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Analysen - DAX 100
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13.12.2011
Beiersdorf Kernsanierung ermöglicht sauberen Neubezug
SRH AlsterResearch
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Oliver Drebing, Analyst von SRH AlsterResearch, stuft die die Aktie von Beiersdorf (ISIN DE0005200000/ WKN 520000) mit "kaufen" ein.
Unter den aktuellen Restrukturierungen deutscher Großunternehmen sei der negative Stress zuletzt in manchem Fall ausgeartet: böses Blut begleite den Umbau bei ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001/ WKN 750000), METRO (ISIN DE0007257503/ WKN 725750), Celesio (ISIN DE000CLS1001/ WKN CLC100). Narben in der Unternehmenskultur seien die eine Hypothek; schwerer wiege, wenn die angestrebte Neuorientierung von geerbten finanziellen Lasten erdrückt zu werden drohe.
Unter wesentlich günstigeren Voraussetzungen vollziehe sich der Korrekturprozess bei Beiersdorf. Fehlgriffe und wertvernichtende Richtungsentscheidungen der zurückliegenden Jahre würden sich im Vergleich zur Unternehmenssubstanz bescheiden ausnehmen. Noch-Konzernlenker Quaas führe die Bereinigung an und ermögliche Nachfolger Heidenreich einen unbelasteten Start. Der Kapitalmarkt könne sich jetzt bereits einrichten, Beiersdorf sehr bald mit einem attraktiven Gesicht präsentiert zu bekommen. In der Auseinandersetzung mit dem Wettbewerb könne Heidenreich ab April mit fokussierter Schlagkraft auf Angriff gehen.
Die aufgestockten Korrekturen würden die Freisetzung von weltweit 1.000 der zuletzt 18.000 Mitarbeiter vorsehen, eine Verlagerung von Entscheidungskompetenz in die Regionen sowie zusätzliche Bilanzanpassungen für das China-Engagement. Es gebe Überschneidungen mit dem Mitte Dezember 2010 verkündeten Programm. Der für das jüngste Paket geplante außerordentliche Aufwand von 265 Mio. EUR gliedere sich in Abschreibungen für China-Aktivitäten über 140 Mio. EUR sowie weitgehend noch 2011 zu verbuchende 125 Mio. EUR außerordentlicher Einmalkosten für die Regionalisierung in Managementstrukturen und Unternehmenskultur.
Zu den Effizienzsteigerungen, die ab 2014 voll greifen sollten, habe Beiersdorf quantitative Plan-Angaben kommuniziert. In ihrem Prognosetableau würden die Analysten keine konkrete Zuordnung der Einsparungen vornehmen, sondern die zusätzlichen Schritte als Voraussetzung betrachten, um mittelfristig das Ziel einer EBIT-Marge von 15% anpeilen zu können. Beiersdorf müsse den forcierten Wandel notwendigerweise vollziehen, um allein kulturell an die besten der global agierenden Wettbewerber Anschluss zu halten.
Für das Geschäftsjahr 2011 würden die Analysten auf Grundlage der Unternehmensaussagen Einmalbelastungen von 255 Mio. EUR in der EBIT-Betrachtung (195 Mio. EUR beim Nachsteuerergebnis) schätzen, die fast ausschließlich mit dem laufenden Schlussquartal (Q4) verbucht würden. Die Prognoserechnung der Analysten für 2012 enthalte Einmalbelastungen von 10 Mio. EUR auf EBIT-Ebene (5 Mio. EUR beim Nachsteuerergebnis).
Bereits 2010 habe Beiersdorf Sondereffekte von 116 Mio. EUR ausgewiesen, davon 78 Mio. EUR auf Goodwill der China-Geschäfte (nach 2010 verbliebener Ansatz: 93 Mio. EUR) und Marken der C-Bons Hair Care (verblieben: 128 Mio. EUR). Im laufenden Jahr seien gesteigerte Marketing-Investitionen sowie Einbußen im Rahmen der nunmehr weitgehend abgeschlossenen Sortimentsstraffung in der Größenordnung von 70 bis 80 Mio. EUR zu verkraften gewesen, die jedoch nicht als Sondereffekte ausgewiesen worden seien.
Aus dem letztjährig präsentierten Maßnahmenbündel seien in Q4 2011 noch rund 30 Mio. EUR als außerordentlicher Sonderaufwand verblieben, die in den Angaben zum jüngst aufgestockten Programm eingerechnet seien. Auf operativer (bereinigter) Ebene habe Beiersdorf die Guidance zuletzt bestätigt.
Die Analysten von SRH AlsterResearch bewerten die Beiersdorf-Aktie mit dem Rating "kaufen". Ihre Peer-Group-Bewertung indiziere zunächst 42,00 EUR als angemessenen Kurs der Aktie (EV/bereinigtes EBIT). Die Analysten würden für 2012 eine Konzern-EBIT-Marge von 11,5%, für 2014 von 13% erwarten. Diese Zuversicht über ein zu hebendes Ergebnispotenzial (abgebildet im DCF-Modell) und die Perspektive eines neuen "Gesichts" würden ihnen zu einer Kurszielformulierung von 48,00 EUR (zuvor: 45,00 EUR) leiten. (Analyse vom 13.12.2011) (13.12.2011/ac/a/d)
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