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Analysen - DAX 100
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28.05.2012
SAP-Aktie: SAP kauft mit Ariba den zweitgrößten Cloud-Anbieter
Heibel-Ticker
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www.optionsscheinecheck.de
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Berlin (www.aktiencheck.de) - Die Experten von "Heibel-Ticker" suchen bei der Aktie von SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460) nach einem passenden Kaufniveau.
Ariba (ISIN US04033V2034/ WKN A0B6Z7) würden sicherlich nur die alten Hasen unter den Anlegern kennen: Zu Zeiten der Internetblase sei plötzlich eine Online-Handelsplattform gestartet, die Beschaffungsprozesse für große Unternehmen zu organisieren versprochen habe.
Ariba ermögliche es Chefeinkäufern und Lieferanten, über ein komfortables, internetbasiertes System zusammenzukommen. Angebot und Nachfrage würden in das Ariba-System eingegeben und dort dann zusammengeführt.
Natürlich habe es damals unzählige Analysten gegeben, die durch Ariba das Ende von SAP kommen gesehen hätten. Das sei natürlich Quatsch gewesen, es zeige auf der einen Seite die Ahnungslosigkeit mancher Analysten über Unternehmenssoftware und auf der anderen Seite die Komplexität der Unternehmens-EDV.
So haben die Experten von "Heibel-Ticker" lange Zeit grübeln müssen bis sie die Aussagen des Chefs von Salesforce.com (ISIN US79466L3024/ WKN A0B87V) verstanden haben. CEO Marc Benioff habe immer wieder davon gesprochen, wie er SAP Kunden klaue. Das möge stimmen, doch nur für einen kleinen Teil der SAP-Unternehmenssoftware: das Marketing. SAP sei noch nie ein Spezialist für Marketing-Software gewesen, und so sei es keine besonders überraschende Aussage, dass Salesforce.com, die sich ohne Berücksichtigung der Personalbuchhaltung, der Produktionsplanung und -steuerung, der Kostenrechnung und Bilanzierung bis hin zur Konzernkonsolidierung eben auf die Abbildung von Marketingaktionen spezialisiert hätten, in diesem Mikrokosmos bessere Lösungen bieten würden.
Ariba sei vom ersten Tag an eng an SAP angebunden worden. Bestellanforderungen würden aus dem SAP-System angestoßen und in das System von Ariba übergeben. Dieser Teil der Beschaffungslogistik habe herzlich wenig mit den Marketingaktionen von Salesforce.com zu tun, aber dennoch werde die Übernahme von Ariba als Kauf des zweitgrößten Cloud-Unternehmens der Welt verkauft. Warum auch nicht, Analysten würden somit auf diese Übernahme aufspringen und mit viel Fantasie die rosigen Aussichten aufzeigen.
Erst zum Jahresbeginn habe SAP SuccessFactors gekauft, ein Unternehmen, das die Mitarbeiterbeurteilung über eine internetbasierte Software anbiete. Internetbasiert? Software-as-a-service? Aha, Cloud! So würden diese Akquisitionen als konsequenter Ausbau der Cloud-Aktivitäten von SAP betrachtet.
In den Augen der Experten gehe SAP unbeirrt seinen Weg: Die starke Unternehmenssoftware, die weltweit führend sei, werde immer wieder um einzelne Komponenten ergänzt, wenn sich eine Gelegenheit ergebe.
Natürlich sei SAP schon seit den neunziger Jahren bestrebt, die gesamte Programmlogik für seine Kunden zu verwalten. Und die Architektur der Software ermögliche es SAP schon seit langem, Kunden auf die eigenen Server zu holen und das gesamte Softwaremanagement im eigenen Hause, also aus Kundensicht extern, anzubieten. Wenn SAP diese eigenen Rechenzentren nun noch ein wenig über die Welt verstreue, könne bald ein Großteil des Umsatzes als "cloud-basiert" deklariert werden.
In den Augen der Experten sei SAP nach wie vor günstig bewertet. Das KGV 2012e liege bei 15, während der Umsatz mit 10% wachse. Es werde ein wenig Dividende ausgezahlt (1,7%), und in der Bilanz würden reichlich Barreserven liegen (Nettoliquidität von 1,2 Mrd. EUR, die würden bei der Übernahme nun draufgehen zzgls. eines Kredits, denn Ariba koste 4,3 Mrd. Euro). Die Übernahme werde mit dem freien Cashflow schon in zwei Jahren abgezahlt sein.
Die Aktie von SAP habe zunächst negativ auf die Übernahme reagiert, denn das Unternehmen werde einen Teil der Kosten finanzieren müssen. Doch die Experten würden schon lange auf einen Rücksetzer bei SAP warten, um die Aktie vielleicht in ihr langfristiges Portfolio holen zu können. Als Denkanstoß hätten sie sich 45 Euro notiert, ein Kursniveau, von dem sie nun nur noch wenige Cent entfernt seien.
Natürlich müsse man SAP zu gegebener Zeit, also beim eventuellen Unterschreiten der 45 Euro, nochmals genauer unter die Lupe nehmen.
Derzeit sehe es so aus, als sei die Übernahme für den jüngsten Kursrutsch verantwortlich. Doch eine anhaltend schwache Konjunktur würde bei vielen Unternehmen zunächst einmal zu Investitionsstops bei neuen Projekten führen, was SAP stets in besonderem Maße treffe.
Die SAP-Aktie gefällt den Experten von "Heibel-Ticker" also langfristig überaus gut. Doch die Suche nach einem passenden Kaufniveau sei noch nicht abgeschlossen. (Ausgabe 21 vom 25.05.2012) (28.05.2012/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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