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Analysen - Marktberichte
05.07.2012
CEE trotzt den Turbulenzen in der Eurozone
Raiffeisen Bank International AG

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Wien (www.aktiencheck.de) - "Zentral- und Osteuropa (CEE) hat die Turbulenzen in der Eurozone bisher gut überstanden und sich erfreulich stabil entwickelt", analysiert Peter Brezinschek, Leiter von Raiffeisen Research, einer Einheit der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Für das Jahr 2012 erwarte der Raiffeisen-Chefanalyst, dass die CEE-Region gesamt ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 2,6 Prozent aufweisen werde - 2013 sollten es 3,2 Prozent sein. Verglichen mit der Eurozone ergebe sich ein großer Wachstumsunterschied: 2012 solle die Eurozone mit einem BIP-Rückgang von 0,3 Prozent schrumpfen und erst wieder 2013 mit einem Plus von 0,8 Prozent zum Wachstum zurückfinden.

Der sich schon in den vergangenen Quartalen abzeichnende Unterschied in den Wachstumsperspektiven der einzelnen CEE-Regionen setze sich laut Brezinschek auch in der zweiten Jahreshälfte 2012 kontinuierlich fort. "Die Wachstumsspitzenreiter bleiben Polen mit 2,8 Prozent und Russland mit 3,7 Prozent realem BIP-Wachstum. Aber auch die Slowakei und die Ukraine sollten mit jeweils über 2,5 Prozent an die erfreulichen Daten der letzten zwei Jahre anknüpfen können", so der Raiffeisen-Chefanalyst.

Weniger positiv stelle sich seiner Meinung nach dagegen weiterhin die Lage am Balkan dar, wobei Kroatien, Serbien und Bosnien und Herzegowina 2012 kein Wachstum aufweisen dürften. "Diese Region ist durch die Rezession in den Euro-Peripherie-Staaten am ehesten negativ tangiert. Im nächsten Jahr ist nur eine moderate Aufhellung der Konjunkturaussichten realistisch", erkläre Brezinschek.

Insgesamt werde sich innerhalb der CEE-Region die Gemeinschaft Unhabhängiger Staaten (GUS) mit einem BIP-Wachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2012 am besten entwickeln, gefolgt von Zentraleuropa (CE) mit 1,4 Prozent. Südosteuropa (SEE) werde mit 0,3 Prozent nur moderates Wachstum aufweisen.

Für Österreich hätten die Analysten von Raiffeisen Research ihre Jahresprognose 2012 aufgrund des überraschend starken ersten Quartals auf 0,7 Prozent erhöht. Für 2013 würden die Experten ein reales BIP-Wachstum von 1,3 Prozent erwarten.

Genauso unterschiedlich wie das Wachstum entwickle sich laut den Experten von Raiffeisen Research auch die Inflation in CEE. "Historisch niedrige Verbraucherpreise zeichnen sich in Russland, der Ukraine und in Rumänien ab, während in Ungarn der Trend nach oben gerichtet ist", erkläre Brezinschek, der außerdem mit Budgetsanierungen vor allem in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Ukraine rechne. Der Chefanalyst merke allerdings an, dass die Schuldenstände der CEE-Länder - Ungarn ausgenommen - markant unter dem Durchschnitt der Eurozone lägen. Sowohl 2012 als auch 2013 sei laut Brezinschek eine Reduzierung der Defizite geplant.

Die zunehmenden Sorgen in der Eurozone mit einem sich abschwächenden Euro hätten nach Ansicht von Raiffeisen Research bis zur Jahresmitte nicht zu neuerlichen Währungsturbulenzen geführt: Während der Polnische Zloty und der Ungarische Forint stark notieren würden, hätten sich der Russische Rubel, der Rumänische Leu und die Tschechische Krone abgeschwächt.

"In Reflexion der jeweiligen Geldpolitik und der Tatsache, dass ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nicht unmittelbar bevorsteht, sehen wir in der zweiten Jahreshälfte 2012 eine allgemeine moderate Stärkung der CEE-Währungen zum Euro. Ausnahme bleiben die Ukrainische Hryvna, der Serbische Dinar und der Ungarischer Forint", so Brezinschek, der Zinsermäßigungen seitens der Nationalbanken nur in der Tschechischen Republik und Russland erwarte.

Die osteuropäischen Anleihenmärkte würden aus Sicht von Raiffeisen Research im dritten Quartal von nur leichten Renditeanstiegen gekennzeichnet sein. "Nur in Ungarn sind entsprechend der schwächeren Währungstendenz größere Schwankungen in allen Laufzeiten möglich. Wir haben daher ungarische Lokalwährungsanleihen auf Verkauf gesetzt", so Brezinschek, der derzeit lediglich eine Kaufempfehlung für Polen abgeben möchte. Sobald russische Anleihen einen Renditeanstieg gegen die 9 Prozent verzeichnen würden, wären auch diese aus Brezinscheks Sicht wieder empfehlenswert.

Auf der Aktienseite sollte sich das Erholungspotenzial mit neuerlichen globalen Liquiditätsspritzen der Notenbanken auch in den CEE-Ländern entfalten. Brezinschek gebe daher für die erste Phase der Sommermonate eine Kaufempfehlung quer über die Region ab, wobei Wien, Budapest und Moskau seiner Meinung nach die höchsten Kurspotenziale aufweisen würden.

Für russische Aktien spreche, dass die Markterwartungen bezüglich des Gewinnwachstums nach oben revidiert würden, der Ölpreis im dritten Quartal wieder über die 100er USD-Marke klettern sollte und die fundamentale Bewertung als attraktiv einzustufen sei. Letzteres sei auch für den ungarischen Aktienindex BUX (ISIN XC0009655090/ WKN 965509) gültig, wobei der zweistellige Gewinnrückgang 2012 schon eingepreist sei. Entscheidender sei aber die neue politische Kompromissfähigkeit, die ein IWF-Übereinkommen im Spätsommer realistischer mache.

Obwohl der ATX (ISIN AT0000999982/ WKN 969191) den Großteil der zu Jahresbeginn gemachten Gewinne aufgrund der Schuldenkrise, die verstärkt auch in Österreich spürbar gewesen sei, wieder eingebüßt habe, habe sich der österreichische Aktienindex in Q2 etwas besser entwickelt als andere europäische Indices.

Im Allgemeinen sei die Berichtssaison in Q1 durchwegs robust ausgefallen, gerade in Österreich, wo einerseits Andritz (ISIN AT0000730007/ WKN 632305), OMV (ISIN AT0000743059/ WKN 874341), Telekom Austria (ISIN AT0000720008/ WKN 588811), SBO (ISIN AT0000946652/ WKN 907391) und die AMAG (ISIN AT00000AMAG3/ WKN A1JFYU) die Gewinnerwartungen der Raiffeisen Centrobank (RCB) sogar übertroffen hätten und andererseits STRABAG (ISIN AT000000STR1/ WKN A0M23V), Verbund (ISIN AT0000746409/ WKN 877738), Rosenbauer (ISIN AT0000922554/ WKN 892502) und Zumtobel (ISIN AT0000837307/ WKN A0JLPR) unter den Prognosen der RCB-Analysten gelegen hätten.

In Summe würden die Research-Experten eine Verlangsamung der Gewinnentwicklung in Q2 aufgrund schwächerer ökonomischer Impulse und niedrigerer Niveaus bei CEE-Währungen erwarten. Darüber hinaus seien die Q1-Ergebnisse einiger Index-Schwergewichte (z.B. Banken) durch positive Einmaleffekte erhöht worden. Um die Einmaleffekte bereinigt, würden die Analysten mit einem generellen Gewinnwachstum von ca. 9 Prozent für die ATX-Unternehmen rechnen. Das resultiere in einem geschätzten Kurs/Gewinnverhältnis von 9,5 für 2012 und auf Jahressicht in einem Kurs/Gewinnverhältnis von 8,8, welcher nach wie vor beträchtlich unterhalb des historischen Durchschnitts von 12 liege.

Basierend auf dem derzeitigen Preis/Buchwertverhältnis von 0,75 befinde sich der ATX nahe an seinem Tiefststand. Während für die Analysten der Raiffeisen Centrobank das historische Zehn-Jahres Preis/Buchwertverhältnis von 1,5 aufgrund höherer Kapitalanforderungen für Banken und einem niedrigeren Niveau von Fremdfinanzierung für Unternehmen außer Sichtweite sei, würden sie von einem Anstieg des Preis/Buchwertverhältnisses ausgehen, da kein drohendes Verwässerungsrisiko für die meisten Large Caps gesehen werde. Diese Ansicht werde untermauert, indem die erwartete Indexdividendenrendite von 4,3 Prozent im Kontext von 2,6 Prozent Rendite einer zehnjährigen Anleihe gesetzt werde.

"Analog zu den globalen Aktienmärkten erwarten wir keine kontinuierliche Index-Aufwertung, sondern gehen aufgrund der globalen Wachstumsängste und der von politischen Aktionen im Hinblick auf die Spannungen in der Eurozone angeheizten Marktstimmung von Rückschlägen aus. Dennoch sehen wir einen weiteren Aufschwung zwischen 8 und 12 Prozent für die Aktienmärkte in Österreich und CEE", erläutere RCB Chefanalyst Stefan Maxian.

Die RCB wende sich in Österreich zyklischeren Titeln zu und erwarte weiteren Aufwind für die Erste Group (ISIN AT0000652011/ WKN 909943), die auf einem tiefen Preis/Buchwertverhältnis gehandelt werde. Der RCB gefalle außerdem OMV, beflügelt durch das Ölpreis-Szenario der Analysten und erwarteten starken Q2-Zahlen. Auch SBO, Lenzing (ISIN AT0000644505/ WKN 852927) und RHI (ISIN AT0000676903/ WKN 874182) würden bei den Industrietiteln zu den Favoriten zählen.

Bei CEE-Aktien bevorzuge das Company Research der RCB Rosneft (ISIN US67812M2070/ WKN A0J3N5) als größten Ölproduzenten in Russland, nicht zuletzt auch aufgrund der positiven Auswirkungen der kürzlich durchgeführten Steuerreform. Außerdem zähle der polnische Energieversorger PGE (ISIN PLPGER000010/ WKN A0YC19) zu den Favoriten, der mit verbesserter Kostenbasis infolge der jüngsten Kraftwerksmodernisierung sowie der Gelegenheit auf eine Dividende in der Höhe von 8,8 Prozent im August punkte. Auch Cyfrowy Polsat gefalle den Analysten, nicht zuletzt aufgrund der anhaltend guten Ertragslage trotz des defensiven Unternehmens Set-up. (05.07.2012/ac/a/m)



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