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Analysen - TecDAX
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17.01.2012
Carl Zeiss Meditec Wachstumsdelle in Sicht
Heibel-Ticker
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www.optionsscheinecheck.de
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Berlin (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "Heibel-Ticker" würden abwarten, bevor sie als Anleger in die Aktien von Carl Zeiss Meditec (ISIN DE0005313704/ WKN 531370) investieren.
Medizintechnik sei ein Wachstumsmarkt, sollte man meinen bei der Überalterung unserer Gesellschaft. Doch es gebe auch gegenläufige Entwicklungen, so dass man die Medizintechnik nicht über einen Kamm scheren könne. Insbesondere bei Arztpraxen werde derzeit gespart, was das Zeug halte. Gleichzeitig werde es für viele niedergelassene Ärzte immer schwerer, sich mit Kassenpatienten über Wasser zu halten. Für besondere Investitionen in neue Geräte brauche man einen großen Anteil von privat versicherten Patienten.
Doch Privatversicherte würden Mangelware. Ihnen hafte der Ruf an, sich nicht am Gemeinwohl zu beteiligen und noch dazu "nur wegen des Geldes" weniger Zeit im Wartezimmer verbringen zu müssen. Zudem hätten die vergangenen Jahre gezeigt, dass die Beitragsentwicklung bei Privatversicherungen eher den Lottoziehungen entspringen würden, als einer verlässlichen, langfristigen Kalkulation.
Und die traditionell privat versicherten Gruppen wie insbesondere die Beamten würden langsam wegsterben. Schon lange sei die Zahl der Beamten in Deutschland stark rückläufig, es würden stattdessen öffentliche Angestellte eingesetzt, die eben nicht automatisch privatversichert seien.
Carl Zeiss Meditec biete beispielsweise Medizintechnik an, mit der Augenärzte Augen-OPs vornehmen könnten. So eine Maschine würden nicht selten eine halbe Millionen Euro kosten, und jeder Augenarzt wisse, dass er die Kosten allein über Kassenpatienten nicht hereinspielen könne.
Zudem sei in Deutschland seit Fielmann (ISIN DE0005772206/ WKN 577220) auch das Tragen einer Brille wieder hipp.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen in Deutschland überlege es sich ein Augenarzt zweimal, ob er die Investition in eine Carl Zeiss Maschine wage oder nicht lieber kleinere Brötchen backe.
In Frankreich sei die Entwicklung eine ganz ähnliche. Und in England sei die wirtschaftliche Entwicklung dank der Finanzturbulenzen so ungewiss, dass Ärzte sich ebenfalls zurückhalten würden.
Einzig in den USA würden sich erste Blüten eines Wirtschaftswachstums zeigen. Doch dort stünden im November Präsidentschaftswahlen an, und wenn Obama erneut gewählt werde, dann könne sich der Gesundheitssektor auf weiterhin harte Zeiten einstellen. Obama versuche mit aller Gewalt, die Gesundheitskosten für den kleinen Mann erschwinglich zu machen - ein Anliegen, das bei einem republikanischen Präsidenten Romney beispielsweise eher in den Hintergrund treten würde. Er würde eher eine Verbesserung des Gesundheitsangebots anstreben, indem er die Investitionsmöglichkeiten für die Branche verbessere, auch wenn das am Ende zu höheren Behandlungskosten führe.
Man glaube, Obama werde eine zweite Präsidentschaftszeit erhalten. Und das würden auch viele Augenärzte in den USA glauben, denn auch dort halte man sich derzeit mit Investitionen in Carl Zeiss Maschinen zurück.
Wachstum bei Medizintechnik für Augen-OPs finde derzeit einzig in den Schwellenländern statt. Doch dort würden Billiganbieter und eben nicht gerade Carl Zeiss mit seinen Hochpräzisions-High-End-Maschinen dominieren. Die Gewinnmargen in den Schwellenländern seien gering, die dortige Bevölkerung könne sich die hochpreisigen Maschinen von Carl Zeiss Meditec noch nicht leisten.
Diese Woche habe in den USA eine Medizin-Tagung ausgerichtet von J.P. Morgan (ISIN US46625H1005/ WKN 850628) stattgefunden, bei der alles was Rang und Namen habe, aus der Branche dabei gewesen sei. Carl Zeiss habe auf dieser Tagung seine Prognose für 2012 gesenkt. Noch im Vorfeld der Konferenz hätten sich Analysten für Carl Zeiss Meditec auf Wachstum für 2012 festgelegt, doch diese Erwartung sei nun vom Unternehmen als falsch entlarvt worden.
Von der Konferenz in den USA bis zum Verkäufer der deutschen Aktien in Deutschland sei ein weiter Weg. Die Aktie sei bislang nur um 1,4% gefallen, und die Experten würden erwarten, dass sie in den nächsten Tagen, wenn die Analysten ihre Schätzungen der gesenkten Unternehmensprognose anpassen würden, weiter fallen werde.
Das Unternehmen sei gesund und gut geführt. Es handle sich nach Einschätzung der Experten tatsächlich nur um eine Wachstumsdelle, nicht um den Verlust der Marktposition. Carl Zeiss sei Technologieführer und müsse sich den Marktgegebenheiten anpassen: High-End werde nicht zu jedem Zeitpunkt nachgefragt und ein Schwenk zu erschwinglicheren Geräten würde dem Unternehmen den Markt der Schwellenländer eröffnen.
Ein solcher Schwenk nehme einige Quartale in Anspruch, sei aber durchaus eine gute Chance für Carl Zeiss Meditec. Doch diesen Schwenk würden die Experten von "Heibel-Ticker" abwarten, bevor sie als Anleger in die Aktien von Carl Zeiss Meditec investieren. (Ausgabe 2 vom 13.01.2012) (17.01.2012/ac/a/t)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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