|
Analysen - Ausland
|
16.09.2002
Priceline kein Handlungsbedarf
iWatch
|
www.optionsscheinecheck.de
|
Die Wertpapierexperten von "iWatch" sehen derzeit keinen Handlungsbedarf bei den Aktien von Priceline (WKN 919819).
Priceline habe ein KUV von 0,5, also ein sehr niedriges. Dies sei aber schlecht, da das KUV nach Ansicht der Experten nicht niedrig genug sei. Priceline bilanziere den kompletten Umsatz, der mit dem Verkauf von Flugtickets erwirtschaftet werde, obwohl Priceline nur als Zwischenhändler tätig sei. Die Begründung laute, dass im Falle von Zahlungsausfällen der Kunden, Priceline dieses Risiko zu tragen habe und die Höhe des Ausfallrisikos entspreche dem Ticketpreis.
Priceline habe ein patentiertes System, Restsitze von Flügen zu verscherbeln. Fluggesellschaften wollten ihre Tickets nicht unter Preis anbieten, denn damit würden sie sich ihre eigene gut zahlende Kundschaft verärgern. Priceline habe ein System entwickelt, mit dem Fluggesellschaften, ohne an die Öffentlichkeit zu treten, ihre Restplätze verscherbeln könnten. Als Interessent gebe man auf den Priceline Webseiten die gewünschten Flugdaten ein. Am Ende nenne man noch den Preis, den man maximal zu zahlen bereit sei. Anschließend müsse man noch die Kreditkarteninformationen eingeben und nun Priceline 3 Tage Zeit geben, einen passenden Flug zu finden.
Normalerweise binnen 12 Stunden erhalte man dann eine Antwort von Priceline. Diese laute entweder: "Nein, wir konnten Ihr Angebot nicht erfüllen, oder Ja, wir haben ein Ticket für den von Ihnen genannten Preis gefunden." Wenn ein Ticket gefunden worden sei, dann habe man nun aber nicht mehr die Möglichkeit, das Ticket anzunehmen oder nicht. Sondern man habe es nun bereits gekauft. Der Betrag werde von der Karte abgebucht und das Ticket werde zugestellt.
Durch dieses Verfahren schlage Priceline drei Fliegen mit einer Klappe. Erstens erspare man sich umständliche Verkaufsverhandlungen mit potentiellen Kunden, zweitens werde vermieden, dass die Fluggesellschaften ihre niedrigsten Preise, die Schmerzgrenze, an die Öffentlichkeit geben würden und drittens könne die Differenz zwischen Einkauf und Angebot komplett eingestrichen werden. Der Kunde erfahre den Preis, den Priceline gezahlt habe, nicht.
Eigentlich sei dies ein geniales Geschäftskonzept: Kaum Fixkosten und ein beliebig, entsprechend Angebot und Nachfrage skalierbares Geschaeft. Leider sei die Idee so gut, dass der Kurs des Unternehmens schon einmal auf 165 US-Dollar gejubelt worden sei. Insbesondere die oben angesprochene fragwürdige Umsatzbilanzierung habe zu dem Trugschluss geführt, dass dieses Unternehmen einmal mit hohen Umsätzen und Margen von 20% und höher ein neuer Marktgigant werden könnte. Weit gefehlt. Die Margen seien niedrig, Kunden hätten gelernt, wie sie nahe am Mindestpreis ansetzen würden und nachdem Fluggesellschaften in Folge der Anschläge ihre Linienflüge stark zurückgeschraubt hätten, seien nicht mehr so viele freie Sitze verfügbar.
Die Experten ginge also statt nach dem Umsatz lieber nach dem KGV, um das Unternehmen zu bewerten. Im nächsten Jahr möchte Priceline 13 Cents verdienen. Dies würde ein KGV 03e von 17 ergeben. Da bleibe nicht viel Raum nach oben. Nach unten aber auch nicht. Aufgrund der leichten Skalierbarkeit des Geschäftsmodells könne Priceline sich recht gut und flexibel an die veränderten Märkte anpassen. Man befürchte nicht, dass das Unternehmen bald pleite gehen könnte. Das sollten auch die Cashreserven in Höhe von 160 Mio. US-Dollar vermeiden, die ja kaum angegriffen werden müssten.
Im Gegenteil, man könnte sich vorstellen, dass die Nachfrage nach Priceline-Tickets in den nächsten Monaten und Jahren noch ansteigen werde, da nach wirtschaftlichen Unruhen Unternehmen und Privatpersonen auch beim Kauf von Flugtickets preissensibler werden sollten. Während Fluggesellschaften weiterhin schwere Zeiten vor sich haben sollten, werde Priceline eine kleine Lücke oder Nische ausfüllen, die es dem Unternehmen ermöglichen sollte, ein bescheidenes aber gesichertes Dasein zu fristen. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger dieses Unternehmen betrachten und eventuelle Kursausbrüche über 5 USD zum Shorten und Einbrüche unter 2 US-Dollar für spekulative Käufe nutzen.
Aktuell besteht bei der Priceline-Aktie kein Handlungsbedarf, so die Experten von "iWatch".
|