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Analysen - Marktberichte
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30.09.2011
USA steiniger Weg durch Konjunkturperspektiven
Raiffeisen Bank International AG
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www.optionsscheinecheck.de
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Wien (aktiencheck.de AG) - Die wichtigsten US-Aktienindices liegen - allen Turbulenzen zum Trotz - nicht allzu weit von ihren Notierungen zu Jahreswechsel entfernt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Das müsse schon hervorgehoben werden, wenn man bedenke, dass die Kurse im März sowie im Mai/Juni teils stark rückläufig gewesen seien - von den Schulden- und Konjunktursorgen im Juli/August einmal ganz abgesehen. Lange Zeit habe es so geschienen, als könnten alle Unwägbarkeiten dem Aktienmarkt nicht wirklich viel anhaben. Die anhaltend sprudelnden Gewinne der Unternehmen, ein relativ hohes Maß an Liquidität und ganz einfach der Mangel an auf den ersten Blick besseren Veranlagungsalternativen schien ganz generell für Aktien zu sprechen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Macht der Kapitalmärkte drohe nun aber auch an der Bastion der US-Aktienmärkte zu nagen. Der Markt wolle effektive, langfristig tragfähige Maßnahmen von der Politik sehen, welche die Rückzahlung der Berge an Staatsschulden ermöglichen würden - und das möglichst ohne das Wachstum allzu sehr zu schmälern. Dies zu erreichen gleiche aber einem mächtigen Kunststück und jede Abweichung von diesem schmalen Grat führe links oder rechts hinunter in den Abgrund.
In diesem Umfeld würden sich die Analysten veranlasst sehen, in ihrer Einflussfaktorenmatrix die Einschätzung in Sachen "Konjunktur" zumindest auf "3" herabzustufen. Die US-Konjunktur-Vorlaufindikatoren seien in den letzten Monaten auf bedrohliche Niveaus zurückgekommen, hätten sich aber vorläufig stabilisiert, ohne wirkliche Rezessionsszenarien anzudeuten. Somit sollte sich die Wirtschaftsstimmung im Verlauf des zweiten Halbjahres eher verbessern als noch weiter abdriften. Das in 2010 noch gesehene Potenzialwachstum werde sich zwar 2011 und 2012 nicht wiederholen lassen. Die Gefahr einer neuerlichen Rezession sehe man aber zumindest für die USA nicht.
In Sachen Zinstrend bzw. Geldpolitik hätten die Analysten ihre Einschätzung in der Einflussfaktorenmatrix mit "2" gleich belassen wie vor drei Monaten. Die US-Notenbank habe klar zum Ausdruck gebracht, dass bis in 2013 hinein nicht mit irgendwelchen Zinserhöhungen zu rechnen sein werde. Gleichzeitig laufe zwar die belebende Wirkung von "QE2" aus, die zur Verfügung gestellte Liquidität bleibe aber üppig. Die Renditen lang laufender US-Staatsanleihen würden weiter auf unnatürlich tiefen Niveaus verharren - eine Konsequenz aus der extremen Risikoaversion. Die solcherart enorm "teuren" Anleihen würden also weiterhin - zumindest theoretisch - die relative Attraktivität von Aktien unterstützen.
Die Umsatz- und Gewinnentwicklung der börsenotierten Unternehmen präsentiere sich auf Basis der zuletzt veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2011 sehr robust. Quartal um Quartal hätten seit 2009 die Erwartungen der Analysten aus dem Vorfeld der Berichtssaison übertroffen werden können.
Im Verlauf der letzten Unternehmensveröffentlichungen zum zweiten Quartal sei aber aufgefallen, dass trotz mehr als 70% positiver Gewinnüberraschungen der Gewinnrevisionstrend für den S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) nach unten gedreht sei. Die Unternehmen des S&P 500 würden nach jüngsten Schätzungen im laufenden Jahr "nur mehr" knapp 20% mehr verdienen als in 2010. Damit würden die US-Unternehmen in Summe zwar immer noch prächtig verdienen (eine ganze Reihe von Unternehmen und Branchen nehme inzwischen schon wieder mehr ein als in den Boom-Jahren 2006/07), der Trend zeige aber ganz klar nach unten - und für die Börsen zähle nun einmal die Zukunft. Folglich müsse man auch den Einflussfaktor "Gewinnentwicklung" schlechter bewerten als noch vor drei Monaten.
Die Bewertung des breiten US-Aktienmarktes für 2011 präsentiere sich angesichts des erwarteten Gewinnwachstums - und der Kursrückgänge im Sommer - mit einem KGV von etwa 12 durchaus moderat. Folglich würden die Analysten die Beurteilung dieses Punktes in ihrer Einflussfaktorenmatrix auf "2" belassen. Neben der "absolut" attraktiven Bewertung bleibe insbesondere auch die "relativ" sehr gute Bewertung gegenüber dem deutlich teureren Anleihenmarkt unverändert bestehen. Einzig ein Blick auf die Kurs/Buchwert-Verhältnisse und/oder die (längerfristig relevanten) Shiller-KGVs bringe hier im globalen Vergleich weniger konkurrenzfähige Daten zutage.
Die Welt scheine voll von Stolpersteinen für ein Vorankommen der Aktienmärkte zu sein. Die Analysten würden weitaus mehr dunkle Wolken als Lichtblicke sehen. Die Börsen hätten sich zwar schon ein Stück weit auf dieses Umfeld eingestellt; bis Jahresende erwarte man dennoch - in Absenz wirtschaftspolitischer Befreiungsschläge - weitere Kursrückgänge. Die Analysten würden zum Verkauf raten. (Ausgabe 4. Quartal 2011) (30.09.2011/ac/a/m)
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