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Analysen - DAX 100
21.06.2012
DEUTZ-Aktie: Ergebnisentwicklung im ersten Quartal von Sonderfaktoren geprägt
National-Bank AG

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Essen (www.aktiencheck.de) - Manfred Jaisfeld, Analyst der National-Bank AG, bewertet die Aktie von DEUTZ (ISIN DE0006305006/ WKN 630500) in einer Ersteinschätzung mit dem Votum "kaufen".

Am 10. Mai habe der Konzern den Bericht zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012 veröffentlicht. Der Auftragseingang habe dabei mit 390,0 Mio. EUR zwar das vergleichsweise starke Niveau des Vorjahreszeitraums von 408,5 Mio. EUR um 4,5% verfehlt, allerdings errechne sich gegenüber dem Schlussquartal 2011 ein deutlicher Anstieg um 26,0%

Der Auftragsbestand sei folglich binnen Quartalsfrist ebenfalls kräftig um 21,4% auf nunmehr 280,5 Mio. EUR gestiegen. Der Absatz sei mit 46.461 Einheiten und einem Minus von 4,0% gegenüber dem Vorjahresquartal leicht rückläufig gewesen. Höhere Beiträge der neuen, dem US-amerikanischen Abgasstandard Tier 4 genügenden Motoren hätten jedoch für eine Kompensation der geringeren Stückzahlen gesorgt und zu einem geringfügigen Umsatzplus von 0,3% auf 336,9 Mio. EUR geführt.

Ergebnisseitig seien die Quartalszahlen von zahlreichen belastenden Sonderfaktoren bestimmt gewesen, die als hauptursächlich für den Einbruch des EBIT von 18,2 Mio. EUR auf nur noch 10,3 Mio. EUR anzusehen seien. Bereinigt um die Sonderpositionen habe Konzernangaben zufolge das Ergebnis des relativ starken Vorjahresquartals ungefähr erreicht werden können.

Als temporäre Belastungsfaktoren seien insbesondere umfangreiche Wartungsarbeiten in der Produktion zu nennen, die mit der Umstellung auf die neue Motorengeneration einhergegangen seien. DEUTZ beziffere die Aufwendungen diesbezüglich mit 2 bis 3 Mio. EUR. Zusätzlich hätten die Anlaufkosten der neuen Tier 4-Motoren in ähnlicher Größenordnung belastet.

Ferner würden ein schwächeres Chinageschäft sowie Kosten im Zusammenhang mit strategischen Projekten (Joint Venture in China, Kooperation mit Volvo) angeführt, woraus ein negativer Ergebniseffekt von rund 3 Mio. EUR resultiert habe. Die Region Asien/ Pazifik bleibe mit einem Umsatzanstieg von 19,2% auf 34,1 Mio. EUR analog zur Entwicklung im Gesamtjahr 2011 dennoch zusammen mit der Region Amerika (+31,9% auf 52,5 Mio. EUR) der Wachstumsmotor des Konzerns. Mit Blick auf die Anwendungsbereiche habe ebenfalls wie im Vorjahr das wichtigste Segment Mobile Arbeitsmaschinen mit einem Anstieg um 6,2% auf 121,5 Mio. EUR die stärksten Impulse geliefert.

Wie angeführt habe das schwache EBIT im ersten Quartal aus einer Reihe von Sonderfaktoren resultiert und könne daher nicht als repräsentativ für das Gesamtjahr angesehen werden. Lediglich die Kosten für strategische Projekte dürften noch das Gesamtjahr beeinflussen. Auch habe DEUTZ bereits innerhalb des Quartals eine monatsweise Verbesserung erkennen können, sodass für das laufende zweite Quartal von einer weiteren Normalisierung der Ertragslage auszugehen sei.

Der Auftragseingang werde auf dem Niveau des Vorjahresquartals und damit in einer gegenüber den ersten drei Monaten 2012 unveränderten Größenordnung von rund 390 Mio. EUR gesehen. Den Ausblick für das Gesamtjahr habe DEUTZ im Rahmen des Quartalsberichts bestätigt. Danach würden 2012 u. a. ein Umsatzniveau von rund 1,5 Mrd. EUR sowie eine EBIT-Marge in Höhe von etwa 6,0% erwartet.

Für 2013 würden die Planungen derzeit einen prozentual zweistelligen Umsatzzuwachs sowie eine Marge zwischen 6,0% und 7,0% vorsehen. Die Analysten würden in ihrem Modell derzeit ein leichtes Umsatzplus im laufenden Jahr von 0,7% auf 1,540 Mrd. EUR unterstellen, das im nächsten Jahr einen Schub infolge der neuen Motorengeneration sowie der eingeleiteten Kooperationsmaßnahmen erfahren dürfte.

Aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten, die insbesondere für die wichtigen europäischen Auslandsmärkte bestehen würden, seien die Analysten mit einem unterstellten Anstieg von 8,7% auf 1,674 Mrd. EUR jedoch etwas vorsichtiger als das DEUTZ-Management. Auch die vom Unternehmen unterstellte Erholung des China-Geschäfts ab der zweiten Jahreshälfte stelle in den Augen der Analysten noch einen Risikofaktor dar.

Für die EBIT-Marge würden die Analysten derzeit recht konservativ mit einem Wert von 5,5% für 2012 sowie 5,8% für 2013 rechnen, wobei die Steigerung vor allem aus einem deutlichen Rückgang der Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie einer verbesserten Effizienz resultiere. Durch die im Rahmen des Programms MOVE bereits erzielte nachhaltige Kosteneinsparung in Höhe von 85 Mio. EUR habe die Gewinnschwelle bezüglich des Absatzvolumens signifikant reduziert werden können.

Mit der neuen Motorengeneration sei die Zahl der Plattformen von zuvor sieben auf nunmehr fünf reduziert worden. Differenzierungen der Motoren würden zunehmend über die elektronische Steuerung vorgenommen, was ebenfalls zu einer deutlich erhöhten Anzahl an Gleichteilen führe.

Mittelfristig gebe DEUTZ eine Zielgröße für die EBIT-Marge von 10% vor, wobei vor allem ein Wegfall der Anlaufkosten neuer strategischer Joint Ventures nach 2013 einen neuerlichen Schub bringen dürfte. Trotz eines unterstellten weiteren Anstiegs würden die Analysten im Rahmen ihres fünfjährigen Detailprognosezeitraums jedoch noch nicht von einem Erreichen der 10%-Marke ausgehen.

Aufgrund der starken Konjunkturabhängigkeit des Motorengeschäfts schwanke der Kurs der DEUTZ-Aktie regelmäßig überdurchschnittlich heftig zwischen den einzelnen Phasen der Konjunkturzyklen. So habe beispielsweise der Nachfrage-Einbruch im Rezessionsjahr 2009 bereits in den beiden Vorjahren für eine andauernde Talfahrt der Aktie von etwa 12 EUR auf weniger als 2 EUR gesorgt. Im Umkehrschluss würden Investoren jedoch auch in Aufschwungphasen überdurchschnittlich entlohnt, wie die anschließende Kurserholung bis Mitte 2011 auf über 7 EUR beweise.

Wie viele zyklische Titel, durchlebe auch die DEUTZ-Aktie im laufenden Jahr bislang ein Auf und Ab, wobei aktuell eine eher pessimistische Stimmungslage vorherrsche. Die Analysten würden dagegen eine bislang noch recht stabile Geschäftslage für DEUTZ sehen, wobei der Konzern in den kommenden Jahren zudem von den Erfolgen der jüngsten Produkteinführung sowie den laufenden Restrukturierungen profitieren dürfte.

Die Bewertungsmodelle der Analysten würden folgerichtig das Bild einer Unterbewertung der DEUTZ-Aktie bestätigen. So würden die Analysten auf Basis der statischen Multiplikatoranalyse einen fairen Wert des Eigenkapitals von 6,52 EUR je Aktie errechnen. Die dynamischen Modelle DCF und EVA würden einen gerechtfertigten Barwert in Höhe von 5,14 EUR respektive 4,64 EUR je Aktie liefern.

In der Summe würden die Analysten ein Niveau von 5,50 EUR als realistisches Kursziel ansehen, woraus sich ein Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau von rund 31% ableite. Insgesamt würden die Analysten sowohl ihre Schätzungen als auch die verwandten Modellparameter inklusive der vorgenommenen Bewertungsabschläge für sehr konservativ halten.

Da sich dennoch ein deutliches Potenzial im Vergleich zum momentanen Börsenkurs ergibt, starten die Analysten der National-Bank AG die Beobachtung der DEUTZ-Aktie mit dem Anlageurteil "kaufen". (Analyse vom 21.06.2012) (21.06.2012/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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