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Analysen - Marktberichte
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24.05.2012
Auslandsaktien: Facebook-Flop hat Nachspiel
Deutsche Börse AG
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www.optionsscheinecheck.de
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Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Trotz zwischenzeitlicher Erholungsversuche: Ruhigen Pfingstfeiertagen sehen Börsianer nicht entgegen, so die Deutsche Börse AG.
"Die politische Lage spitzt sich immer weiter zu", meine Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Es sei kein Geheimnis mehr, dass an Notfallplänen für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone gearbeitet werde. Dass mit einem solchen Schritt an den Märkten Chaos ausbrechen werde, glaube er nicht: "Das ist bereits vorweggenommen." Trete Griechenlands tatsächlich aus dem gemeinsamen Währungsraum aus, könne es vielmehr eine Erleichterungsrally geben. "Danach kommen aber wohl die Probleme der anderen Länder wieder auf den Tisch."
In den USA habe darüber hinaus der Quartalsbericht von Dell (ISIN US24702R1014/ WKN 121092) die Stimmung getrübt. "Die Zahlen zeigen, dass die Wachstumsbegeisterung in der Technologiebranche überzogen ist." Nicht zuletzt verheiße auch das charttechnische Bild nichts Gutes: "Der S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) ist technisch angeschlagen."
Daneben sei der missglückte Börsengang von Facebook (ISIN US30303M1027/ WKN A1JWVX) nach wie vor Thema. Der Ausgabepreis am vergangenen Freitag habe bei 38 USD gelegen, in dieser Woche sei der Kurs auf rund 32 USD abgerutscht. Mittlerweile seien zahlreiche Klagen eingereicht worden: gegen Facebook selbst, gegen die Technologiebörse NASDAQ, bei der es am ersten Handelstag einige Pannen gegeben habe, und gegen die Konsortialbank Morgan Stanley (ISIN US6174464486/ WKN 885836). "Jetzt werden Schuldige gesucht", kommentiere Vorhauser. "Dabei war einfach zu viel Euphorie im Markt."
"Es ist immer schwierig, die Balance zwischen den Interessen des Unternehmens und denen der Investoren zu finden", meine Jan Vrbsky von der Baader Bank. "Das ist hier offenbar nicht gelungen." Dass Analysten von Morgan Stanley kurz vor dem Börsengang ihre Prognosen für die Geschäftsentwicklung von Facebook zurückgenommen hätten, sei zudem nicht gut angekommen. "Alle, die in der Hoffnung auf Kursgewinne gekauft haben, sind schnell wieder ausgestiegen." Vrbsky zufolge werde sich der Kurs nun wahrscheinlich bei 31 bis 32 USD einpendeln, in der Mitte der ersten Preisspanne von 28 bis 35 USD. Der Wechsel an eine andere Börse, über den jetzt spekuliert werde, werde daran nichts ändern: "Das hat auf den Kurs keine Auswirkungen."
Die am Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen des PC-Herstellers Dell seien Vorhauser zufolge "ganz schön enttäuschend" gewesen. "Der Gewinn für das Anfang Mai zu Ende gegangene Geschäftsquartal ist um ein Drittel auf 635 Mio. USD gesunken, der Umsatz auf 14,4 Mrd. USD", konkretisiere der Händler. Der Trend hin zu mobilen Geräten mache der einstigen weltweiten Nummer 1 im Computergeschäft schwer zu schaffen. "Tablet-Computer und Smartphones werden Laptops einfach vorgezogen." Besonders große Einbußen habe Dell im Privatkundengeschäft zu verzeichnen. Der Fokus auf Dienstleistungen helfe nicht viel. "Es fehlt einfach an Innovationen." Die Aktie sei nachbörslich um 18 Prozent auf 10 Euro gefallen und am gestrigen Mittwoch sogar darunter gerutscht. "Das ist nicht mehr so weit vom historischen Tief bei 6,29 Euro vom Februar 2009 entfernt."
Konkurrent Hewlett-Packard (ISIN US4282361033/ WKN 851301) habe zwar ganz ähnliche Probleme, hier sei der Quartalsbericht aber deutlich freundlicher aufgenommen worden, wie Vrbsky registriert habe. "Die Zahlen im zweiten Quartal lagen zwar deutlich unter den Vorjahreswerten, waren aber besser als erwartet." Zudem hätten Börsianer die angekündigten Sparmaßnahmen des Konzerns inklusive Abbau von 27.000 Stellen honoriert. Die Aktie, die mit dem Quartalsbericht von Dell am gestrigen Mittwoch noch unter Druck geraten sei, habe nachbörslich um 10 Prozent zugelegt, wie Vrbsky melde. "Hewlett-Packard schlägt sich besser als Dell", resümiere der Händler. An der Börse Frankfurt koste die Aktie heute 18,10 nach 16,50 Euro am gestrigen Mittwoch, vor gut einem Jahr habe der Dividendentitel allerdings noch bei knapp 40 Euro notiert.
Ganz klar frohlocken könnten unterdessen Aktionäre von Ariba (ISIN US04033V2034/ WKN A0B6Z7), dem Anbieter eines globalen Netzwerks für den cloudbasierten Handel. Die angekündigte Übernahme durch SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460) habe die Kurse durch die Decke gehen lassen. "SAP will 45 USD je Aktie zahlen, das ergibt einen Unternehmenswert von 4,3 Mrd. USD", erkläre Vorhauser. Der Verwaltungsrat habe bereits zugestimmt, nun müssten die Aktionäre noch Ja sagen. "Ariba ist im Cloudgeschäft gut aufgestellt", bemerke Vorhauser, auch die aktuellen Quartalszahlen hätten überzeugt. Die Aktie gehe heute zu 35,63 Euro über den Tisch, vor einer Woche seien es nur 28 Euro gewesen.
Positive Nachrichten habe auch der Bergbauriese Rio Tinto (ISIN GB0007188757/ WKN 852147) zu vermelden: "Der Konzern hat erste Genehmigungen für ein neues Vorhaben zur Förderung von Bauxit in Australien erhalten", berichte Vrbsky. Das Projekt koste 1,5 Mrd. USD und habe eine Lebenszeit von 40 Jahren, 1.300 neue Arbeitsplätze würden entstehen. Die Aktie habe davon bislang aber noch nicht besonders profitieren können, Rio Tinto sei am heutigen Donnerstag zwar im Plus, "das gilt aber für alle Rohstoffwerte".
Die Baader Bank mache im Übrigen kurz vor der Fußball-Europameisterschaft polnische Aktien (u. a. ISIN PLPKN0000018/ WKN 929424, ISIN PLTLKPL00017/ WKN 917448, ISIN PLPGNIG00014/ WKN A0F6CZ, ISIN PLPKO000001/ WKN A0DLEV, ISIN PLKGHM000017/ WKN 908063) an deutschen Börsen handelbar, wie Vrbsky erkläre. "Ab sofort sind die zwanzig Titel des polnischen Leitindex WIG 20 (ISIN PL9999999987/ WKN 969729) auch an der Börse Frankfurt notiert." Möglich sei dies durch eine Gesetzesänderung in Polen. Damit könnten Anleger hierzulande erstmals direkt auf polnische Aktien setzen, nach Ansicht vieler Analysten ein Wachstumsmarkt. Der WIG 20 umfasse die liquidesten polnischen Dividendentitel, etwa aus den Bereichen Bergbau, Energie, Finanzen und Telekommunikation. (24.05.2012/ac/a/m)
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