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Analysen - DAX 100
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02.01.2012
Rheinmetall solider MDAX-Konzern zum Schnäppchenpreis
National-Bank AG
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Essen (aktiencheck.de AG) - Manfred Jaisfeld, Analyst der National-Bank AG, nimmt die Aktie von Rheinmetall (ISIN DE0007030009/ WKN 703000) mit dem Rating "kaufen" neu in seine Anlageempfehlungen auf.
Die Anfang November vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres 2011 hätten insgesamt klar enttäuscht. Der Umsatz habe sich zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 4% auf 1,03 Mrd. Euro erhöht, das am Markt erwartete Niveau von 1,07 Mrd. Euro sei damit jedoch verfehlt worden. Das operative Ergebnis (EBIT) habe sich leicht von 67 Mio. Euro auf 73 Mio. Euro verbessert, damit jedoch weit weniger kräftig als mit 85,5 Mio. Euro erwartet. Unter dem Strich habe Rheinmetall nach Abzug von Minderheitenanteilen im dritten Quartal 44 Mio. Euro nach 40 Mio. Euro vor Jahresfrist verdient und damit geringfügig weniger als im Rahmen der Konsensprognose mit 46 Mio. Euro unterstellt.
Dabei habe der Bereich Automotive mit einem Umsatzanstieg um 15% auf 564 Mio. Euro sowie einer Verdoppelung des operativen Ergebnisbeitrags auf 39 Mio. Euro wie erwartet solide Zahlen berichtet. Die konzernweite Negativabweichung habe einzig aus der schwachen Entwicklung des Unternehmensbereichs Defence resultiert. Sowohl das Umsatzvolumen von 466 Mio. Euro (-7%) als auch das operative Ergebnis von 42 Mio. Euro (-19%) hätten nicht die vorherigen Prognosen erreicht. Die Analysten würden hier vor allem den ausgeprägten Projektcharakters des Geschäfts als ursächlich ansehen.
Einzelne Projektverzögerungen würden dabei leicht zu einer Abweichung vom erwarteten Wert führen, was auch im dritten Quartal der Fall gewesen sein dürfte. Ungeachtet dessen stelle die generelle Konjunkturunabhängigkeit sowie der Langfristigkeit der Aufträge in Augen der Analysten jedoch einen stabilisierenden Faktor in der Ertragsentwicklung des Konzerns dar. Der aktuelle Auftragsbestand bei Rheinmetall Defence in Höhe von 4,75 Mrd. Euro entspreche dabei fast dem 2,3fachen Jahresumsatz der Sparte.
Rheinmetall rechne für das zu Ende gegangene Jahr mit einem operativen Ergebnisbeitrag der Rüstungssparte zwischen 340 Mio. Euro und 360 Mio. Euro bei einem Umsatzvolumen von 2,1 Mrd. Euro. Die kapitalisierungsgewichteten Mittelwerte der beiden Relationen Enterprise Value (EV) zu EBIT und Market Value (MV) zu EBIT der Vergleichsgruppe lägen für das Kalenderjahr 2012 derzeit bei 6,3 respektive 7,1. Die Relationen EV zum Umsatz und MV zum Umsatz würden jeweils 0,4 betragen. Selbst bei unterstelltem Nullwachstum der Sparte würden die Analysten auf Basis der vier genannten Bewertungsgrößen damit einen fairen Unternehmenswert für Rheinmetall Defence in Höhe von fast 1,5 Mrd. Euro errechnen. Je Aktie errechne sich daraus ein Wert des Rüstungsgeschäfts von mindestens 35 Euro. Das mittelfristig vor der Abspaltung stehende Automotivegeschäft bekomme ein Investor beim aktuellen Rheinmetall-Aktienkurs demnach quasi gratis dazu.
Der Titel habe im Jahresverlauf 2011 besonders unter zwei Faktoren gelitten: Zum einen hätten die insbesondere für das Jahr 2012 erwartete konjunkturelle Abschwächung und die daraus abzuleitenden Absatzrückgänge auf den wichtigen Automobilmärkten die Bewertungsrelationen von Automobilzulieferern unter Druck gesetzt. In Kombination mit dem turbulenten Börsenumfeld habe Rheinmetall daher den Börsengang der Automotive-Sparte auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Auf der anderen Seite habe die europäische Staatsschuldenkrise zu der berechtigten Annahme geführt, dass die Verteidigungsbudgets wichtiger Abnehmerländer auf Jahre hinaus unter Druck bleiben würden.
Die Analysten würden die Belastungsfaktoren jedoch als vollständig im Kursniveau eingepreist ansehen. Zum einen habe sich historisch der Beginn eines Konjunkturabschwungs als guter Einstiegszeitpunkt im Automobilsektor herausgestellt. Zum anderen dürften sich Einsparungen in den Rüstungsetats ihren Erwartungen zufolge vor allem auf Personal- und Verwaltungskosten und weniger auf die Materialausrüstung beziehen. Gemäß ihren Bewertungsmodellen Peer-Group-Analyse und Discounted Cash Flow-Analyse würden sie ein faires Kursniveau für die Rheinmetall-Aktie in Höhe von 49,00 Euro ableiten.
Gegenüber dem aktuellen Kursniveau von 34,24 Euro errechne sich daraus ein Aufwärtspotenzial für die Aktie von 43,1%. Anders formuliert, entspreche die aktuelle Börsenbewertung von 1,4 Mrd. Euro bereits dem von den Analysten ermittelten fairen Wert der Rüstungssparte. Das mittelfristig vor der Abspaltung stehende Automotive-Geschäft bekomme ein Investor demnach aktuell gratis dazu.
Die Analysten der National-Bank AG nehmen die Rheinmetall-Aktie mit dem Votum "kaufen" und einem Kursziel in Höhe von 49,00 Euro neu in ihre Anlageempfehlungen auf. (Analyse vom 02.01.2012) (02.01.2012/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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