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Analysen - Marktberichte
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25.05.2012
Wer zerschlägt den gordischen Knoten?
WGZ BANK
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www.optionsscheinecheck.de
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Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Die Bewegungen der Aktienmärkte in der Berichtswoche waren wiederum ein Spiegelbild der täglichen Wasserstandsmeldungen zur Schuldensituation einzelner südeuropäischer Länder, so die Analysten der WGZ BANK.
Gleichzeitig habe der Wirbel um den eher missglückten Börsengang von Facebook (ISIN US30303M1027/ WKN A1JWVX) - zweistellige Kursverluste für Erstzeichner, möglicher Informationsvorsprung für ausgewählte Investoren, Probleme mit der Kursfeststellung - die Börsenmedien beherrscht. Letztendlich hätten sich die von den Analysten beobachteten Aktienindices leicht behauptet bis fest präsentiert, DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) +0,11%, EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814) +0,45% und S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) +1,21%.
Aussagekräftiger seien die Bewegungen am Renten-, Devisen- und Rohstoffmarkt gewesen. Der Bund habe erstmals eine Anleihe mit einem Zins von Null Prozent begeben (Rendite 0,07%), die Flucht in Bundespapiere sei durch anschwellende Diskussionen um einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum nochmals verstärkt worden. Bemerkenswerterweise halte die Bundesbank in ihrem neuesten Monatsbericht den hellenischen Kollaps für beherrschbar.
Gleichzeitig habe sich der Euro zum USD nochmals 1,31% schwächer präsentiert (1,2532), zudem sei die Schwäche des Rohöls (-0,87% auf 106,55 USD/bbl) Ausdruck für wachsende Konjunktursorgen. Gestern veröffentlichte Einkaufsmanagerindices des Verarbeitenden Gewerbes seien durch die Bank schwach gewesen (Deutschland 45 Punkte, Frankreich 44,4 Punkte), und auch der deutsche ifo-Geschäftklimaindex habe 3 Punkte schwächer bei 106,9 Zählern notiert, wobei beide Teilkomponenten rückläufig gewesen seien.
Anfang Juni (05.06.2012) sei der nächste Termin für die planmäßige Überprüfung der Aktienindices der Deutschen Börse. Für den DAX würden die Analysten jetzt im Juni keine Veränderung erwarten, doch spätestens im September könnte eine Neubesetzung notwendig sein. Die freefloat gewichtete Marktkapitalisierung von METRO (ISIN DE0007257503/ WKN 725750) und MAN (ISIN DE0005937007/ WKN 593700) (beide aktuell ca. Rang 35) sollten ausreichend sein um die Aufstiegsaspiranten Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) und LANXESS (ISIN DE0005470405/ WKN 547040) (beide aktuell ca. Rang kleiner 30) gemäß außerordentlicher Anpassungsregeln (Fast Exit sowie Fast Entry Regel) abzuwehren.
Im Rahmen der ordentlichen Anpassung im September dürften METRO und MAN nach jetziger Sachlage in den MDAX (ISIN DE0008467416/ WKN 846741) absteigen. Allerdings komme mit dem möglichen IPO von Evonik ein zusätzlicher Wert an die Börse, der in den DAX drängen dürfte. Bei der quartalsweisen Überprüfung des marktbreiten STOXX (Europe) 600 seien mit HUGO BOSS (ISIN DE0005245500/ WKN 524550), freenet (ISIN DE000A0Z2ZZ5/ WKN A0Z2ZZ), LEONI (ISIN DE0005408884/ WKN 540888) und GSW Immobilien (ISIN DE000GSW1111/ WKN GSW111) vier weitere deutsche Werte aufgenommen worden, die Umsetzung erfolge hier am 18. Juni.
Die politische Lage bleibe undurchsichtig, zu vielfältig seien die nationalen Interessen (Eurobonds), zudem scheine die Hoffnung auf ein konjunkturell besseres zweites Halbjahr nach vorliegenden Daten zu schwinden. Die Stimmung am Aktienmarkt sei momentan von großer Unsicherheit geprägt. Einzelne Unternehmen würden kursbeeinflussende Schlagzeilen produzieren, hier seien unter anderem Übernahmen (SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460)/Ariba (ISIN US04033V2034/ WKN A0B6Z7)) oder beabsichtigte Börsengänge (Evonik) sowie weitreichende Restrukturierungsmaßnahmen (Hewlett-Packard (ISIN US4282361033/ WKN 851301)) anzuführen.
Doch die entscheidenden Fragen der Eurozone, Wahl in Griechenland (17.06), möglicher Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, Verabschiedung ESM und Fiskalpakt in Deutschland (spätestens 29.06.), Parlamentswahl in Frankreich (Mitte Juni), Umsetzung Haushaltskonsolidierung bei gleichzeitiger Wachstumsstimulierung würden die Nervosität der Anleger befördern. Die Risikoaversion steige und Investoren würden sogar negative Realrenditen des Portfolios akzeptieren, solange nur keine nominalen Verluste sichtbar seien. Daher sollten die Märkte auf absehbare Zeit, teilweise unter großer Volatilität, seitwärts tendieren. Der DAX suche noch immer seinen Boden, eine Bewegungsspanne von 6.000 bis 7.000 sei vielleicht schon knapp bemessen. (25.05.2012/ac/a/m)
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