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Analysen - Ausland
05.07.2012
Procter & Gamble-Aktie: Marktoffensive hat sich noch nicht ausbezahlt
Sarasin Research

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Zürich (www.aktiencheck.de) - Michael Romer, Analyst von Sarasin Research, stuft die Aktie von Procter & Gamble (ISIN US7427181091/ WKN 852062) weiterhin mit "neutral" ein.

Procter & Gamble (P&G), der weltweit größte Anbieter von Konsumprodukten im Haushalts- und Körperpflegebereich (Home Personal Care/HPC), müsse das soeben zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende Juni) auf Gewinnebene als wenig erfolgreich abhaken. Die 2010/11 bewusst angegangene Marktoffensive, Marktanteile über selektive Preisreduktion in bestimmten Segmenten zu gewinnen, habe sich bis dato nicht ausbezahlt. Im Gegenteil: Im Bereich Haushaltsprodukte und im Körperpflegebereich seien Marktanteile an Konkurrenten wie Henkel (ISIN DE0006048432/ WKN 604843) und Unilever (ISIN NL0000009355/ WKN A0JMZB) verloren gegangen. Das habe dazu geführt, dass die dem defensiven Basiskonsumgüter-Sektor zugehörigen Aktien über die letzten zwölf Monate den Vergleichsindex S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) um rund 5% unterschritten hätten. Obschon es P&G mit einem der breitesten Produktsortimente und seinen starken Marken gelingen sollte, wieder auf den historischen Gewinnwachstumspfad zu finden, stehe das Unternehmen kurzfristig vor einem erneuten Zwischenstopp.

Obschon das Unternehmen weitere große Akquisitionen nicht ausschließe - 2010 sei P&G an der deutschen Beiersdorf (ISIN DE0005200000/ WKN 520000) (Nivea) interessiert gewesen - besitze P&G erhebliches organisches Wachstumspotenzial. Bis 2016 wolle das Unternehmen rund 250 Produkte in Ländern einführen, in denen diese bislang noch nicht verkauft worden. Daneben verfüge P&G über erheblichen geografischen Expansionsspielraum. Die aufstrebenden Weltregionen hätten mit der Akquisition des Rasierartikel-Herstellers Gillette (2005) an Bedeutung gewonnen. Derzeit werde knapp USD 32 Mrd. oder 37% des Umsatzes in Schwellenländern erzielt, was etwa im Mittel der globalen Mitbewerber (30 bis 55%) liege. P&G erwarte jedoch, den Anteil innerhalb der nächsten zehn Jahre durch organisches Wachstum auf bis 50% zu steigern.

Insgesamt orte P&G in Ländern wie China, Indien und Indonesien ein Umsatzpotenzial von zusätzlichen bis zu USD 20 Mrd. bis Ende der Dekade (somit USD 100 Mrd. Umsatz), wenn diese Länder nur schon die Hälfte des Pro-Kopf-Konsums von beispielsweise Deutschland in den HPC-Segmenten erreichen würden. Insgesamt ziele P&G bis dahin darauf ab, die Anzahl der erreichten Kunden von 4,2 Mrd. auf über 5 Mrd. zu steigern.

Ende April 2012 habe P&G die Umsatz- und Gewinnentwicklung für das Geschäftsjahr GJ11/12 nach unten anpassen müssen. Das organische Umsatzwachstum sei von 4% bis 5% auf noch 4% reduziert worden. Damit seien die ursprünglichen Analystenerwartungen eines organischen Umsatzwachstums von 5% bis 6% (+3 bis 4% Volumen, +2% Preise) verfehlt worden (Vorjahr 4% bis 6%). Der Gewinn pro Aktie (GpA) wiederum sei mit USD 3,82 bis USD 3,88 veranschlagt worden, was zu diesem Zeitpunkt die Markterwartung um 4% unterschossen habe. Mitte Juni 2012 schließlich sei für das neue GJ12/13 noch ein organisches Umsatzplus von 2% bis 4% in Aussicht gestellt worden.

Anstelle einer weiteren Expansion in den Schwellenländern wolle sich P&G im GJ12/13 kurzfristig stärker auf die Stabilisierung seiner größten und profitabelsten Geschäftsfelder konzentrieren. Dabei würden die Investitionen auf die 40 größten Geschäftsfelder gelegt, die sich hauptsächlich in den USA und China befinden würden. Zu diesen würden beispielsweise die drei Kernbereiche Rasierklingen, Wäsche und Windeln in den USA gehören. Die 40 Segmente würden insgesamt mehr als 50% des Konzernumsatzes bzw. 70% des Gewinns von P&G ausmachen.

Für das GJ12/13 schätze P&G den bereinigten GpA gegenüber dem Vorjahr insgesamt im mittleren einstelligen Prozentbereich auf USD 3,78 bis USD 4,01 zu steigern. Rund vier Prozentpunkte Wachstum würden aufgrund der negativen Währungsentwicklungen (starker USD) verloren gehen. Der Mittelwert der Unternehmensprognose liege in etwa gleichauf mit der Konsensuserwartung (USD 3,90).

Der Raum für positive Überraschungen im laufenden Fiskaljahr dürfte limitiert sein. Das liege u.a. daran, dass P&Gs Produktportfolio tendenziell im höheren preislichen Bereich angesiedelt sei und eine höhere Nachfrageelastizität aufweise. P&G werde für dieses Jahr einen Teil der Anfang des GJ10/11 initiierten Preisreduktionen wieder rückgängig machen. Dies werde nicht ohne Wirkung auf das Absatzvolumen sein. Darüber hinaus erwarte der Markt für das GJ13/14 unverändert ein substanzielles Gewinnwachstum von beinahe 10%.

Längerfristig bestehe für den knapp USD 180 Mrd. kapitalisierten Konsumgüterkonzern erheblicher Spielraum für Kostensenkungen und Effizienzgewinne, was die Unsicherheiten über die Gewinnentwicklung etwas lindere. Das Unternehmen verfolge bis ins GJ15/16 das Ziel, die gegenwärtig 300 globalen Fertigungsstätten zu halbieren. Darüber hinaus solle die hohe Anzahl von 75.000 Zulieferern auf rund 50.000 reduziert werden. Dies solle die Gestehungskosten der verkauften Güter um rund USD 6 Mrd. reduzieren. Des Weiteren sollten Reduktionen der Administrativaufwendungen von rund USD 3 Mrd. und ein effizienterer Marketingeinsatz rund USD 1 Mrd. an Einsparungen bringen. Insgesamt solle gemäß Mittelfristplan insgesamt Einsparungen im Umfang von USD 10 Mrd. ermöglichen.

Mit einem 15x P/E 2013E seien die Aktien P&G im historischen Vergleich tief bewertet. Mit dem seit 2010 unveränderten absoluten P/E hätten die Aktien in den letzten zwei Jahren jedoch gegenüber dem Gesamtmarkt wieder eine Prämie von rund 30% aufgebaut. Im Vergleich zu den direkten Konkurrenten bestehe ein minimaler Bewertungsabschlag. Die Analysten würden dies indes als gerechtfertigt erachten, da das vorhandene und adressierte Wachstumspotenzial, speziell in den Schwellenländern, wo P&G im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten untervertreten sei, frühestens in mittlerer Frist in Erscheinung treten werde. Die gegenwärtigen Gewinnerwartungen würden nach Ansicht der Analysten tendenziell weiterhin größeres Enttäuschungs- als Überraschungspotenzial bergen, weshalb die Bewertung auf Basis der Markterwartungen nicht so attraktiv sei wie sie ausschaut.

Insgesamt preise die gegenwärtige Bewertung bereits eine Vielzahl der Risiken für P&G wie etwa ein länger stagnierendes Wirtschaftswachstum in den heute wichtigen Absatzmärkten USA/Europa bzw. ein Abflachen des hoch einstelligen Wachstums in den Schwellenländer und ein gegenüber den anderen Weltwährungen wieder erstarkter USD ein.

Mangels positiven fundamentalen Kurskatalysatoren in 2012/13 stufen die Analysten von Sarasin Research die Aktie von Procter & Gamble nach wie vor mit "neutral" ein. (Analyse vom 04.07.2012) (05.07.2012/ac/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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