deutlich sei der Ertrags- und Gewinnrückgang im klassischen Investmentbanking ausgefallen. Während sich in diesem Bereich die Einnahmen um 42% ermäßigt hätten, seien die Erträge der Konkurrenz durchschnittlich um 30% zurückgegangen. Bedingt durch die flauen Kapitalmärkte seien die Erträge im Emissions- um 41% und im Beratungsgeschäft um 45% gegenüber dem Vorjahr zurückgefallen. Die Einnahmen im Eigenhandel hätten sich um 49% ermäßigt.

Trotz der Sparmaßnahmen liege die ausgewiesene Eigenkapitalrendite (ROE) auf annualisierter Basis mit 10,6% noch am unteren Ende der Peer-Group bei 10,4%. Während diese Kenziffer im Vergleich zum Vorjahr zumindest um 1,5%-Punkte habe gesteigert werden können, sei die Renditezahl aus dem 2. Quartal 2002 (13,2%) allerdings verfehlt worden. Vergleichbare Wettbewerber wie Salomon Smith Barney und Goldman Sachs kämen auf ROE’s von 19,4% respektive 15,1%. Darüber spreche einiges dafür, dass die Kostenstruktur angesichts des pessimistischen Ausblicks für das laufende Quartal noch nicht hinreichend den verringerten Kapazitäten angepasst sei. Mit Blick auf die gesunkene Guidance für das 4. Quartal habe das Management angedeutet, die langfristig anvisierte Vorsteuermarge von 24% für die Gesamtbank aller Voraussicht nach erst im kommenden Jahr erreichen zu können.

Trotz der unbefriedigenden Ertragslage sei unverkennbar, dass Merrill Lynch auf der Kostenseite in diesem Jahr spürbare Fortschritte erzielt habe. Ferner sei zu begrüßen, dass die Steigerung der Profitabilität künftig einen größeren Raum einnehmen werde als die Gewinnung von Marktanteilen. Ungeachtet dessen würden wegen der Exzesse aus dem Börsenboom weitere Klagen geschädigter Aktionärsgruppen drohen. Zudem seien weitere Rückstufungen der Bonität seitens der Ratingagenturen (S&P habe die Verbindlichkeiten auf "Negative Watch" gesetzt, Moody’s und Fitch auf "Negative") nicht auszuschließen. Angesichts der großen Abhängigkeit vom Vermögensverwaltungs- und Wertpapiergeschäft sei abzusehen, dass die Aktie erst bei einer nachhaltigen Erholung an den Aktienmärkten zu den Favoriten der Investoren gehören werde. Solange dies nicht erkennbar sei, dürfte sich das Papier eher unterdurchschnittlich entwickeln.

Daher bewerten die Analysten von Independent Financial Analyst die Aktie vom Merrill Lynch mit "underperform".



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