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Analysen - Marktberichte
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03.02.2012
Internationale Kapitalmärkte aktuelle Anlagestrategie
Weberbank
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Berlin (aktiencheck.de AG) - Die amerikanischen Konjunkturzahlen fielen in der letzten Woche insgesamt eher durchwachsen aus, berichten die Analysten der Weberbank.
Positiv überrascht habe der kräftige Anstieg der Auftragseingänge für langlebige Güter sowie die Stimmungsaufhellung der Konsumenten und des Industriesektors. Auf der anderen Seite hätten sich Arbeits- und Häusermarkt schlechter entwickelt als erwartet. Auch das BIP-Wachstum im vierten Quartal sei mit 2,8% schwächer ausgefallen, als von den Volkswirten erwartet worden sei. Das Wachstum sei vor allem vom Privatkonsum und dem Lageraufbau getrieben gewesen, wobei allein die Lagerinvestitionen fast 2% zum Wachstum beigetragen hätten. Der größte Störfaktor sei der US-Staat gewesen, der seine Ausgaben auf allen Ebenen um 4,6% gedrückt habe.
Die Analysten würden die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft weiterhin eher verhalten einschätzen. Einerseits dürfte der Beitrag der Lagerinvestitionen zukünftig deutlich geringer ausfallen und andererseits werde der Spardruck bei der öffentlichen Hand noch stärker zunehmen. Die derzeitige Wirtschaftleistung sei viel zu gering, um die Arbeitslosenquote nachhaltig und in absehbarer Zeit zu senken. Auch vom Export werde angesichts der europäischen Schuldenkrise und der globalen Wachstumsabkühlung kein großer Wachstumsimpuls zu erwarten sein.
Die Konjunktur in der Eurozone zeige zaghafte Stabilisierungsanzeichen. Sowohl die Einkaufsmanagerindices in Europa als auch der ifo- und ZEW-Index hätten über den Markterwartungen gelegen. Allerdings seien die regionalen Unterschiede weiterhin sehr groß. Während sich die nordeuropäischen Länder gut halten würden, sei in den südeuropäischen Problemländern weiterhin mit gravierenden wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen. Der enorme Spardruck in diesen Ländern werde auch zukünftig die Konjunktur belasten.
Der Anstieg des deutschen ifo-Index sei bereits der dritte in Folge und zusammen mit dem starken Anstieg im ZEW-Index sende er ein erfreuliches Konjunktursignal aus. Dies wecke die Hoffnung, dass das konjunkturelle Tief bald überwunden werden könne oder zumindest Kerneuropa nicht gänzlich in eine Rezession abzugleiten drohe. Allerdings würden die enttäuschenden Zahlen zu den Auftragseingängen zeigen, dass die wirtschaftliche Erholung auf wackligen Füßen stehe und die Gefahren für den weiteren Konjunkturverlauf weiterhin hoch seien. Für eine nachhaltige Erholung sollten sich erst die Unsicherheiten rund um die Euro-Schuldenkrise verflüchtigen.
Die Aktienmärkte hätten ihren fulminanten Jahresstart weiter fortgesetzt. Der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) habe sogar die 6.600 Punktemarke überwunden und damit den stärksten Januaranstieg seit 37 Jahren markiert. Die rückläufigen Umsätze würden darauf hindeuten, dass viele Marktteilnehmer den starken Anstieg verpasst bzw. unterproportional daran teilgenommen hätten. Der daraus entstehende Performancedruck könne die Aktienmärkte durchaus noch weiter vorantreiben.
Positive Impulse seien zusätzlich von der US-Berichtssaison gekommen. Bisher hätten mehr als ein Drittel der im S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) enthaltenden Unternehmen ihre Quartalszahlen vorgelegt, wobei 59,9% der Gesellschaften die Marktschätzungen hätten übertreffen können. Im historischen Vergleich sei diese Zahl allerdings eher enttäuschend. Eine so schwache Entwicklung habe es zuletzt im vierten Quartal 2008 gegeben.
Insgesamt lasse sich festhalten, dass die Aktienmärkte von der extrem hohen Notenbankliquidität getrieben und durchaus noch weiteres Aufwärtspotenzial besitzen würden. Bei einem nachhaltigen Anstieg über 6.630 Punkte würden die nächsten Ziele bei 6.830 und 6.990 Punkten liegen. Zu viele Anleger seien in Aktien untergewichtet und müssten den steigenden Aktienmärkten hinterherlaufen.
Allerdings werde die Luft nach oben hin auch immer dünner. Nach dem schnellen Anstieg seit Anfang des Jahres nehme die Stimmung unter den Marktteilnehmern schon euphorische Züge an. Die Hauptrisiken für die Märkte würden weiterhin aus der europäischen Schuldenkrise und dem schwierigen konjunkturellen Umfeld in vielen Regionen resultieren. Die Analysten würden daher empfehlen, bestehende Aktienpositionen vor möglichen Kursverlusten abzusichern.
Der deutsche Rentenmarkt habe sich gegen die steigenden Aktienmärkte behaupten können. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe sei auf ca. 1,8% gefallen. Die Aussicht auf längerfristig niedrige Leitzinsen in den USA, die reichliche Liquiditätsversorgung in der Eurozone sowie die anhaltende Sorge um die finanzielle Stabilität der Eurozone hätten zu dieser positiven Entwicklung geführt.
Die Analysten seien der Meinung, dass der deutsche Rentenmarkt aufgrund der hohen Notenbankliquidität sowie unverändert tiefer Leitzinsen auch zukünftig gut unterstützt bleiben werde. Allerdings würden sie auf dem gegenwärtigen Renditeniveau den Schwerpunkt auf Pfandbriefe und Unternehmensanleihen setzen.
Trotz des zwischenzeitlichen Anstiegs des Euros gegenüber dem USD würden die Analysten mittelfristig mit einer Dollarstärke rechnen. Zum einen werde auch in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum in den USA über dem in Europa liegen. Zum anderen würden die Analysten von der EZB eine weitere Leitzinssenkung erwarten, sodass die Zinsunterstützung für den EUR geschmälert werde.
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hätten die Analysten entweder selbst angestellt oder aus von ihnen als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt könnten sie für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung sei nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert. (03.02.2012/ac/a/m)
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