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Analysen - DAX 100
12.09.2002
IKB akkumulieren
WGZ-Bank

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Die Analysten der WGZ-Bank stufen die Aktie der IKB Deutsche Industriebank AG (WKN 806330) nach wie vor mit "akkumulieren" ein.

Der auf die Finanzierung mittelständischer Unternehmen fokussierten IKB hafte der Ruf des Unspektakulären an. Als langjähriges MDAX-Mitglied mit stabiler Eigentümerstruktur (34% Kreditanstalt für Wiederaufbau, 11% Stiftung Industrieforschung, 55% Versicherungen, Fonds und Streubesitz) könne sich das Institut zwar auf eine insgesamt erfolgreiche Geschäftspolitik, nicht jedoch auf eine besondere Aufmerksamkeit des Kapitalmarkts stützen.

Auch die IKB habe in den letzten 24 Monaten - die viele Branchenvertreter als die problematischsten in Deutschland seit Ende des zweiten Weltkriegs bezeichnen würden - in Teilbereichen den negativen konjunkturellen Einflüssen Tribut zollen müssen. Der durch den IPO-Boom der Jahre 1998 bis 2000 motivierte späte Aufbau von Kapazitäten in der Eigenkapitalfinanzierung (inzwischen "Private Equity") mündete in erheblichem Abschreibungsbedarf auf Beteiligungen, deren Exit über die Börse nicht mehr gelungen ist, so die Analysten der WGZ-Bank.

Darüber hinaus sei die Risikovorsorge in 2001/02 trotz der Konzentration des Geschäfts auf den "gehobenen Mittelstand" fast auf dem hohen Niveau des Jahres 2000/2001 bestehen geblieben (175 Mio. EUR nach 187 Mio. EUR). Die Risikoquote habe das dritte Jahr in Folge in der Nähe von 40% und damit fast doppelt so hoch wie noch Mitte der neunziger Jahre verharrt. Beide konjunkturbedingten Faktoren hätten ihre Spuren in der Erfolgsrechnung hinterlassen und überlagerten, dass die IKB strategisch sichtbar vorangekommen sei.

Positiv hervorzuheben sei nach Erachten der Analysten, dass der Umbau der Aktivitäten, insbesondere die Erweiterung des Leistungsspektrums von der einfachen Kreditvergabe (Bereich Unternehmensfinanzierung) über das Leasinggeschäft auf anspruchsvolle strukturierte Finanzierungen erkennbar Früchte trage. Zudem begleite die IKB inzwischen ihre mittelständische Kundschaft verstärkt über die Landesgrenzen hinaus und stehe für internationale Akquisitionsfinanzierungen zur Verfügung. Die weitaus aktivere Portfoliosteuerung und die gewonnene zusätzliche Kompetenz zeige sich auch darin, dass die IKB im internationalen Geschäft zunehmend als Arrangeur von Transaktionen auftrete.

Die Entwicklung der Segmente belege den bisherigen Erfolg des vor drei Jahren eingeschlagenen Weges. Noch im Geschäftsjahr 1999/2000 seien 60,5% der Konzernerlöse auf die herkömmliche Kreditvergabe (UF) und lediglich 13,9% auf strukturierte Transaktionen (SF) entfallen. Im abgelaufenen Jahr habe sich die Relation deutlich auf 45,5% (UF) zu 19,9% (SF) verschoben. Da auch die übrigen Bereiche - eine Ausnahme bilde hier lediglich Private Equity - ihr relatives Gewicht hätten steigern können und die Ergebnisbeiträge weitgehend gefolgt seien, sei das Geschäftsmodell der IKB heute viel breiter und flexibler als dies vor der Umstrukturierung des Konzerns der Fall gewesen sei. Bis zum Jahr 2004/2005 werde eine noch ausgewogenere Struktur mit Erlösanteilen von 40% (UF), 35% (SF) sowie 15% (IF) und 5% (PE) angestrebt.

Die am 15. August veröffentlichten Ergebnisse des ersten Quartals 2002/2003 seien nach Auffassung de Analysten insgesamt befriedigend ausgefallen. Mit 111 Mio. EUR sei der Zinsüberschuss marginal um 0,1% gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres zurückgegangen, diese Entwicklung sei jedoch durch einen Anstieg des Provisionsüberschusses um 5,7 Mio. EUR auf 8,7 Mio. EUR deutlich überkompensiert worden. Zugleich habe aber der zuvor bereits beträchtliche Risikovorsorgesaldo um 3,2 Mio. EUR bzw. 8,7% auf 39,8 Mio. EUR aufgestockt werden müssen. Die IKB schließe sich hier dem weiter vorherrschenden Trend in der deutschen Kreditwirtschaft an. Darüber hinaus sei die Vorsorgepolitik mit Blick auf die meist ebenfalls beträchtlichen Auflösungen von Rückstellungen nach Zahlungseingängen als eher konservativ zu bewerten.

Kritischer sei der auf Quartalsbasis deutlich um 11,3% auf 54 Mio. EUR angestiegene Verwaltungsaufwand zu würdigen. Der Verweis des Managements auf aperiodische Beratungskosten sowie höheren IT-Aufwand sei zwar grundsätzlich plausibel, man gehe jedoch im Hinblick auf die weiter expansive Entwicklung der Mitarbeiterzahl und die im laufenden Jahr relativ hohen Tarifanpassungen davon aus, dass die Zielmarke eines Anstieges des Verwaltungsaufwands von 6% überschritten werde.

Insgesamt habe die IKB im ersten Quartal ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 36,1 Mio. EUR erwirtschaftet. Der Überschuss nach Steuern habe sich per 30. Juni 2002 auf 19,2 Mio. EUR oder 0,22 EUR je Aktie belaufen und habe den Vergleichswert des Vorjahres um 6,7% überstiegen. Für das Gesamtjahr 2002/2003 liege die Analysten-Prognose aufgrund höherer Erwartungen an das Segment Private Equity leicht über der Zielsetzung der IKB (165 Mio. EUR), so dass man von einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 175 Mio. EUR ausgehe. Bei fast unveränderter Steuerquote und stabilen Anteilen Dritter schätze man den Jahresüberschuss auf 87 Mio. EUR, entsprechend einem Gewinn je Aktie von 0,99 EUR. Die IKB würde sich damit in einem weiter anspruchsvollen Umfeld erneut besser als die deutschen Universalbanken behaupten.

Vor dem Hintergrund der ernsten wirtschaftlichen Situation der wichtigsten Zielgruppe der Bank - dem inländischen Mittelstand - werde die in der jüngeren Vergangenheit gezeigte Stabilität als Beleg einer verlässlichen und vorausschauenden Unternehmensführung gewertet. Die Analysten hielten daher die Ankündigung des Managements, ab dem Geschäftsjahr 2003/2004 wieder spürbare Ertragszuwächse von über 10% zu erreichen, für realistisch. Eine höhere Dynamik, z.B. aufgrund sinkender Belastungen aus den Kreditrückstellungen, würde der IKB-Aktie, die sich regelmäßig durch eine hohe Dividendenrendite auszeichne, zusätzliche Kursphantasie eröffnen.

Die Analysten der WGZ-Bank belassen sowohl ihr Kursziel von 18 EUR als auch ihre Anlageempfehlung "akkumulieren" für die IKB-Aktie unverändert.



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