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Analysen - Ausland
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20.01.2012
OMV Nabucco und IPIC als Trigger für die Aktie
Erste Bank
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Wien (aktiencheck.de AG) - Der Analyst der Erste Bank, Thomas Unger, stuft die Aktie von OMV (ISIN AT0000743059/ WKN 874341) unverändert mit "kaufen" ein.
Zum Ende des letzten Jahres hätten die Türkei und Aserbaidschan eine Absichtserklärung unterzeichnet, welche das Potenzial habe, das von der EU unterstützte Nabucco Erdgas Pipeline Projekt scheitern zu lassen bzw. es einzuschränken: Es solle mit der "Trans Anatolian Pipeline" eine Verbindung errichtet werden, die Erdgas aus Aserbaidschan quer durch die Türkei nach Europa bringe. Mehrheitlich an dem Projekt beteiligt sei der Gaslieferant selbst: der Öl- und Gaskonzern SOCAR (in aserbaidschanischem Staatsbesitz) solle mit einem 80% Anteil das Konsortium leiten, der Rest sei in der Hand türkischer Staatsunternehmen.
Anders als etwa die geplante russische South Stream Pipeline (die nun auch den Segen der Türkei erhalten habe), würde die Trans Anatolian Pipeline jenes Erdgas transportieren, um das sich Nabucco beworben habe, das der zweiten Ausbaustufe des riesigen aserbaidschanischen Shah Deniz Gasfelds im Kaspischen Meer. Die Trans Anatolian Pipeline würde also Nabucco das Gas aus Aserbaidschan wegschnappen, welches die erste Stufe der Pipeline hätte füllen können. Der Bau beider Pipelines durch die Türkei würde, nach Meinung der Analysten, wenig Sinn machen, denn Iran und Irak könnten derzeit noch nicht als verlässliche Gaslieferanten betrachtet werden, während Turkmenistan von Aserbaidschan als erstes Transitland abhängig sei, es wäre also zu wenig Erdgas vorhanden.
Somit laute die Schlussfolgerung der Analysten, dass, sollte die Trans Anatolian Pipeline tatsächlich gebaut werden, dies das Aus für das Nabucco Projekt in der ursprünglich geplanten Variante bedeuten würde. Möglich wäre jedoch auch eine kürzere Version von Nabucco, die an der bulgarisch-türkischen Grenze an die Trans Anatolian Pipeline anknüpfen könnte. Die Entscheidung des Shah Deniz Konsortiums (dem neben BP (ISIN GB0007980591/ WKN 850517) und Statoil (ISIN NO0010096985/ WKN 675213) auch SOCAR angehöre), welches der derzeit vier möglichen Pipelineprojekte mit ihrem Gas beliefert werde, sollte im ersten Quartal 2012 fallen.
SOCAR dementiere, dass Nabucco aus dem Rennen sei, könnte aber mit Nabucco nur noch die Verbindung von Bulgarien nach Österreich meinen. Für die EU wäre dies ein Rückschlag, denn die Trans Anatolian Pipeline würde wesentlich weniger nicht-russisches Erdgas nach Europa bringen, als Nabucco es könnte.
Die OMV sei Teil des Nabucco Konsortiums. Da die Kostenschätzungen seit der letzten offiziellen Schätzung (2008: EUR 7,9 Mrd.) in letzter Zeit regelrecht explodiert seien (auf bis zu EUR 12 bis 15 Mrd.), würden die Analysten davon ausgehen, dass sich eine solche kürzere Variante von Nabucco sogar positiv auf die OMV-Aktie auswirken könnte. Der zweite wichtige "Trigger" für die OMV-Aktie wäre das grüne Licht des Wirtschaftsministeriums für IPIC (Staatsfonds aus Abu Dhabi, halte derzeit 24,9%) zur Aufstockung des Anteils über die 25% Grenze hinaus. Eine diesbezügliche Entscheidung könnte in den nächsten Wochen fallen.
Aufgrund dieser möglichen Auslöser für einen Aufschwung in nächster Zeit und der noch immer bestehenden Unterbewertung der OMV-Aktie, bleiben die Analysten der Erste Bank bei ihrer "kaufen"-Empfehlung. Das Kursziel werde bei EUR 34 gesehen. (Analyse vom 20.01.2012) (20.01.2012/ac/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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