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25.01.2012
Presse: Commerzbank will Kernkapital durch Neubewertung von Kreditausfallrisiken auffüllen
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Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Commerzbank AG (ISIN DE0008032004/ WKN 803200) will einem Medienbericht zufolge einen Teil ihres Kapitalbedarfs durch legale Bilanzierungstricks auffüllen.
Wie die "Financial Times Deutschland" (Mittwoch) unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, gewinnt das durch die Finanzkrise in Schieflage geratene Kreditinstitut rund 1 Mrd. Euro an Kernkapital, in dem sie für Kredite geringere Ausfallrisiken ansetzt, als dies bis dato der Fall war. Durch dieses Verfahren sinkt das Risikogewicht in den Büchern. Gleichzeitig steigt dadurch die Kernkapitalquote, ohne dass die Bilanzsumme schrumpft oder frische Eigenmittel zufließen, hieß es. Experten bezeichnen das auch von europäischen Konkurrenten der Commerzbank praktizierte Vorgehen nach Angaben der Wirtschaftszeitung zwar als rechtlich einwandfrei. Sie sehen darin aber zugleich einen Beleg für die Fragwürdigkeit interner Ratings. Die Pläne des Instituts "sind eigentlich nicht im Sinne des Erfinders. Damit wird das System karikiert, denn es heißt nicht, dass sich jeder das Beste herauspicken darf", wird Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance, von der Wirtschaftszeitung zitiert. "Allerdings ist es legitim und zeigt, wie viel Ermessensspielräume es gibt."
Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut begründet die Änderungen an seinem Berechnungsmodell mit zwei Faktoren: Nach Aussage von Finanzvorstand Eric Strutz hat sich zum einen die Datenqualität verbessert. So seien bislang unberücksichtigte Kreditsicherheiten ehemaliger Kunden der Dresdner Bank, die die Commerzbank 2008 gekauft hatte, neu in die Datenbank aufgenommen worden. Strutz verweist zudem auf den höheren "Wiedergewinnungsfaktor". Mittelständische Unternehmen hätten seit der Finanzkrise ihre Eigenkapitalquoten deutlich gestärkt, dadurch seien die Risiken gesunken. Die BaFin habe die Änderungen abgesegnet, teilte Strutz mit.
Die Commerzbank hatte in der Vorwoche erläutert, wie sie bis Ende Juni die von der EU-Bankenaufsicht EBA geforderte harte Kernkapitalquote von 9 Prozent erreichen will. Im EBA-Stresstest wies das deutsche Unternehmen eine Lücke von 5,3 Mrd. Euro aus, nun möchte es sein hartes Eigenkapital sogar um bis zu 6,3 Mrd. Euro stärken. Etwa 3,1 Mrd. Euro solle der Abbau der risikogewichteten Bilanz einbringen, also die Verringerung jener Vermögenswerte, die mit hartem Eigenkapital zu unterlegen sind. Dabei setzt die Bank zum einen auf Verkäufe und zum anderen eben auf die Neubewertung von Kreditausfallrisiken, schreibt das Blatt.
Die Aktie der Commerzbank notiert aktuell mit einem Minus von 0,53 Prozent bei 1,88 Euro. (25.01.2012/ac/n/d)
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