Logo
Analysen - DAX 100
23.03.2012
HHLA-Aktie: eine (zu) zeitnahe Elbvertiefung bereits eingepreist
Warburg Research

www.optionsscheinecheck.de

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Christian Cohrs, Analyst von Warburg Research, stuft die Aktie von HHLA (ISIN DE000A0S8488/ WKN A0S848) in einer Ersteinschätzung mit dem Votum "verkaufen" ein.

Mit einem über 75%-Markanteil sei HHLA der führende Terminalbetreiber im Hamburger Hafen, der mit einem schnellen Zugang zur Ostsee, einem ausgedehnten Hinterlandnetzwerk sowie einem überdurchschnittlichen Exposure zu den schnell wachsenden Routen nach/von Asien günstig in der Nord Range gelegen sei.

Auf kurze Sicht dürften die Terminalkapazitäten mit der Neueröffnung des Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven (2012) und Maasvlakte 2 in Rotterdam (2013/14) schneller wachsen als das Containervolumen und damit zu einem Preisverfall bei den Transhipment Volumen führen. Mittelfristig könnte auch HHLAs O&D-Verkehr infolge eines verbesserten Hinterland-Transportnetzwerks für Antwerpen und Rotterdam unter Druck geraten.

Containerschiffe der ULCV-Klasse könnten den Hamburger Hafen nicht voll beladen anlaufen/verlassen und seien von Ebbe und Flut abhängig. Folglich müssten Reedereien Kapazität ungenutzt lassen und teure Verzögerungen riskieren. Auf HHLA würden im Gegenzug geschätzte Sonderkosten in Höhe von Euro 25 Mio. (z.B. Überstundenvergütungen) pro Jahr zukommen, um diese Schiffe, trotz der widrigen Umstände, so gut wie möglich umzuschlagen. Die geplanten Ausbaumaßnahmen würden Erleichterung, aber keine Heilung verschaffen.

Die Erwartungen einiger Hamburger Offizieller und Kapitalmarktteilnehmer eines baldigen Beginns der Ausbaumaßnahmen könnten sich als falsch erweisen. In ihrem Modell würden die Analysten von einem Beginn im Sommer 2013 ausgehen. Es gebe eine Reihe von guten Gründen, eine eher vorsichtige Haltung einzunehmen: Diese Angelegenheit zeichne sich durch eine endlose Reihe an Verspätungen und Fehlurteilen aus (so habe der Hamburger Senat noch am 01.11.2011 erwartet, dass Anfang 2012 mit dem Ausbau begonnen werde).

Die Vertiefungsarbeiten bei der Weser seien auf Bitten des höchsten Verwaltungsgerichts in Leipzig für mindestens ein halbes Jahr ausgesetzt worden, nachdem einige Parteien gerichtliche Schritte gegen die Baumaßnahmen eingeleitet hätten. Da auch Umweltschutzgruppen in Hamburg die Anfechtung des Planfeststellungsbeschlusses angekündigt hätten, sobald dieser gewährt worden sei, habe sich der Staatssekretär des Verkehrsministeriums kürzlich dahingehend geäußert, dass er mit der baurechtlichen Genehmigung für die Vertiefung erst in 2013 rechne.

Das FCFY-Modell zeige, dass das aktuelle Kursniveau ohne die Ergebnis- und Volumenimpulse durch die Elbvertiefung nicht durch das Cashflow-Momentum gestützt werde. Im Falle einer erheblichen Verzögerung würden die Analysten daher ein Downside-Risiko sehen. Eine Verzögerung würde zudem mit einer Anpassung der Konsensschätzungen nach unten einhergehen, was üblicherweise einen niedrigeren Aktienkurs nach sich ziehe. Das DCF-Modell, auf das eine Verzögerung der Ausbaumaßnahmen keine wesentlichen Auswirkungen habe, signalisiere eine angemessene Bewertung.

Angesichts des aktuell unvorteilhaften Chance/Risiko-Verhältnisses eines Engagements in HHLA sollten Investoren nach Meinung der Analysten von Warburg Research den Verkauf der Aktie in Erwägung ziehen. Auf Basis des Ergebnisses des FCFY-Modells werde das Kursziel bei Euro 21 je Aktie angesetzt. (Analyse vom 22.03.2012) (23.03.2012/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



© 1998 - 2026, optionsscheinecheck.de