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Analysen - Ausland
26.06.2012
Allstate-Aktie: mit Schwung ins Jahr 2012
Sarasin Research

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Zürich (www.aktiencheck.de) - Martin Schwab, Analyst von Sarasin Research, stuft die Aktie von Allstate (ISIN US0200021014/ WKN 886429) weiterhin mit dem Rating "buy" ein.

Mit einem Prämienvolumen von knapp USD 26 Mrd. (2011) sei Allstate Corporation (Allstate) einer der größten Anbieterinnen von Privatversicherungen in den USA. Die größtenteils im Sach- und Unfallversicherungsgeschäft tätige Allstate sei wie die gesamte US-Versicherungsindustrie im zweiten Quartal 2011 von außergewöhnlich hohen Schadenfällen betroffen gewesen. Insbesondere die Tornados im April und Mai hätten für hohe versicherte Schäden von mehr als USD 10 Mrd. gesorgt. Insgesamt 33 als Katastrophen taxierte Vorfälle (Tornados, Wind- und Hagelstürme sowie Brände) hätten zu Belastungen von USD 2.3 Mrd. geführt, was die mittlere Schadenbelastung von USD 300 bis 600 Mio. p.a. um ein Vielfaches überstiegen habe.

Aufgrund operativer Verbesserungen (eine um 1,8% optimierte Schaden- und Kostenquote) und Reservenauflösungen aus den Vorjahren, habe Allstate ein starkes 1Q 12-Ergebnis ausweisen können. Der operative Gewinn sei im Jahresvergleich um 43,7%, der Buchwert pro Aktie um 8% - oder um immer noch respektable 6,6% zum Vorquartal - gestiegen.

Hohe Schadenbelastungen, Führungswechsel in wichtigen Geschäftseinheiten, operative Unstimmigkeiten und entsprechend schwache Margen sowie generelle Befürchtungen einer konjunkturellen Abkühlung hätten 2011 zu einem markanten Kurseinbruch von USD 34,31 (3. Mai 2011) auf USD 22,77 (23. September 2011) geführt. Seither habe sich der Kurs wieder gut erholt, was der Beurteilung der Analysten zufolge dem wieder gewonnenen Fokus auf die Profitabilität zugeschrieben werden könne (Ziel 2014: operativer ROE von 13%). Obwohl die tiefen Zinsen anlageseitig weiterhin belastend wirken würden, seien die operativen Verbesserungen im Homeowners-Segment und die stabilisierte Profitabilität im Auto-Bereich im Markt gut aufgenommen worden.

Allstate operiere praktisch ausschließlich in Nordamerika (97% der Gesamtprämien), einem gesättigten und kompetitiven Versicherungsmarkt. Aufgrund des günstigen Preismomentums (vor allem im Gebäudeversicherungsgeschäft; nach einer langen Phase sinkender Preise) sowie höherer BIP-Wachstumsaussichten sei der US-Markt aktuell attraktiver als bspw. der europäische, welcher gesamthaft aufgrund der Schuldenkrise sogar schrumpfen dürfte. Die Anpassung des geografischen Fokus (teilweiser Rückzug aus stark gefährdeten Gebieten in Küstennähe) und die durchgesetzten Preiserhöhungen hätten zu einer Risikoreduktion geführt. Einerseits hätten diese Maßnahmen zwar zu gewissen Marktanteilsverlusten (vor allem ggü. Geico und Progressive (ISIN US7433151039/ WKN 865496)) geführt, gleichzeitig hätten so aber auch die operativen Margen erhöht werden können.

Zudem habe sich Allstate durch die Akquisition von Esurance im 2Q 11 mit dem Onlinevertrieb ein neuer Absatzkanal eröffnet, womit sich die Kundenbasis in Zukunft ausbauen lasse. Während im Privatversicherungsbereich traditionell mit Agenten (unabhängige oder firmeneigene) gearbeitet worden sei, sei der Anteil von Versicherungsverkäufen übers Internet oder durch Call Center substanziell gewachsen. Die unterschiedlichen Verkaufsformen würden in der Regel auch eine unterschiedliche Klientel ansprechen (mit/ohne Beratung, Preissensitivität, etc.), weshalb heutzutage die Mehrheit der Versicherer einen Multi-Channel-Approach verfolge. (d. h. Absatz erfolge über mehrere Distributionskanäle), so auch Allstate.

Die durchgesetzten Preiserhöhungen in der Sparte Homeowners (Gebäudeversicherung) werde das Resultat in den kommenden zwölf bis 18 Monaten positiv beeinflussen. Die Umsetzung eines disziplinierten, risikoadäquaten Underwritings (Risikoübernahme) werde in den kommenden Jahren zu strukturell tieferen Schaden- und Kostenquoten führen. Dies gelte auch für den Auto-Bereich. Die Schadenquoten der Konkurrenz seien im 1Q 12 praktisch durchgehend höher gewesen. Der Grund sei auch hier in der restriktiveren Risikoübernahme zu suchen, während die direkten Mitbewerber das Prämienwachstum in den Vordergrund gestellt hätten - auf Kosten der Profitabilität. Nachdem die Profitabilität im wichtigen Autogeschäft habe stabilisiert werden können, werde sich die Geschäftsleitung in Zukunft wieder vermehrt mit der Expansion des Geschäfts auseinandersetzen müssen. Die Akquisition von Esurance sei ein Schritt in diese Richtung gewesen.

Allstate habe in der Vergangenheit viel Überschusskapital erwirtschaftet, welches sie den Aktionären entweder in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen habe zukommen lassen. In den Jahren 2010 und 2011 habe Allstate ein Aktienrückkaufprogramm über USD 1,0 Mrd. durchgeführt. Im 1Q 12 seien bereits wieder Aktien im Gegenwert von USD 300 Mio. zurückgekauft worden, was üblicherweise aufgrund der Gewinnverdichtung den Aktienkurs stütze - sofern die betreffende Gesellschaft weiterhin über eine solide Kapitalisierung verfüge und profitabel arbeite, was bei Allstate der Fall sei. Der Buchwert (pro Aktie) des Eigenkapitals habe sich im ersten Quartal um 6,6% erhöht. Die Gewinnausschüttung sei (das zweite Mal seit 2008) von USD 0,84 (2010) auf USD 0,88 (2011; +4,8%) erhöht worden. Die Dividendenrendite (2012E) liege mit 2,5% exakt im Sektordurchschnitt (US-Versicherer).

Der wichtigste Bewertungsparameter für Versicherer sei das Kurs/Buchwert-Verhältnis (P/B). Die Allstate-Aktien seien in den letzten Jahren durchschnittlich zu einem P/B von 1,14x gehandelt worden.

Der unsichere Wirtschaftsausblick sowie tiefere Anlagerenditen würden das tiefe Verhältnis von 0,8x nur teilweise rechtfertigen. Der Sektor werde aktuell mit einem P/B von 0,9x bewertet. Auch Allstate's Kurs/Gewinn-Verhältnis liege unter dem Sektordurchschnitt, trotz einer erwarteten überdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass Allstate in den kommenden Jahren eine Rendite auf dem Eigenkapital erwirtschafte, welche zumindest die Kapitalkosten decke. Basierend darauf würden sie erwarten, dass die Allstate-Aktien mittelfristig wieder zu einem P/B-Verhältnis von über 1,0x gehandelt würden. Vor diesem Hintergrund würden sie Allstate weiterhin als attraktiv bewertet erachten.

Die um Katastrophenschäden bereinigte Performance habe gezeigt, dass Allstate die Trendwende hin zu einer höheren Profitabilität geschafft habe. Die angesprochenen Hauptrisiken (hohe Schäden aus Katastrophen im Homeowners-Bereich, tiefes Zinsumfeld, mögliche fortschreitende Marktanteilsverluste im Autoversicherungs-Bereich) seien aufgrund der immer noch tiefen Bewertung mehr als eskomptiert. Darüber hinaus halte Allstate - im Unterschied zu den meisten in Europa tätigen Versicherungsunternehmen - keine relevanten Positionen in PIIGS-Staatsanleihen. Auch sei das verbesserte Wachstumsprofil von Allstate noch nicht angemessen eingepreist, womit die Aktien (trotz kürzlich starker Kurssteigerungen) weiterhin über erhebliches Potenzial verfügen würden.

Aufgrund der soliden Kapitalausstattung und dem von den Finanzmärkten unabhängigen Versicherungszyklus habe Allstate zudem gewisse defensive Qualitäten - auch wenn hierbei der anlageseitige Einfluss der Finanzmärkte natürlich nicht außer Acht gelassen werden dürfe.

Die Analysten von Sarasin Research empfehlen die Allstate-Aktien weiterhin zum Kauf. (Analyse vom 25.06.2012) (26.06.2012/ac/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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