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Analysen - TecDAX
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30.01.2012
SolarWorld keine schnelle Besserung in Sicht
Sarasin Research
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www.optionsscheinecheck.de
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Zürich (aktiencheck.de AG) - Der Aktienanalyst, Martin Schwab, von Sarasin Research stuft die Aktie von SolarWorld (ISIN DE0005108401/ WKN 510840) mit "reduce" ein.
SolarWorld (SW), Deutschlands bekannteste Marke im Solarbereich, sei mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund EUR 400 Mio. ein global tätiger Solartechnologiekonzern mit Sitz in Bonn (Nordrhein-Westfalen). Das Kerngeschäft sei die Produktion von Solarmodulen - über sämtliche Wertschöpfungsstufen (Rohstoff - Wafer - Solarzelle - Modul - Solarstromanlage) - von der Dachinstallation bis zur Großanlage.
Der Umsatz im dritten Quartal sei um 30% gegenüber dem Vorjahr gesunken, das EBIT gar um 60%, obwohl dieses durch "sonstige betriebliche Erträge" (eingenommene Strafzahlungen für stornierte Bestellungen) positiv beeinflusst worden sei. In einer Segmentbetrachtung sei insbesondere der Verlust von EUR 13 Mio. in den USA im dritten Quartal 2011 aufgefallen, welcher neben dem Nachfrage- und Margenrückgang auch auf Restrukturierungsaufwendungen zurückzuführen gewesen sei. Auch der für SW wichtige deutsche Markt sei weit hinter den Erwartungen zurück geblieben.
Aufgrund der unbefriedigenden Nachfrage und der tiefen Preise habe SW seine Umsatzprognose für 2011 von "mehr als EUR 1,3 Mrd." auf "mehr als 1 Mrd." zurückgenommen. Nachdem die EBIT-Marge im 5-Jahres-Durchschnitt über 20% und in 2009 und 2010 immerhin noch über 14% gelegen habe, rechnen die Analysten von Sarasin Research für 2011E und 2012E mit einer operativen Marge von unter 10% resp. unter 8%.
SW versuche die Krise am Endmarkt durch Nachverhandlungen mit seinen Lieferanten abzufedern. Im kommenden Jahr dürften deshalb maßgeblich tiefere Kosten (z.B. beim Einkauf von Silizium) erwartet werden. Um dem fehlenden operativen Cash Flow entgegenzuwirken, würden 2012 die Investitionen markant zurückgefahren. Bisher seien auf dem Warenlager mit einem aktuellen Gesamtwert von EUR 540 Mio. lediglich rund EUR 20 Mio. abgeschrieben worden. Dies erscheine bei einem Preiseinbruch der Modulpreise von über 30% zu tief angesetzt zu sein. Weitere Wertberichtigungen seien wahrscheinlich.
Die Analysten würden das Risiko von SW, als Verlierer aus der bevorstehenden Konsolidierungswelle hervorzugehen, als beträchtlich einstufen. Die Gesellschaft stehe unter Druck, sich baldmöglichst geografisch zu diversifizieren, da die Konkurrenz in ihren "Heimmärkten" Deutschland und USA in den letzten Monaten stark gestiegen sei. SW sei gewillt, die Exportquote bis Ende des laufenden Jahres von 47% (2010) auf 75% zu erhöhen. Die Analysten von Sarasin Research befürchten, dies könnte sich negativ auf die Margen auswirken, da der Preiskampf in Märkten mit weniger Fördermitteln mit härteren Bandagen geführt wird und die Marketinganstrengungen durch einen solchen Schritt erhöht werden müssten. Zudem sei der Brand SolarWorld international deutlich weniger stark verankert als dies beispielsweise im Heimmarkt Deutschland der Fall sei.
Die SW-Aktie sei 2011 hart abgestraft worden. Die Bewertungskennzahlen lägen allesamt deutlich unter dem Sektordurchschnitt. Im Verlauf der letzten Monate seien im Markt auch immer wieder Übernahmegerüchte zu vernehmen gewesen, welche die Analysten aber unter der aktuell unvorteilhaften Marksituation als eher unwahrscheinlich einstufen würden. Mit Blick auf die kritische Finanzierungssituation, die ungünstige strategische Positionierung und das Fehlen von positiven Katalysatoren würden sie die Gefahr von weiteren Enttäuschungen als hoch erachten. Der starke Kurssprung seit Jahresbeginn sei ihres Erachtens nicht gerechtfertigt und berge ein erhöhtes Verlustpotenzial.
Die Analysten von Sarasin Research bewerten die SolarWorld-Aktie mit "reduce". (Analyse vom 27.01.2012) (30.01.2012/ac/a/t)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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